Der Begriff Sukkulenten kommt von den lateinischen Wörtern sucus (= Saft) bzw. suculentus (= saftreich ). Folglich versteht man darunter saftreiche Pflanzen. Sie sind meist an besonders trockene Standorte angepasst. Dazu gehören Kakteen, aber auch andere Sukkulenten. Somit hätte - nüchtern gesehen - als Titel 500 winterharte Sukkulenten von A - Z" genügt, auf der anderen Seite gibt es bei Liebhabern dieser Pflanzen wie auch in diesem Buch eine traditionelle Zweiteilung in Kakteen auf der einen Seite und den anderen - übrigen - Sukkulenten auf der anderen Seite. Manche Arten und Sorten können im Winter draußen bleiben bzw. ausgepflanzt werden. Ihrem Reiz verfallen immer mehr Liebhaber, das Thema ist mehr und mehr im Kommen.
Dieses Buch stellt 500 solch winterharte Sukkulenten - einschließlich Kakteen - für das Freiland vor und gibt einen motivierenden Einblick in die schier unerschöpfliche Farben- und Formenvielfalt der Arten, Unterarten, Varietäten und Sorten. Die Verfasser haben sich die Gebiete aufgeteilt. Martin Haberer hat die Vorstellung der "anderen Sukkulenten" übernommen, Hans Graf thematisierte diejenigen der Kakteen, die winterhart sind, zumindest wenn man sie vor Dauernässe schützt. Solche gibt es in der Familie der Kakteengewächse (Cactaceae), wenn das auch dort nicht die Regel ist. Man muss dabei einige Vorraussetzungen beachten, wenn man mit der Freilandkultur Erfolg haben will. Beide Autoren schöpfen aus großer gärtnerischer Erfahrung und das ist die große Stärke dieses Buches. Die ausführlichen Informationen zu Pflege, Vermehrung und der richtigen Standortwahl sind durchweg fundiert und ein Destillat breiter, jahrzehntelanger Praxis.
Auf die Symbole zur Winterhärte sollte man sich nicht hundertprozentig verlassen, sondern unbedingt die korrekten Hinweise im Text zu diesen groben Richtwerten beachten, z. B. bei Aeonium, Agave oder dem Regenschutz bei Delosperma, damit man die Pflanzen wirklich heil über den Winter bringt. Das Buch ist sowohl für Anfänger, als auch für alte Hasen" geeignet. Beide werden Gewinn daraus ziehen. Zum einen gibt es grundlegende Angaben zu häufigen Anfängerfragen, z.B. wie man sich "sein Substrat" denn nun selber mischt, zum anderen wichtige Hinweise für Fortgeschrittene, beispielsweise dass die Nährstoffe bei Auspflanzung auf dem Dach nach drei bis vier Jahren aufgezehrt sind und eine Nachdüngung erforderlich ist.
Das opulent mit Farbfotos versehene Werk beginnt mit einleitenden, allgemeinen Informationen, die für alle Sukkulenten gelten: Standort, Pflege, Winterschutz, Vermehrung und Verwendung im Garten oder auf dem Balkon.
Danach werden 400 der "anderen Sukkulenten" in Kurzporträts und farbenprächtigen Fotos vorgestellt: Vertreter der Aeonium, Agaven, Aloen, Calandrinia, Chiastophyllum, Crassula, Delosperma, Dorotheanthus, Echeveria, Jovibarba, Lewisia, Orostachys, Portulaca, Rhodiola, Rosularia, Sedum und Sempervivum. Bei den Fotos vor allem von Sempervivum und Jovibarba sollte man beachten, dass die Sorten und Arten im Buch natürlich von ihrer besten Seite gezeigt werden, sie sehen in der Regel nicht das ganze Jahr über so prächtig aus wie in der Hauptfärbungs- oder Blütezeit. Auch sind noch nicht alle dargestellten Schönheiten in genügender Anzahl vermehrt, z.B. bei den Balkan-Fransenhauswurzen (Jovibarba heuffelii; Syn. Sempervivum heuffelii) - dies nur nebenbei, um Enttäuschungen vorzubeugen. Dieser erste Teil des Buches ist naturgemäß wesentlich umfangreicher als das folgende Thema.
Im zweiten Teil geht es um 100 winterharte Kakteenarten und -sorten. Auch hier findet sich eine speziell auf Kakteen abgestimmte Einleitung mit grundlegenden Informationen zur Standortwahl, Pflege, dazu Tipps, wie man die in Frage kommenden Kakteen erfolgreich durch den Winter bringt, wie auch deren Vermehrung und gärtnerische Verwendung. Danach werden die geeigneten Vertreter der "stacheligen Gesellen", die in den Gattungen Echinocereus, Escobaria und Opuntia zu finden sind, in Wort und Bild porträtiert. Wie im ersten Teil gibt es auch hier spezielle Themenseiten zu verschiedenen Farben und Formen: Waren es z.B. "mysteriöse Kammformen", "samtige und haarige Rosetten" bei den anderen Sukkulenten, so geht es hier beispielsweise um "unterschiedliche Bedornungen", "wunderschöne Kaktusfrüchte", "schwachwüchsige Kakteen für Miniaturgärten" oder "Freilandkakteen für Einsteiger". Einige Synonyme der sich mitunter voneinander unterscheidenden wissenschaftlichen Bezeichnungen, weiterführende Literatur und - besonders hilfreich - eine gute Auswahl von Liebhabervereinigungen und Bezugsquellen runden das gelungene Katalogbuch ab, auf dass die Devise sei: Schmökern, Nachschlagen, Entscheiden, Verwenden und sich erfreuen!
Martin Haberer, Hans Graf : 500 winterharte Sukkulenten und Kakteen von A - Z. - Ulmer Verlag, Stuttgart 2010. 190 Seiten, 485 Farbfotos, Klappenbroschur, ISBN 978-3-8001-5487-6