Wein ist mehr als ein Getränk. Wein ist Kultur. Eine Kultur, die vor einer großen Herausforderung steht: Die Globalisierung hat den Weinmarkt erreicht. Weinautor Till Ehrlich schreibt: „Er (der Weinmarkt) ist nicht länger eine Insel der Weinseligen, sondern ein hart umkämpftes Segment.“ Deshalb sollte jeder wissen, was er mit seinem Geld kauft, letztendlich fördert: Den Winzerwein, geprägt durch Handwerk, Weinberg und Mensch. Oder einen nach Marketingkonzepten entwickelten Wein, der für bestimmte Zielgruppen mit technischen Hilfsmitteln designt wurde. Bei dieser Entscheidung ist dieser Weinführer unentbehrlich.
„500 Weine unter 10 Euro“ bietet zuerst einen Überblick der besten Weine aus Europa und Übersee in diesem Preissegment. Mit den Schwerpunkten Deutschland (190 Weine) und Österreich (109) beginnt der Weinführer in Argentinien (4), führt natürlich über Frankreich (45), Griechenland (8), Italien (47) bis hin zu Spanien (24), Südafrika (3) und Ungarn (7). Eine Erweiterung, der Weinführer erscheint bereits im siebenten Jahrgang, bietet das letzte Kapitel. Dort werden 26 Schaumweine vorgestellt, denn „immerhin gehören 20 Prozent aller in Deutschland gekauften Weine der schäumenden Art an“. Die kompetenten Weinempfehlungen, von Till Ehrlich in einer launigen, manchmal sogar literarischen, immer an Leserinnen und Lesern orientierten Form geschrieben, werden durch das umfangreiche Bezugsquellenverzeichnis komplett. Hier findet jeder schnell zu seinem Wein!
Die Weinempfehlungen entstanden nach einer unabhängigen Verkostung. Wichtig! Dahinter steckt keine PR-Strategie, schon erkennbar in der individuellen Sprache des Autors: „Da hüpft das Herz walzerselig im Dreivierteltakt.“ „Winzer Michael Wenzel ist ein Könner, der sich selbst zurücknimmt und seinen Wein sprechen lässt. Zuhören und genießen!“ Oder zu einem griechischen Cabernet Sauvignon: „Ein trockener Rotwein mit Substanz. Duftig und sanft. Stilvolles Trinkvergnügen ohne Strapazen.“ Dazu empfiehlt der Autor Lammrücken. Wer also einen Wein zu seinem Essen sucht, ist auch hier richtig. Zu jedem Wein gibt es einen Speise-Tipp, der im sorgfältig bearbeiteten Anhang noch einmal alphabetisch zu finden ist.
Der Autor behandelt Fragen, die jeden Weintrinker oder auch den Weinliebhaber beschäftigen. Schraubverschluss oder Kork? „Etwa zehn Prozent aller Weine werden durch Kork verdorben.“ Historische Flaschenform oder Designerflasche? „Wollen Sie einen guten Wein oder eine hübsche Flasche kaufen?“ Angst vor dem Fachhandel? „Die Ausstattung einer Weinhandlung lässt keine Rückschlüsse auf ihre Preisgestaltung zu.“ Welcher Wein zum Essen? „Der Wein, auf dem Sie beim Essen Lust verspüren, das ist immer der passende.“
Dieser Weinführer ist viel mehr als nur ein „Schnäppchenführer“. Er ist nicht nur kompetent recherchiert, sorgfältig bearbeitet und unterhaltend geschrieben. „500 Weine unter 10 Euro“ bietet im Gewande eines Weinführers eine erstaunliche Bilanz der gegenwärtigen Weinkultur, die die Unkultur bemerkbar macht. Nach dem Genuss des Weinführers beginnt dann die reale Welt des Weines. „Sie kann manchmal ernüchternd sein“, schreibt Ehrlich. Gut zu wissen! Wir haben die Entscheidung.