Wozu das Buch gut sein soll, ist Jürgen Neckham bereits während des Schreibens gefragt worden. Uns seine Antwort lautet: "...um sich zu informieren, und zwar schnell." Na ja, diesem Geschwindigkeitsrausch bin ich glücklicherweise noch nicht erlegen. In Griffweite steht mein gutes altes Kindler Literaturlexikon. Daneben einige Nachschlagewerke für neuere Literatur. Und im PC sind unter Lesezeichen die üblichen Links abrufbereit. Zwingend nötig ist das Schnellsuchsystem von Neckham für mich also nicht. Trotzdem habe ich Freude daran. Nicht nur weil ich den Mut der jungen Leseratte bewundere, sich in die Kanondiskussion der Alten einzumischen, sondern weil mir die Idee grundsätzlich gut gefällt. Zudem ist sie sauber umgesetzt. Was der Autor selber von seinem Unternehmen profitierte, kann ich nur erahnen.
Wer Neckhams Arbeit belächelt, soll es ruhig selber mal probieren. Es ist gar nicht so einfach, einen Roman in einem Satz zusammenzufassen. Wobei der Richtigkeit halber gesagt sein muss, dass einige Satzkonstruktionen recht abenteuerlich klingen und an Übersetzungsstunden im Lateinunterricht erinnern. Ein Heinrich von Kleist ist der Theaterwissenschaftler und Germanist noch lange nicht. Aber alle Achtung, Neckhams Gesamtwerk darf sich sehen lassen. Ob seine besten Sätze, die er den Zusammenfassungen noch folgen lässt, tatsächlich die besten sind, lasse ich offen. Jedenfalls sind sie ein zusätzliches Lesevergnügen und regen dazu an, sich selber Gedanken über die Highlights von Lieblingsbüchern zu machen.
Mein Fazit: Frech, unbeschwert und gekonnt schreibt Jürgen Neckham eine neue Literaturgeschichte. Er wählt Romane aus, fasst die Inhalte in einer gewagten Satzkonstruktion zusammen und gibt noch preis, welcher Satz der Geschichte den stärkten Eindruck hinterlassen hat. Fand nicht jede Inhaltsangabe berauschend, aber zusammen mit dem Mut-Stern gibt es die Höchstnote.