Einleitende Worte könnte man hier viele schreiben. Schwärmerisch über die Bedeutung und das Gesamtwerk von Fr Bush, oder aber auch kritische über ihre langen Pausen oder das nicht von allen geschätze Album mit Neueinspielungen ihres Repertoires. Das kann aber nur wieder in einem natürlich friedlichen Gezanke in den Kommentaren führen, deswegen lieber ohne Einleitung und kurz und knapp bevor es zu den Inhalten geht ;-) ... Die verlängerte Babypause ist vorbei, Bertie ist aus dem Gröbsten raus und jetzt widmet sich Kate Bush wieder ihrer Muse. Und mit dem Stichwort Bertie haben wir auch schon die Überleitung zu den Songs.
SNOWFLAKE. Bertie's engelsgleiche Stimme fällt wie eben eine Schneeflocke vom Himmel. Der Song erzählt die Geschichte von müttlerlicher Liebe. Erst im zweiten Teil setzen das Orchester und die kaum wahrnehmbaren Drums ein. Gleich zu Beginn gelingt es Kate, eine Winterlandschaft zu zaubern, die nicht besser in Musik hätte umgesetzt werden können.
LAKE TAHOE. Auch der zweite Song ist eine Pianoballade. Mit einem einem fast opernhaften Duet einer Tenor und einer Countertenor Stimme. Die kleine Pause gegen Ende des Songs, in der Kate scharf ein und ausatment .... Gänsehaut.
MISTY. Ein 13 minütiges Stück, Song mag man dazu nicht mehr so recht sagen. Im Mittelpunkt steht eindeutig Kate's Stimme, nur getragen vom Klavier. Musik und Texte gehen wundervoll in einander über und ergänzen sich perfekt. Ihre Stimme hat sich geändert über die Jahre, in diesem Song wird es am deutlichsten, tiefer, erdiger führt sie uns durch diese kleine Parabel, eine Liebesgeschichte zwischen Frau und Schneemann. Zutiefst erotisch ("melting in my hand", the next morning "the sheets are soaking") aber auch sehr nachdenklich in Bezug auf die Vergänglichkeit der grossen Emotionen.
WILD MAN. Erst in der Mitte des Albums wird das Instrumentarium erweitert. Das Synthi Intro ist etwas verwirrend, nach einem geflüsterten Beginn steigert sich der Song über ein hoch melodische Bridge in einen wunderschönen Refrain. In den langen Album Version ist der Song noch besser als in der kürzeren Singel. Musikalisch - besonders im Mittelteil - und stimmlich wird eine Schicht über die andere gelegt, wie man es aus den 80ern von ihr kennt.
SNOWED-IN AT WHEELER STREET. Ein Duet mit Elton John, der vielleicht poppigste aber auf jeden Fall prätentiöste Song des Albums. Auch wenn man Elton nicht mag, ihre Stimmen harmonieren perfekt, und machen die Geschichte des Songs über verlorene Liebe sehr sehr greifbar.
50 WORDS OF SNOW. Hier sind Briten am Werk, das sollte jedem klar sein, es wird charmant schräg. Stephen Fry (wer ihn nicht kennt, einfach auf Twitter folgen ... köstlich) rezitiert 50 Synonyme für Schnee, von poetisch bis vulgär, angefeuert von Kate, immer noch einen drauf zu legen. Und das ganze unterlegt von Keyboards, die schon fast wieder acid house sind.
AMONG ANGELS. Das Klavier erzeugt eine magische Stimmung, dunkel und laut. Und lässt das erstaunliche Album ausgleiten.
Das Album ist sehr in sich geschlossen, textlich wie musikalisch, mit den drei fast jazzigen klavier getragenen Songs im ersten Teil, und dem lebendigeren zweiten Teil, in dem dann weitere Instrumente aufgefahren werden. Vor allen Dingen Steff Gads Geschick und Gespür an den Drums sind ein Genuss. Hier macht es durchaus Sinn, die Finger von der Shuffle Taste zu lassen, keine Playlist zu erstellen und das Album von vorne nach hinten zu hören - immerwieder.
Zum Abschluss muss ich mich aber doch outen. Ich gehöre natürlich zu der schwärmerischen Fraktion.
"50 of Snow" ist aussergewöhnlich geworden, bezaubernd, verzaubernd. Klassisch für Kate in dem Sinne, dass man von ihr schon immer Ideen erwarten konnte, an die sich nicht jeder Künstler herantraut. Ideen und Ansätze, die wenn man sie versucht zu beschreiben, albern und komisch wirken, die aber auf unnachahmliche Weise in aussergewöhnliche, emotionale und sehr intime Musik umgesetzt werden. Mir ist unbegreiflich wie sie das immer wieder schafft, aber um das analytische wie-und-warum mache ich mir keinen Kopf. Und höre lieber dieses Album weiter, das es schafft, genau wie die Jahreszeit, die es besingt tief unter die Haut zu gehen.