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Medea, Orestie, Elektra, die Hits der Antike, eröffnen den chronologisch angeordneten Reigen der Stücke. In einem Kurzessay wird, begleitet von Bildern aktueller wie auch historischer Inszenierungen, die Handlung in ihrem historischen Kontext vorgestellt. Kritiker- und Autorenkommentare finden in separaten Kästchen Platz. Den besten Logenplatz sichert sich der Leser durch die clevere "Faktenseite", die noch einmal Inhalt des Stücks, auftretende Personen und eine Kurzbiografie des Autors bündelt. Film-, CD- und Leseempfehlungen sowie weiterführende Kunst-Links machen endgültig rampenfest.
Das Herzstück, Schauspielführer Abels launige und pointierte Essays, sind das reinste Lesevergnügen. Ödön von Horvaths böse Geschichten aus dem Wienerwald analysiert er messerscharf als "Meilenstein in der Universalgeschichte der Niedertracht". Abgehobenen Hamlet-Exegeten empfiehlt Abels, die seelische Not dieser wohl berühmtesten Bühnengestalt nicht "hinter Bücherbergen entschwinden zu lassen". Lessings Nathan geistert hochaktuell als ewiger "Albtraum aller Fundamentalisten, Dogmatiker und Fanatiker" über die Bretter. Auch als Paar-Analytiker erweist sich Abels verblüffend treffsicher: "Monogamie gehört nicht zur menschlichen Grundaustattung." Knapper lässt sich Albees Ehedauerbrenner Wer hat Angst vor Virginia Woolf? wohl kaum zusammenfassen.
Die nordischen Seismografen bürgerlicher Seelenbeben, Strindberg und Ibsen, fehlen mit Fräulein Julie und Nora oder Ein Puppenheim ebensowenig wie ihr russisches Pendant Cechov, mit Onkel Wanja und dem Kirschgarten gleich zweimal vertreten. Ist man über Beckett, Arthur Miller und Ionesco schließlich bei Edward Bonds 1973 entstandenen Xenophobie-Schocker Die See angelangt, hat sich der Suchteffekt endgültig eingestellt: Man wünscht sich weitere 50 Klassiker. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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