D-Radio Kultur: Nun, nach sicher mehr als nur einer durchwachten Nacht, nach sicher mehr als nur einem Voodoo-Ritual und nach mehr als einmal wundgespielten Fingerkuppen ist auch Hess, der Gitarrist, ein Eingeweihter wie man in New Orleans sagt. Die Spielarten Second Line und Swamp Jazz bergen keine Geheimnisse mehr für Dirk Hess. Die Geister, die ' jedenfalls nach dem Glauben der French Quarter-Bewohner ' sein Wohnzimmer über einem Musik-Club heimsuchten, haben ihn nicht erschreckt, sondern beflügelt. Mit 'Five Days of Flat Water' hat er nun ein Meisterstück abgeliefert.
Westzeit: Von seinen Lehrjahren in den schmierigen Klubs von Storyville/ New Orleans berichtete Dirk Hess bereits auf seinem 05er Debut, mittlerweile ist (noch) mehr absurde Abgeklärtheit, manische Unbekümmertheit und lässige Enthemmung in das Klangbild eingezogen. Ein feines Gastgebläse und die Pedal Steel von Oliver Stangl fügen sich mitsamt dem knochentrockenen Beat perfekt in den stoischen 2nd-line-groove des Mutterschiffs: That's stompin' SwampJazz at it's best!
Warschauer: Und wieder schaffen es die drei Herren, unter Mitwirkung verschiedener musikalischer Freunde, die ihrerseits bei THE NOTWIST, WIR SIND HELDEN und BOOZOO BAJOU in Lohn und Brot stehen, dem Rest der Welt den Geist von New Orleans zu bringen. Leicht angezerrte- und Slidegitarre, Banjo, funky Bläsersätze und mal hypnotisch-monotone, mal komplexe Schlagzeugbeats heben dieses Album wohltuend vom Gros der Veröffentlichungen dieser Tage ab. 'Die hierauf gebotene völlig eigene Mischung aus Tanzbarkeit und sachter Melancholie, handgemachter Musik und träumerischer Verspieltheit ist hinsichtlich Kreativität und Hörbarkeit ganz weit vor allen, die mit technischem Firlefanz, Überproduktion und aufgesetzter Emotion punkten möchten. 'Die rasanten und unabsehbaren Wechsel zwischen treibenden Nummern, 3/4-Takten und Offbeats, zwischen schnellen und langsamen Stücken, zwischen weißen und schwarzen Einflüssen machen '5 Days Of Flat Water' zu einer spannenden, unabsehbaren und mit Überraschungen gespickten Reise durch die Sümpfe Louisianas, den Golf von Mexiko und die karibischen Inseln. Hier findet das Wetter dieses launischen Sommers seine musikalische Entsprechung - mit dem Unterschied, dass JOHN Q. IRRITATED auch Spaß machen wenn die Sonne nicht scheint! Große Begeisterung!
Regiomusik: Ob lateinamerikanisch-angehauchte Schmonzetten wie 'Lil Georgina', purer, bläsergetriebener Funk wie bei 'Travel' oder dem Boogie Woogie Kracher 'I'm John', JOHN Q IRRITATED lassen Stil sicher und technisch erhaben die Traditionen des amerikanischen Südens in einem fantastischen Album aufleben. '5 days of flat water' ist ein Album voller Seele. Musik, wie sie ehrlicher, tanzbarer, zupackender und authentischer nicht sein könnte. Gemacht von Menschen, die ihre Musik wirklich leben. Das hört man den Songs zu jeder Sekunde an.
Pop100: "5 Days Of Flat Water" versammelt 12 Perlen des feurigen Südstaaten-Gebräus, nie langweilig und durchweg auf höchstem musikalischen und arrangeuristischem Niveau.
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