Dieses Multimeter ist in einen ziemlich dicken Plastikpanzer verpackt mit zusätzlichem übergestülpten Weichgummi-Stoßschutz, den man auch abmachen kann. Der Kunststoff stinkt übrigens ganz erbärmlich. Aber das nur am Rande.
Dazu gibt es noch eine schwarze Nyongewebetasche, die außen stabil und innen etwas lieblos vernäht ist, zwei Messspitzen, einen Temperaturfühler und drei AAA-Batterien. Zum Einsetzen der Batterien muss das Gehäuse aufgeschraubt werden. Unter dem Deckel sitzen auch die zwei Feinsicherungen, sollte man mal zuviel Strom durchs Messgerät gejagt haben. Anstatt Batterien könnte man auch Eneloops nehmen, lohnt sich aber bei dem geringen Stromverbrauch für Hobbyisten nicht wirklich.
Messtechnisch sollten alle Wünsche des Elektronikbastlers erfüllt werden. Außerdem gibt es noch Frequenzzähler, Lux, dBA, Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Raumtemperatur und -feuchtigkeit bleiben übrigens im auskunftsfreudigen, großen Display immer eingeblendet.
Ob die ganzen zusätzlichen Messfunktionen aber brauchbar sind? Tja... Die Temperaturwerte sind plausibel und decken sich mit dem, was andere Thermometer mir auch sagen. Die Lautstärkewerte scheinen nach Kurve A gewichtet zu sein, fallen aber zu niedrig aus. Aber das find ich noch im Rahmen, normgerechte und verwertbare Messungen sind mit so etwas nicht zu erwarten. Mit Hygrometern stehe ich generell auf Kriegsfuß, notorisch ungenau. Ich habe mal vier Geräte nebeneinander gestellt und akklimatisieren lassen - alle vier zeigen völlig unterschiedliche Werte an. Das geeichte sagt 59%, das Multimeter 48%. Die zwei anderen Hygrometer liegen mit 70% und 43% auch ziemlich daneben. Für Lux fehlt mir ein referenztauglicher Vergleich, könnte ich aber auf der Arbeit auch mal testen. Viel Hoffnung würde ich mir aber nicht machen. Es handelt sich bei diesen Funktionen eher um Gimmicks für ein paar Euros. Man schaue mal selbst, was man technisch und finanziell investieren muss, um diese Kategorien wirklich zuverlässig zu messen. Aber sei es drum, man nimmt es gerne mit.
Die Displaybeleuchtung mit schwarzen Zahlen auf weißem Grund ist angenehm. Schade ist nur, dass Wählrad und Tasten nicht auch hintergrundbeleuchtet sind. Zwar lässt sich auch im Display erkennen, welcher Modus gewählt ist, aber trotzdem wird so die Bedienung im Dunkeln erschwert.
Das Messgerät arbeitet, außer bei der Stromstärkemessung, mit "Autorange" bzw. "automatischer Bereichswahl". Will heißen, es sucht sich einen passenden Messbereich anhand der Messwerte laufend selbst und schaltet dann beispielsweise zwischen mV oder V bei Spannungen bzw. zwischen ', k' oder M' bei Widerständen um. Manchmal nervt das, wenn das Multimeter z.B wild im Millivolt-Bereich rumspringt, weil es gerade nichts zu messen gibt und es automatisch auf die höchste Empfindlichkeit schaltet. Dann kann man den Messbereich auch manuell mit der Range-Taste wählen. Die vielen angezeigten Stellen hinter dem Komma suggerieren natürlich eine Genauigkeit, die gar nicht gegeben ist. Zusammen mit den obengenannten Zusatzfunktionen muss sich das Messgerät den Vorwurf gefallen lassen, ein "Blender" mit Spielzeugwert zu sein. Die tarnfarbene Militäroptik passt da auch ganz gut ins Bild.
Mit den Messspitzen kann ich arbeiten. Einen Satz Messkabel mit Krokoklemmen sollte man sich zusätzlich noch anschaffen. Das Messgerät nimmt normale Bananenstecker und solche mit Schutzhülse auf, also Standard.
Am Drehschalter, den Tasten und Steckern kann ich erstmal keinen Makel finden. Ob sie dauereinsatztauglich sind, kann ich aber nicht sagen. Profis werden ohnehin zu den bewährten Marken wie Gossen-Metrawatt, Fluke, Benning greifen und nicht so sehr auf den Preis schauen. Lieber wenige Funktionen und die ordentlich. Beim VDE würde ein solches Gerät mit Pauken und Trompeten durchfallen: keine Effektivwertmessung (RMS) von Wechselspannungen; Glasfeinsicherung (Brandgefahr bei hohen Überspannungen); und Isolation der Messfühler zweifelhaft. VDE-zugelassene Multimeter unter 150 ¤ wird man auch kaum irgendwo finden. Gut, mit gefährlichen Überspannungen habe ich es in der Elektronik zum Glück nicht zu tun, aber Effektivwertmessung wäre schon schön gewesen.
Von Mastech gibt es übrigens auch noch ein funktional identisches Gerät (8209), das kleiner (auch kleineres Display) und günstiger ist.
Insgesamt ist es ein brauchbares Hilfsmittel für den Bastler, keine Frage. In den Bereichen, wo es sinnvoll und zuverlässig einsetzbar ist, gibt es aber auch Geräte, die für das halbe Geld das Gleiche leisten, auch wenn es auf dem Papier erst mal nicht so aussieht. Batterietester, Spannungs- und Durchgangsprüfer gibt es schon für ein paar Euro. Das vorliegende Gerät ist der bekannten rot-weißen Baumarktkette übrigens ein Preisschild von 59,- ¤ wert. Bei Amazon fährt man wie immer deutlich günstiger und mehr sollte man auch nicht dafür ausgeben.