Mit ihrer aufwändigen FILMPALAST-Reihe hat das Dortmunder e-m-s Label bereits so manche Produktion der deutschen Filmgeschichte vor dem Schicksal des Vergessens bewahrt. So auch dieses Kriegsdrama aus dem Jahre 1958, welches Produzent Gero Wecker unter der Regie von Harald Reinl in den Berliner Arca Ateliers entstehen ließ. Gedreht wurde zudem im Westhafen der Stadt sowie an der Küste bei Cartagena. Aber die Besonderheit von U-47 KAPITÄNLEUTNANT PRIEN liegt in den zahlreich intigrierten Originalaufnahmen des zweiten Weltkrieges, mit denen die Spielszenen immer wieder ergänzt werden. Ob Schiffe brennend untergehen, Luftangriffe geflogen werden und natürlich umfangreiche Aufnahmen der U-Boote, viele Sequenzen bieten durch jenes stilistische Mittel ein Höchstmaß an Authentizität.
Dennoch (oder vielleicht gerade deshalb) weht durch diese Produktion unverkennbar der Ruch der Adenauer-Ära, die mit dem jüngsten Kapitel der deutschen Vergangenheitsbewältigung noch erste Gehversuche übt. Was nur ein Jahr später mit Bernhard Wickis DIE BRÜCKE (1959) so vorzüglich gelang, steckt hier noch deutlich in den Kinderschuhen. Die erzählte Geschichte, mit der historischen Begebenheit in der schottischen Bucht von Scapa Flow im Mittelpunkt, kratzt etwas hilflos an der Oberfläche eines schweren Themas, scheut aber noch wankelmütig den Tiefgang. Trotz schauspielerisch überzeugender Leistung des gesamten Ensembles kann der Zuschauer eine emotionale Bindung zu einzelnen Charakteren nur sehr zögerlich aufbauen, zu neutral erscheinen die Rollen auf den ersten Blick. Der Film entwickelt erst dann seinen vollen Reiz, wenn man bereit ist ihn unter dem Aspekt des damaligen Zeitgeistes von 1958 zu betrachten. Die ungewöhnliche Machart, die vielen latenten Andeutungen, dezenteste Hinterfragung, all das kann nicht richtig greifen, wenn man nur den schnellen und direkten Blickwinkel heutiger Sehgewohnheiten anlegt.
Die DVD Umsetzung zeigt sich leider mit einigen Mankos, was man bei der FILMPALAST-Reihe eigentlich eher selten findet. Das Bildformat ist nur in 4:3, anstelle des Originals von 1:1,66, und die Bildqualität unterliegt starken Schwankungen, sowohl im Bereich der Spielszenen als auch bei den eingefügten Originalaufnahmen. Diverse Sequenzen erscheinen sehr grobkörnig oder sind mit weißen Blitzen durchzogen. Der Schwarzweiß-Kontrast ist gut bis mäßig, einige kurze Passagen leiden jedoch unter stark erhöhtem Weißanteil. Der Ton erklingt hingegen sauber und kraftvoll. Bonusmaterial gibt es in Form eines 12seitigen Booklet sowie dem verkleinerten Nachdruck des damaligen Filmprogramms. Eine kurze animierte Sequenz mit Standfotos und zwei Trailer weiterer Kriegsfilme runden das Zusatzmaterial ab.
Fazit: U-47 KAPITÄNLEUTNANT PRIEN ist ein Unikat, welches man mit keinem anderen U-Boot Film vergleichen kann. Wer sich auf das Werk einläßt, muß die Bereitschaft mitbringen zwischen den Zeilen zu lesen. 3 Sterne für diesen Gehversuch deutscher Vergangenheitsbewältigung.