Für manchen Fan mag es ein heftiger Schock gewesen sein, als die Band 2009 nach dem Fortgang von gleich 3 Bandmitgliedern zunächst ihre Auflösung bekannt gab. Umso besser für solche wie mich, die dieses Ereignis völlig verschlafen haben und sich nun (ganz ohne Leid) über ein neues Album aus einer der besten südeuropäischen Quellen progressiver Rockmusik freuen dürfen.
Für eine vergleichweise kurze Zeit hat es die neu konstellierte Besetzung aus großartigen Musikern geschafft, nicht nur EINS miteinander zu werden, sondern sogar noch genau DAS Bombastische auf eine Platte zu pressen, was bereits seit Jahren jedem Konzertbesucher den Atem raubt.
Und vor Staunen den Mund öffnet.
Das in ästhetischer Schlichtheit gehaltene Digipack symbolisiert schon im Vornherein ganz klar, worauf es bei Lazuli ankommt: nämlich die inneren Werte. Eigentlich ist das, was diese Gruppe auf der Bühne vollbringt sowieso nicht reproduzierbar. Deswegen auch schon ganz richtig, dass erstmal hinter die optische Fassade (auch dieser Rezension) gehört werden MUSS, um die echte Perle überhaupt erkennen zu können.
Was sich dem Hörer dann offenbart ist ein Konzeptalbum aus filigranem, kongenial ausgekügeltem ProgRock, der selbst höchsten musikalischen Ansprüchen gerecht wird. 4603battements legt sich dabei auch noch mit einer unglaublichen Schönheit ins Ohr und hinterlässt dabei Eindrücke, denen letztendlich keine noch so ausführliche Rezension gerecht werden könnte. Diese manifestieren sich sowieso in viel tieferen Bereichen des Bewusstseins, als dass sie vom Sprachzentrum überhaupt erfasst werden könnten.
Gründungsmitglied Dominique Leonetti hat mit seiner Stimme jedenfalls zum 6. Mal in konsequenter Weise bewiesen, definitiv zur Reihe DER großen französischen Sänger -neben (u.a.) Jacques Brel und Bertrand Cantat von Noir Désir (um hier nur 2 zu nennen)- dazuzugehören.
Verbeugung vor Lazuli für dieses wunderbare Geschenk!