Man kann sicherlich sagen, dass es als Außenstehender unverständlich ist, wie sich eine 40-jährige Frau in einen 13-jährigen Jungen verlieben kann, aber ich war neugierig, ob das Buch eine Erklärung dafür bieten würde. Nachdem ich es gelesen habe kann ich sagen: Das Buch beschreibt zwar den Prozess aber nachvollziehen kann ich es immernoch nicht.
Zum Buch selbst: Dieses Buch ist leider einfach schlecht geschrieben. Es ist sprachlich sehr holprig, die Dialoge klingen wie aus schlechten Soap-Operas und die Figuren sind unglaublich eindimensional. Man bekommt zwar einen Einblick in die Sichtweise von Renata, aber was in Ervin vorgeht, wird vollkommen ausgespart. Außerdem ist diese Wandlung von 'ich mag diesen Jungen' und 'er schaut mich so verliebt an' zu 'er ist die Liebe meines Lebens und ich habe noch nie einen Mann so geliebt' absolut nicht nachvollziehbar. Innerhalb von zwei Buchseiten kann Renata plötzlich nicht mehr ohne Ervin leben.
Weiterhin fehlt mir eine differenzierte Perspektive. Renata beschreibt alles wie durch eine rosa-rote Brille, was für mich von vollkommener Selbsttäuschung zeugt. Wir sollen allen ernstens glauben, dass alle Menschen die Beziehung zwischen einer 40-jährigen Frau und einem 13(!!!!)-jährigen Jungen ganz toll finden. Von den Töchtern Renatas, die beide älter sind als Ervin, zu Ervins Mutter bis hin zu Renatas Noch-Ehemann reagieren alle laut Renata nur mit Begeisterung. Falls das auch nur annähernd der Wahrheit entspricht, kann man sich nur fragen, ob diese Menschen eigentlich noch bei Verstand sind. Auch wenn ich Renata nicht als pädophiles Monster sehe, sondern ihr glaube, dass echte Gefühle im Vordergrund stehen, muss man sich doch fragen, ob so eine Beziehung für einen 13-jährigen Jungen nicht langfristig schädlich für seine Entwicklung ist. Aber kein kritisches Wort von Ervins Mutter wird hier erwähnt. In dem Buch wird es so dargestellt, als fände es Ervins Mutter ganz normal, dass Ervins Freundin genauso alt ist wie sie. Und als der Stiefvater es wagt, beim Jugendamt nachzufragen, wird er als der Böse dargestellt, der die heilige Liebe zerstören will. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Realität erwartet.
Vollkommen unglaubwürdige finde ich auch diese Beteuerungen, dass Renata es ja nicht gewusst habe, dass es strafbar wäre, mit ihrem 13-jährigen Freund zu schlafen. Das betont sie immer wieder. Sie habe das Gesetz ja nicht gekannt und es nur aus reiner Liebe übertreten. In welcher Welt lebt diese Frau eigentlich? Auch wenn es in Österreich erlaubt ist ab 14 Jahren Sex mit einem Erwachsenen zu haben (was ich auch sehr früh finde), braucht man dieses Gesetz nicht zu kennen um zu wissen, dass es mit 13 sicherlich noch nicht erlaubt ist. Auch wenn Renata noch so oft betont, dass Ervin schon sooooo erwachsen ist, er ist und bleibt ein Kind mit 13 Jahren. Gerade eine Mutter von zwei jugendlichen Töchtern sollte das wissen. Wäre Ervin 16 oder 17 gewesen, wäre der Altersunterschied zwar immernoch groß, aber dann wäre der Junge immerhin kein Kind mehr gewesen.
Fazit: Ich fand die Geschichte interessant, weil ich mir nicht erklären konnte, wie eine solche Beziehung überhaupt zu stande kommen kann. Das erfährt man in diesem Buch. Aber ansonsten hat es mich eher gelangweilt und teilweise durch die schlechte Schreibweise genervt. Ich wünsche Renata und Ervin, dass sich dieser Gewaltakt gelohnt hat und sie glücklich werden. Ob Ervin in 15 Jahren, wenn er gerade mal 30 ist und seine gesamte Jugendzeit als Erwachsener verbracht hat, mit seiner dann 57-jährigen Frau immernoch so glücklich ist, werden wir sehen.