Juvenile's drittes Werk "400 Degreez" ist eines der wichtigsten, wenn es um die Entwicklung des Erfolges des Dirty South Rap geht, denn außer der Rap-A-Lot Mafia, OutKast und den No Limit Soldiers hatte der dreckige Süden damals nicht all zu viel zu bieten. Gleichzeitig war diese Platte auch das erste Werk nach dem Millionen schweren Deal mit Universal, der durch die guten Verkaufszahlen von "400 Degreez" gleich gerechtfertigt wurde. Wie alles damals, produzierte Mannie Fresh auch hier die komplette Scheibe, als Gäste sind neben den restlichen Cash Money Millionaires auch noch Paparue und Jay-Z mit an Bord. Ein großes Mysterium von "400 Degreez" ist dabei, dass es Universal nicht auf die Reihe bekommen hat, in Europa die Explicit sondern nur die Clean Version zu veröffentlichen. Wer also nicht auf Schimpfworte verzichten will, muss zum Import greifen.
Nach dem üblichen Intro der Big Tymers beginnt "400 Degreez" mit der Hitsingle "HA", von der es mich heute noch wundert, wie die einigermaßen erfolgreich sein konnte, denn sie ist wirklich alles andere als gelungen. Die Produktion ist dabei zwar akzeptabel, die Raps hingegen sehr schwach, wobei das ständige Rufen von "HA" während der Strophen doch sehr nervig werden kann. Deutlich besser sind da die zwei Remixes, die man in der Mitte bzw. am Ende des Albums findet. Beim ersten sind die restlichen Hot Boys mit am Start und rappen vereint über einen deutlich besseren und düsteren Beat von Mannie Fresh. Juve macht hier einen viel besseren Job als beim Original, aber auch Turk hat es mir richtig angetan. Remix Nummer 2 klingt leider wie die ursprüngliche Version und ist nur dank Jay-Z minimal besser.
"Gone Ride With Me" ist wohl auch ein Song der Geschichte geschrieben hat. Und das liegt nicht unbedingt an seiner Qualität, sondern daran, dass die Behörden den Track selbst auf der Dirty Version zensiert haben. Insgesamt dreht es sich um eine relaxte und schön melodische Nummer, die dennoch einen dunklen Touch hat und so gut zu Juve's harten Rhymes passt. Richtig funky und mit ordentlich Groove kommt "Flossin' Season" um die Ecke, was Mannie's vielem Instrumenteneinsatz zu verdanken ist. Hier rhymen Juvenile, B.G. und die Big Tymers, Lil Wayne singt den Refrain. Natürlich lassen Juve und B.G. die Tymers ziemlich im Regen stehen, doch auch ihre Strophen gehen in Ordnung. Einen weiteren Beleg für Mannie Fresh's Kreativität damals, bekommt man mit "Follow Me Now" geboten. Anstatt South Beats gibt's hier ein flottes Stück, das etwas im Salsa-Stil gehalten ist, ist somit ein nach Sommer in New Orleans klingt.
Mit "Welcome 2 Tha Nolia" ist wie so oft auch ein Song für die Heimat vertreten. Hinter Mannie's Keyboards, Drum Patterns und Bläsern hört man eine schreiende Menge, die die Stimmung etwas anheizt und so die Rhymes von Juvenile und Turk noch bissiger rüberkommen. Die Komplette Cash Money Clique rappt auf "U.T.P." mit, ein Track, der vor dicken Beats nur so strotzt, dazu einige Glockenschläge - dunkle Atmosphäre garantiert. Dazu passt B.G. meiner Meinung nach am Besten, doch auch restliche Truppe, besonders Wayne und Turk, macht einen guten Job. Wie der Name schon sagt ist "Run For It" ein schnelles Lied, bei dem sich Juve und Lil Wayne erneut sehr gut aufgelegt zeigen. Das selbe ist bei "Rich Niggaz" der Fall. Das Instrumental ist echt der Wahnsinn. Es ist wieder düster, dramatisch, aggressiv, einfach alles auf einmal, große Klasse. Am Mic stehen neben Juvenile wieder einmal Turk und Lil Wayne, die erneut verdammt starkt rappen, wenn man ihr damaliges Alter von 19 bzw. 18 Jahren bestrachtet, ist das schon sehr beachtlich. Außerdem singt Mannie den Refrain und auch Dancehall-Künstler Paparue liefert einen coolen Part.
Auch nach über 10 Jahren und bestimmt bis in alle Ewigkeit, ist "Back That Azz Up" der Cash Money Song schlechthin. Was Mannie hier abgeliefert hat ist einfach ein Sahnestück. Ein sehr emotionales Stück, bestehend aus einer schönen Streichermelodie, gepaart mit Scratches und flotten Beats, was allein schon so toll ist, dass man die Verse kaum beachtet. Die Texte sind auch hier, wie so oft, nicht all zu intelligent, dafür machen die Flows, in diesem Fall von Juve, Mannie und Lil Wayne, richtig viel Spaß. Nach dem seht traurigen und dunklen "Off Top" mit den Big Tymers, folgen zum Ende hin noch zwei Solo-Tracks des Juve. Titelsong "400 Degreez" klingt sehr futuristisch und abgefahren, einfach gut. So gut sogar, dass Lil Wayne das Instrumental für sein "500 Degreez" gleich noch einmal verwendete. "Juvenile On Fire" ist ein guter, wenn auch nicht überragender Abschluss des Albums.
Bis auf sehr wenige Ausnahmen enthält "400 Degreez" nur echte Kracher, der Rest bewegt sich aber auch auf gutem Niveau. Mannie's Beats sind oft eine Klasse für sich, später kam er nicht immer an diese ran. Lyrisch erwartet einen den üblichen Cash Money Gossip über Geld, Ghetto, leichte Mädchen und die eigene Stärke, was die Flows angeht zeigen sich alle, besonders aber die Hot Boys, auf einem super Level, weshalb es auch richtig viel Spaß macht zuzuhören. Wer Cash Money erst seit dem großen Durchbruch von Lil Wayne kennt, wird hier wohl nicht viel Gefallen finden, alle Down South Fans müssen sich die Platte unbedingt ins Regal stellen.