40 Tage im Kloster des Dalai Lama. Da klingt es erst einmal interessant, dass ein unabhängiger (weil christlicher, katholischer Theologe) das Unternehmen, im Kloster des Dalai Lama zu leben, durchführt. Das ist aber schon deswegen unrichtig, weil er einerseits nicht wirklich teilnimmt, und auch als Journalist Gast ist, somit einen ganz speziellen Status genießt, den ein gewöhnlicher Nicht-Journalist selten geniessen wird.
Dieses Buch ist in der Weise einer gefühlsbetonten Berichterstattung geschrieben, und fordert wohl Zustimmung und Ablehnung heraus. Nun mag man am Stil Anstoss nehmen, oder auch seiner Beschreibung des Mönches, als eine Wundergeschichte, der ihn in einer kritischen Phase begegnet. Alles dies führt ja dazu, zuzustimmen oder abzulehnen. "Vernüftige" werden diesen Geschichten mit Skepsis begegnen und "Unvernünftige" diese enthusiastisch begrüßen. So gesehen sind ja eigentlich alle bedient. Es geht in diesen Buch auch um den Buddhismus, weil dieses Buch je ganz besonders mit der Faszination Buddhismus, insbesondere in seiner tibetischen Form, spielt.
Und genau dies bleibt so, auch deswegen, weil die Begegnungen recht unvermittelt und sporadisch sind, und, um dies hinzuzufügen, geradezu absurd klingen. So behauptet er in seinem Buch mit einem nicht genannten Lama über Karma zu reden, das dieser das als "Rad" bezeichnet. Diese Idee klingt geradezu abstrus, tatsächlich bedeutet Karma Tat, und hat mit den wohlfeilen Spekulationen über Reinkarnation und was man in früheren Leben auch so wichtiges gewesen sei nichts zu tun. Gänzlich unsinnig wirkt es, wenn unser katholischer Theologe diesen Lama die Bedingtheit des Daseinskreislaufs erweitern lässt (S. 315): "unser Karma-Konto wird immer wieder von kosmischen Wesen, den zwölf Weisen und zwölf Richtern überprüft'" und weiter: "Nach dem Ende der Inkarnation wird die Seele (!) des verstorbenen Menschen von den Weisen und Richtern darüber informiert (!), was der Sinn und die Lernaufgabe der vergangenen Existenz war'"
Diese Vorstellung ist gänzlich antitraditionell. Es gibt schlicht keine indische, spirituelle Tradition, wo solches gelehrt wird, und im Buddhismus spielt grade die Idee einer Seele, als immaterieller Bestandteil des Menschen, keine Rolle. Was es gibt, ist vielleicht seit der Zeit G. E. Lessing eine westliche Vorstellung der Reinkarnation, und dort gibt es solche Beschreibungen, weil diese die Idee des Fortschritts auf die so genannte spirituelle Ebene heben. Typische Vertreter sind Theosophen, Antroposophen, New Age usw. Das mag alles wunderschön sein, zumindest soll sich dies so anhören, hat aber mit der Idee von Karma, wie es im Buddhimus erklärt wird, nichts zu tun. Deswegen ist dieses Buch weitgehend eine persönliche Abmachung des Autors mit sich selbst, der die Begegnung mit einer anderen wesentlichen spirituellen Tradition genau dann verpasst, wenn er glaubt, sie erreicht zu haben. Damit steht er in der Linie der meisten Katholiken, die außerhalb ihrer Kirche sowieso nichts wirklich echtes annehmen können.
Von der persönlichen Berichterstattung abgesehen, deren Stil nicht jedem gefallen wird, ist dies Buch ein Versuch, auf der Dalai Lama Welle mitzuschwimmen, man wird mit einigen wohlfeilen spiri-Happen abgespeist; und dies Frage die sich mir stellte ist: "Warum muss ich eine billige Kopie nehmen, wenn ich das Original haben kann?"