Das Deutsche Fernsehen der Sechziger sah so aus: "Die Sportschau", "Aktenzeichen XY ... ungelöst", "Der Kommissar", "Flipper". Und mittendrin: eine Horde pilzköpfiger, gitarrenschwenkender Lärmproduzenten mit Rüschenhemden und überdimensionalen Mikrofonen. Als MTV noch nicht existierte, hatten die Deutschen ihren "Beat-Club". Ab 1965 tummelten sich hier alle Bands, die Musikgeschichte schrieben: The Who, The Kinks, Small Faces, Sonny & Cher, Steppenwolf.
Damit traf der kleine Sender Radio Bremen den Geschmack der "jungen Leute". Die Sendung dokumentierte einen Zeitgeist, der sich in den deutschen Gemischtwaren-Charts erst viel später niederschlug. Bis zur letzten Sendung am 9. Dezember 1972 war der "Beat-Club" für viele junge Fans die einzige Möglichkeit, internationale Stars nicht nur von Platte zu hören, sondern in Live-Auftritten zu sehen. Auf diesen Erfolg konnten Formate wie "Musikladen" und "Disco" später aufbauen.
Uwe Nielsen, der die Sechziger als Twen erlebt hat, blickt in seinem Buch auf eine bewegte Epoche zurück. Jedem der 83 Sendungen hat er ein Kapitel gewidmet, jeweils mit kompletter Playlist des Abends und jeder Menge Zeitkolorit aus Politik, Sport, Kino und Unterhaltung. Der Time Trip (leider nur mit Schwarzweiß-Fotos) wird durch eine Fülle von Erinnerungen der damaligen Macher ergänzt. Man versteht, wie revolutionär diese Musik einst wirkte - und wie visionär Regisseur Mike Leckebusch war, der lustige Beatlieder wie auch ausufernden Drogenrock mit wild gemixten Bildern und psychedelischen Verfremdungen fürs TV übersetzte.