Eigentlich müsste Xavier Naidoo ausgelastet sein. Doch da wird schon wieder die nächste CD mit ihm in die Regale gestellt, von deren Cover einen der Sänger wieder entgegen schaut: «4 your Soul».
Ein Benefizkonzert vor zwei Jahren stand am Anfang dieses ungewöhnlichen Soulprojektes. Auf der Bühne: Mr. German Soul, Edo Zanki, die Texanerin Cae Gauntt, bisher nur im christlichen Popbereich bekannt, der kanadische Sänger und Pianist Bo Heart, der u.a. schon mit Klaus Lage arbeitete, der Percussionist Tommy Baldu, und eben Xavier Naidoo.
Dem einmaligen Bühneauftritt folgten mehrere Studiosessions, herausgekommen ist das jetzt bei EMI erschienene Album «4 your Soul». Coverversionen und eigene Kompositionen sind zu hören. Bei der Auswahl der Songs war man sich einig: «Sie mussten bei uns Gänsehaut verursachen», so Edo Zanki. Die Wahl war gut, denn fast alle der zwölf Titel lassen den Zuhörer durchaus wohlig erschauern.
An «4 your Soul» ist nichts Überproduziertes. Ein deutsches Album, das jeder amerikanischen Soulproduktion standhalten kann. Vier Stimmen, jede für sich völlig anders gelagert, lassen Songs wie Eric Claptons «Tears in Heaven» zu einem Hörerlebnis werden: schlicht, sanft, herzergreifend.
Mit der Neuauflage des Kansas-Klassikers «Dust in the wind» z.B. ist es dem Projekt souverän gelungen, die Ereignisse vom September 2001 authentisch und untheatralisch umzusetzen: ein Meisterstück. Unter die bekannte Melodie wurde (von Cae Gauntt gesprochen) der Text einer Alltagsbeschreibung aus New York vom 11. September gelegt. Mit dem Fazit: «Going to work will never be the same again. Kissing you Goodbye will never be the same again. Life will never be the same again. It wasn't 6000 peoplewho died. No. One person died. 6000 times.»
Beim Hören des Albums meint man, die Musiker hätten alle Zeit der Welt gehabt, um die CD zu produzieren; so harmonisch, so relaxt kommt «4 your Soul» daher. Songs wie «Jah is changing all» von den Söhnen Mannheims, Paul Simons «Gone at last» sind genauso wie das von Cae Gauntt getextete «Refugee» musikalische Herzmassagen, optimistisch, Mut machend.
Nicht zu vergessen sind die Gäste, die sich das Projekt zur Produktion ins Studio geladen hat: Bei «100 tears away», einer gefühlvollen Ballade, brilliert die aus Los Angeles stammende Sängerin Vonda Shephard, bekannt als Clubsängerin in der Anwaltsserie «Ally McBeal». Der jamaikanische Reggaestar Luciano wiederum verhilft «Jah is changing all» zu einem hinreißenden Gesangspart.
Ein glücklicher Zufall also, dieses Benefizkonzert und das erste Treffen von «4 your Soul» vor zwei Jahren. Doch bislang scheint es ein Einzelfall zu bleiben. Die Konzerte wurden bis auf eines, das in Hamburg stattfand und bei N3 übertragen wurde, abgesagt. Die Soul-Herzmassage durch «4 your Soul» gibt es derzeit also nur aus dem CD-Regal. Wenn diese durchweg gelungene, positive und motivierende CD nicht schon wieder mal ausverkauft ist. Aber bei Amazon ist sie ja, Gott sei Dank zu haben.