Im Hip Hop Genre sind Kollabos oder Bands immer noch eher die Ausnahme als die Regel, meist wird der Zusammenschluss zweier anerkannter Rap-Größen daher mit Spannung erwartet - und führt häufig auch Chart-Erfolge mit sich, die Einzelkünstler kaum erreichen. Beste Beispiele dafür sind Azad und Kool Savas mit "One" oder Afrob und Samy Deluxe aka ASD mit "Wer hätte das gedacht?". Nun haben Jonesmann und Olli Banjo ihr seit Jahren angekündigtes Album "4 Fäuste für ein Halleluja" realisiert. Pessimisten werden im Vorfeld skeptisch die Diskrepanz zwischen Jonesmanns hin und wieder recht sülzigen RnB-Hooks und Banjos extrovertierten Punchlines beäugt haben, jedoch haben wohl nur die wenigsten triftige Bedenken gegenüber den bisherigen Zusammenarbeiten ("Lifeshow", "Lass Sie Brenn"), die allesamt hitverdächtig waren. Wie aber bewährt sich das Prinzip im Alltag?
Nach dem Genuss des Openers "Himmel zieht zu" ist man geneigt zu sagen: Noch besser als erwartet. Olli Banjo steigt kraftvoll ein, Jonesmann krönt den ohnehin gelungenen Track mit einer bombastisch-düsteren Hookline. "Vögel" bedient das bekannte Faible der Beiden für ausgefallene und experimentelle Beats in beeindruckender Weise - auf einer im positiven Sinne "abartigen" musikalischen Untermalung nehmen Jonesmann und Banjo ironisch und schlagkräftig ihre Kritiker auseinander. Auch die folgenden Songs, unter anderem "Das Wesentliche" und "Galaxie" können für sich überzeugen, doch in dieser Phase des Albums will man endlich den ersten Track zu hören bekommen, der von Anfang bis Ende mit inhaltlicher Substanz vollgepackt ist, denn nach dem überwältigenden Einstieg flacht das Werk erstmals ein wenig ab. Doch "Mehr Tränen" ist genau dieser thematisch und sprachlich eindrucksvolle Track, den man sehnsüchtig erwartet hat. Olli Banjo perfektioniert hier, was er auf "Lifeshow" mit "Gimme the Light" oder "Deine Sprache" bereits angedeutet hat: Sein in Rap-Deutschland fast einzigartiges Gespür, deepe Inhalte in Gänsehaut-Metaphern zu kleiden, die auch ganze Gedichtbände füllen könnten. Hinzu kommt Jonesmanns aussagekräftiges Stimmorgan, das mal wieder einen stimmungsvollen und passenden Chorus erzeugt. Auch der folgende Skit ist nicht zu unterschätzen. Normalerweise ein Fall fürs Skippen, aber bei Banjo sollte man wegen seinem einzigartigen Humor eine Ausnahme machen. "Feuerlöscher" ist ein partylastiger Track mit auffallendem Beat, der ein wenig an den Song "Lifeshow" erinnert. Schlusspunkt des Albums ist das ruhige, nachdenkliche "Das Ende" - entspannter Beat kombiniert mit sozialkritischen Lyrics.
"4 Fäuste für ein Halleluja" ist ein düsteres, eigenwilliges Album mit durchweg solider Kost und einigen echten Highlights wie "Himmel zieht zu", "Meine Tränen" oder "Columbine". Auch einige inhaltsärmere Passagen sind leider dabei, doch die positiven Impulse, die Jonesmann und Olli Banjo dem deutschen Hip Hop mit ihrem Kollabo-Album verleihen, überwiegen bei Weitem. Zwei Rapper, die perfekt harmonieren, und sich nicht gegenseitig ausbremsen, sondern ihre Stärken kongenial verbinden. Jonesmanns Hooklines suchen in der deutschen Rap-Landschaft ihresgleichen, genau wie Olli Banjos unglaubliche Texte der restlichen Szene weit voraus sind. Daher lässt sich wohl die These aufstellen, dass kein Rap-Fan, der "4 Fäuste für ein Halleluja" unvoreingenommen eine Chance gibt, dieses Album als Fehlkauf bezeichnen würde.