Aus der Amazon.de-Redaktion
Die ursprüngliche Idee von The Cure war es, ab Mai 2008 vier Singleauskopplungen an jedem 13. eines Monats in Folge herauszubringen. Als Finale sollte dann das dreizehnte Album der Dark-Wave-Legende
4:13 Dream nachgelegt werden, natürlich auch an einem 13ten. Das hat nicht ganz geklappt, wie auch, ist die 13 nicht gerade als Glückszahl verschrien. Den Maxi-CDs
The Only One,
Freakshow,
Sleep When I’m Dead und
Perfect Boy folgte aufgrund von Verzögerungen noch die EP
Hypnagogic States und dann mit noch einmal knapp dreizehn Tagen Verspätung der Longplayer
4:13 Dream mit – wie sollte es anders sein – dreizehn Songs. So weit die nicht ganz runde Geschichte zum Album, bei dem sich kein Fan Sorgen machen muss, dass die Gruft-Rock-Ikone aus dem Süden Englands hier auf ihre alten Tage den Fans das Geld aus der Tasche zieht. Wer sich Singles und EP zulegte, holte sich die Songs nicht doppelt ins Haus. Entweder sind auf den Kurzformaten Mixe oder Bonustracks enthalten, und so steht die Platte für sich. Erstaunlich an
4:13 Dream ist, wie die seit 1977 aktiven Robert Smith und The Cure sich und ihrem so prägnanten Sound treu geblieben sind, wie sehr sie aber auch zeigen, dass sie Veränderungen außerhalb ihres teilweise hermetischen Klangkosmoses aufgreifen können. So ufert nur das langsame Eröffnungsstück „Underneath The Stars“ mit einer Spielzeit von über sechs Minuten aus, der Rest der Spielzeit verteilt sich auf einige Songs mit einer Länge von knackigen 2-3 Minuten und parallel dazu finden sie ihren Punkt, driften nicht ins weinerliche oder Elegische ab. The Cure gehen also Pop, auch wenn sich hinter positiven Melodien und Hooklines Abgründe in dem Suizid-Lied „The Reasons Why“ in dem Smith fast emotionslos Zeilen wie „...but I won’t try to bring you down about my suicide...“ singt. Wäre ja auch noch schöner, wenn den vielen sonnigen Momenten in der Musik auch noch sonnige Gedanken folgen sollten. --
Sven Niechziol
Um die Zahl 13 drehte sich in diesem Jahr alles im Cure-Universum: In den vergangenen Sommermonaten erschien jeweils am 13. eine Single als Vorgeschmack auf den 13. Cure-Longplayer. Mehr Hokuspokus als die Platte tatsächlich verdient.
Kinder, wie die Zeit vergeht: 1976 schlug die Debüt-Single ein wie eine Bombe. „Killing An Arab“ hieß die und erhitzte die Gemüter. Denn der Song wurde von vielen fälschlicher Weise als Aufruf zur Gewalt gegen Araber verstanden. Smith weist jede Schuld von sich und erklärt, er habe nur den Mord an einem Araber in Camus' Roman "Der Fremde" vertont. Live singt er fortan „Kissing an Arab“ oder „Killing another“. Auf jeden Fall erreichten sie mit dieser Diskussion mehr als jede PR-Maschinerie und bekamen soviel Publicity, dass sie auf einen Schlag über die britischen Grenzen hinaus bekannt wurden.
The Cure wären nichts ohne Robert Smith. Er ist der einzige, der an allen 13 Aufnahmen beteiligt war. Er ist die markant-weinerliche Stimme und zerzaustes Aushängeschild der Ex-Gruftie-Band. Ihrem Melancholie geimpften, düsteren Soundgeflecht aus Wave- und Post-Punk-Elementen verleiht er das Charisma. Und bis heute sind sie ihrem Sound treu geblieben. Doch von Produktion zu Produktion mischte sich mehr Pop, mehr Freundlichkeit, mehr Positivismus in ihr Repertoire. Was nur wenigen Bands über einen solch großen Zeitraum gelingt, das meisterten sie mit Bravour: Sie prägten mit ihrem eigenen Sound eine ganze Generation von Bands (Interpol, My Chemical Romance), sie entwickelten sich musikalisch beständig weiter (zugegeben: manchmal auch zurück) und blieben sich stets treu.
Und wie hören sich Cure 2008 nun an?
Robert Smith genießt hörbar, dass Porl Thompson nach 15 Jahren zur Band zurückgekehrt ist. Smith scheint so glücklich, dass er das neue Album "4:13 Dream" nennt: "Wir sind zu viert, dies ist unser 13. Album – und das ist alles wie ein Traum", so Smith. Dennoch ist es kein zusammenhängendes Cure-Werk im eigentlichen Sinne. Vielmehr ist es ein Potpourri quer durch ihre eigene Vergangenheit. „Underneath The Stars“ erinnert an die düster-melancholische "Desintegration"-Zeit. Quietschig-poppige Liedchen a la „Lovecats“ finden sich in „The Perfect Boy“ und „The Only One“, während „Sleep When I’m Dead“ wunderbar auf „Kiss me, Kiss me, Kiss Me" gepasst hätte. Alles in allem hört sich Album Nummer 13 wie ein Spaziergang durch die Cure-Bandhistorie an. Böse Zungen könnten auch von einem Bauchladen-Album sprechen – für jeden scheint etwas dabei zu sein.
Fazit: Eingefleischte Cure-Fans werden sich gern auf die musikalische Reise durch das Cure-Universum begeben. Neue Fans allerdings werden sich durch "4:13 Dream" nur schwer akquirieren lassen.
Laura Anderson
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