Das ist Octave Parango(Jean Dujardin), der Held aus Frederic Beigbeders gleichnamigen Roman, den Jan Kounen jetzt als Film auf die Leinwand gebannt hat. Dabei lässt Kounen es richtig krachen, hält sich an keine schematischen Vorgaben, experimentiert und spielt mit der Kamera derart unkonventionell und rasant, dass einigen Zuschauern die Spucke wegbleiben wird. Das Ergebnis ist eine wunder- wie sonderbare Persiflage über das Werbebussines mit all seinen chaotischen Auswüchsen, wie wir sie bisher nocht nicht auf dem Bildschirm bewundern durften.
Octave ist ein angesagter Werbefachmann. In seinem Job geht er, bildlich gesehen, über Leichen. Ein ständiger Brunnen seiner Kreativität sind dabei Kokain, Alkohol und andere Drogen. Aber Octave ist gut, so gut, dass die Agentur, in der er arbeitet, voll und ganz auf ihn angewiesen ist. Geht es doch gerade jetzt um den Riesendeal mit dem Joghurthersteller Madone und dessen Starlight Yoghurt. Octave sollte auch das hinbekommen, selbst in Anbetracht der Tatsache, dass er um sich herum nur Langweiler und Idioten sieht. In seinen Lebensrausch bricht urplötzlich Sophie(Vahine Giocante) ein. Das sorgt dafür, dass der obercoole und gefühlsarme Octave sich verliebt. Und von diesem Moment an geht alles schief. Die Drogen bringen Octave ins Krankenhaus, Sophie verlässt ihn und der Deal mit Madone gerät in Gefahr. Wundert es uns da, dass Octave plötzlich auf dem Dach eines Hochhauses steht? Aber halt...das ist ja erst der Anfang des Films...
Was Jan Kounen hier abliefert ist alles andere als leichte Kost. Schnell geschnitten, überbordend vor Bildern und Informationen schlägt er uns 39,90 um die Ohren, oder besser gesagt: Um die Augen. Im Mittelpunkt Jean Dujardin, der den Octave Parango ausdrucksstark und schräg rüberbringt. Da werden Takes von Traumsequenzen durchbrochen, die wie Werbespots daherkommen, oder eine Besprechung wird zum Heiligen Abendmahl umgruppiert. Octaves Stimme gibt einen wunderbar begleitenden Erzähler ab und wir erfahren jede Menge wissenswertes über die Macht der Werbung. Dazu gibt es abenteuerliche Kamerafahrten und gewagte Einstellungen. Sprache, die mitten im Slang steckt, Drogen, Sex und Alkohol. Es geht ganz tief in menschliche Abgründe hinein und auch wieder hinaus. Am Ende läuft dann alles auf die Wahl des kleinen Löffels hinaus. Sie haben nicht alles verstanden? Das macht nichts, schauen sie sich den Film einfach an.
Jan Kounen erzählt uns 39,90 in Bildern von boshafter Liebenswürdigkeit. Dabei drischt er auf die Werbebranche ein, was das Zeug hält. Nebenbei beglückt er uns noch mit ein paar Kleinkunstwerken, wie zum Beispiel der Wahnsinns-Autofahrt unter Drogen, die "Sin-City gleich" wie ein heißes Messer durch die Butter geht. Zum Schluss der Story gibt es noch ein alternatives Ende zu bewundern. Da dürfen sie entscheiden...
Harter Tobak, aber hervorragend gemacht. Das wird sicher nicht jedem gefallen, mir ist es aber fünf satte Sterne wert.