Da haben sich wohl einige Rezensenten blenden lassen von dem DVD-Titelbild, denn abgesehen davon gibt es meines Erachtens hier nicht viele Parallelen zu
Heat. Eher drängt sich ein Vergleich zu
Trau ihm, er ist ein Cop mit Richard Gere oder
Tödliche Fragen mit Nick Nolte auf, denn auch hier geht es um Fragen der Dienstaufsicht, um Polizisten, die ihre Kompetenzen überschreiten, indem sie mit Kriminellen gemeinsame Sache machen, und die bösen Folgen davon.
Und da sind wir schon mitten im Film: Der von Daniel Auteuil gespielte Polizist Léo Vrinks hat von einem Freigänger einen heißen Tipp bekommen, wer die berüchtigten Panzerknacker sind, die ständig Geldtransporter überfallen und ausrauben und dabei auch vor Mord nicht zurückschrecken. Sein Chef (André Dussollier) winkt mit dem eigenen Posten, sollte Vrinks die Bande, die Paris in Atem hält, bald hinter Schloss und Riegel bringen können. Dank des heißen Tipps kann Vrinks die Bande stellen, aber sein Kollege Klein (Gérard Depardieu), der eine eigene Rechnung zu begleichen hat, vermurkst leicht alkoholisiert die Festnahmen, wodurch Vrinks einen geschätzten Kollegen verliert. Doch nicht Klein, sondern Vrinks hat anschließend Scherereien, denn sein Informant hat sich seinen Verrat teuer bezahlen lassen, indem er in Gegenwart des Polizisten einen Rachemord begangen hat, den Vrinks decken muss. Eine Zeugin erkennt ihn dann aber zum ungünstigsten Zeitpunkt wieder - einer von etwas zu vielen seltsamen Zufällen in diesem spannenden Krimi übrigens.
Die Stärke des Films, nämlich viele Wendungen, die typisch sind für die Erzählweise im französisch-italienischen Kino dieses Genres, ist auch seine Schwäche. Während die Amerikaner auf runde Plots fixiert sind, hängt man hier flugs mal ein paar Zeitsprünge dran, um dem Film noch die eine oder andere neue Drehung zu verpassen. Leider wirkt bei "Tödliche Rivalen" am Ende jedoch manches arg konstruiert: Wieso übt der gedemütigte Gewaltverbrecher aus einem Nebenstrang ausgerechnet dann Rache an einem von Vrinks' Kollegen, als der gerade aus dem Gefängnis gekommen ist? Hat er etwa nur darauf gewartet, dass Vrinks wieder auftaucht, um dann willfährig zum Instrument der Nemesis zu werden, wie es das Drehbuch vorsieht? Auch Kleins Verhalten gibt Rätsel auf: Der egozentrische Amoklauf des Beamten, der an der Flasche zu hängen scheint, passt wenig zu der Schlipsträger-Karriere, die er schließlich anstelle von Vrinks macht. Gab es wirklich keinen besseren Kandidaten für die Stelle als ausgerechnet den Mann, der sich mit seinem massiven Versagen gerade vor sämtlichen Kollegen unmöglich gemacht hat? Und warum sucht er nach dem Tod von Vrinks' Frau nicht einfach das Gespräch mit diesem, um die im Raume stehende Schuld aus dem Weg zu räumen? Überhaupt ist die Feindschaft zwischen Vrinks und Klein gar kein dominantes Thema in dem Film, sondern wird einfach nur behauptet. Wir erfahren nichts über ihre Vorgeschichte und die beiden Männer geraten auch kaum einmal heftig aneinander. Die zwei Schauspiel-Asse Auteuil und Depardieu haben generell erstaunlich wenig Szenen miteinander. Zwar funktioniert das charismatische Spiel der beiden Spitzenleute des französischen Kinos, die man selten zusammen in einem Streifen gesehen hat, auch im Alleingang, aber für die Logiklöcher entschädigt das nur halb.
Für Freunde von
Der Profi und
Internal Affairs.