Die Auswahl der Arten erscheint manchmal etwas willkürlich. Das Buch ist stark "singvogellastig" , was bei einem Werk von Bielfeld auch nicht weiter verwunderlich ist, sind das doch die Arten mit denen sich seine restlichen Werke beschäftigen. Bei den Papageienvögeln fehlen einige Arten die man kaum als ganz selten in Menschenobhut bezeichnen kann, etwa sämtliche Kakadus bis auf Rosakakadus und Nymphensittiche, sämtliche Rotsteisspapageien, sämtliche Aras bis auf den Gelbbrustara, sämtliche Amazonen bis auf die Blaustirnamazone, und weitere relativ verbreitete Arten wie Weißbauchpapageien oder der Grüne Kongopapagei. Dafür sind doch eher seltener gehaltene Arten wie der Hornsittich, der Pflaumenkopfsittich (dafür kein Halsbandsittich) und der Feinsittich aufgeführt. Natürlich ist nichts falsch daran auch seltenere Arten vorzustellen, aber dafür "Allerweltsarten" wegzulassen macht meiner Meinung nach wenig Sinn. Ab das bei den anderen behandelten Vogelfamilien auch so ist, kann ich nicht beurteilen, da ich mich dort, was die Häufigkeit der Arten angeht, nicht so gut auskenne. Aber die entsprechenden Kapitel erscheinen umfangreicher, und alle (mir) geläufigen Arten sind auf den ersten Blick vorhanden.
Die Gliederung des Buches erfolgt nach Vogelfamilien, und innerhalb dieser Kapitel nach deutschen Namen. Die Sortierung nach Familien ist sinnvoll, innerhalb der Familien hätte man die Tiere vielleicht besser weiterhin taxonomisch nach Gattungen ordnen sollen. Das hätte direkte Vergleiche und den Einsatz des Buches als Bestimmungsbuch erleichtert.
Die Qualität der Fotos ist wechselhaft, manche sind sehr schön und detailreich, andere schlecht belichtet oder aus ungünstigen Winkeln oder aus der Ferne aufgenommen. Unglückliche Beispiele sind z.B. das des Maskengimpels (halb von einem Blatt bedeckt), Schwarzkopfgrünling (unscharf), Gelbschenkentangare (unscharf und von hinten), Pflaumenkopfsittich und Rosellasittich (nur der Kopf abgebildet). Mesitens ist die Qualität jedoch in Ordnung. Negativ fällt auf dass bei Arten mit Geschlechtsdimorphismus selten beide Geschlechter abgebildet werden, und die Unterschiede auch nicht immer im Text beschrieben werden.
Soweit die Kritikpunkte. Die endgültige Bewertung hängt davon ab was man sucht. Als Bestimmungsbuch (beispielsweise für Vogelbörsen, Zoofachhandel, etc.) ist das Buch aufgrund seiner Schwächen nicht besonders gut geeignet. Alternativen gibt es jedoch kaum (bzw. diese sind noch schlechter, etwa der GU-Kompass "Ziervögel von A bis Z von Angelika Lang), es sei denn man verzichtet auf "ein Buch für alles" und greift auf artspezifischere Literatur zurück. Sucht man ein Buch über Haltung und Pflege ist dieses Büchlein ebenfalls nicht die richtige Wahl. Die paar Worte zu Unterbringung und Pflege in der Einleitung und zu jeder Vogelart sind natürlich nur absolute Grundlagen, aber eine Pflegeanleitung zu bieten war auch wohl auch kaum das Ziel des Buches. Sucht man einen Überblick über die Vielfalt der Ziervögel, illustriert mit (meistens) hübschen Fotos und mit ein paar kompakten Informationen zu jeder Art, ist das Buch durchaus zu empfehlen.