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Die Geschichte spielt im Jahre 480 v.u.Z. Das östliche Mittelmeer, die Levante und weite Teile Vorderasiens waren Teile des Weltreiches der Perser. Zahllose Völker verschiedenster Sprachen, Sitten und Religionen waren dem Herrscher Xerxes I. untertan, der von seinen Zeitgenossen als Gottkönig verehrt wurde. Dieser mächtigste Mann seiner Zeit streckte seine Hand nach Westen aus - Griechenland sollte unter seine Herrschaft kommen.
Griechenland bestand damals aus Dutzenden heillos zerstrittener Stadtstaaten. So hatte Xerxes wenige Schwierigkeiten, viele Griechen auf seine Seite zu ziehen, sei es durch Bestechung, sei es durch Bündnisverträge, sei es durch rohe Gewalt. Auch Sparta empfing eine Gesandtschaft aus Persien, die Geschenke und großzügige Bedingungen für eine Unterwerfung überbrachten. Die Diplomaten überlebten ihren Auftritt nicht. Ein Krieg war abzusehen.
Der Spartanerkönig Leonidas bat den Ältestenrat um die Erlaubnis, mit dem Heer auszuziehen. Die Herren verweigerten die Zustimmung, und so zog Leonidas ganz privat auf einen kleinen Ausflug. Seine 300 Mann starke Leibwache nahm er dabei vorsichtshalber mit.
Zusammen mit den Heereskontingenten der anderen freien Städte Griechenlands stellten die Spartaner sich bei einer Landenge dem zahlenmäßig weit überlegenen Heer der Perser. Welle um Welle der persischen Truppen rannte gegen den schmalen Felsspalt an, die Pforte zwischen den "Thermopylen" - und wurden von den Spartanern zurückgeschlagen. Erst am dritten Tag gelang es der persischen Elitetruppe, den "Unsterblichen", durch Verrat in den Rücken des griechischen Heeres zu gelangen. Die Spartaner flohen nicht: Ihr Gesetz verbot es. Nur ein Mann entkam dem Gemetzel, um später davon zu berichten.
Im Nachhinein war die Niederlage ein Sieg: Der Opfergang Leonidas' und seiner Männer (und die parallelen Erfolge Athens zur See) wirkten als Fanal. Im Jahr drauf besiegten die Griechen unter Pausanias das Heer der Perser vernichtend in der Schlacht von Platäa.
Herodot, Frank Miller und viele Historiker sehen in dieser Schlacht bei den Thermopylen die Entscheidung des Schicksals Europas: Griechenland wurde kein Anhängsel eines altorientalischen Reiches. Kein Gottkönigtum degradierte die Griechen zu bloßen Untertanen, zum persönlichen Eigentum des Herrschers. Der freie Rechtsstaat, der selbst Könige wie Leonidas an Gesetze band, hatte über den Absolutismus des Orients gesiegt.
Der Sieg des Orients hätte vor allem eine mehr oder minder weitgehende Priesterherrschaft zur Folge gehabt. Wie die Geschichte des Judentums zeigt, nutzten die Perser die nationalen Religionen und die Autorität der Priester, um das Volk in Untertänigkeit zu halten. Jede freie Regung wäre unterdrückt worden. Fraglich, ob dann die Ideen von Rationalität, Rechtsstaatlichkeit, Humanität, Demokratie, Philosophie und Wissenschaft, die unsere europäische Kultur so entscheidend geprägt haben, sich dann noch in Griechenland entwickelt hätten.
Kurzum, in jenen drei Tagen stand bei den Thermopylen sehr viel auf dem Spiel, weit mehr, als die Beteiligten geahnt haben mögen.
Frank Miller beschreibt in Text und Zeichnungen Leonidas als Realisten und Visionär, der eine Ahnung von der Bedeutung dieser Schlacht hat. Er schafft es, die Antike und ihre Menschen lebendig werden zu lassen, ihre Welt wirkt fremd und bleibt trotzdem seltsam vertraut. In der Tradition Herodots bleibend, versucht er auch, ein faires Bild von der Gegenseite zu zeichnen (wie man z. B. an den Berichten des Alten Testamentes erkennen kann, war das damals ein absolutes Novum). Trotzdem bleibt das Schicksal der 300 Spartaner und ihres Königs Leonidas im Mittelpunkt der Geschichte.
Der Zeichenstil ist typisch Frank Miller, und abgesehen von den etwas klobigen Füßen der Figuren ist die graphische Umsetzung superb. Bildrahmensetzung, "Timing", die Wechsel von Portraits zu Totalen, von detaillierten Stadtansichten zu bloßen Schattenrissen zeigen, daß Miller sein Medium perfekt beherrscht.
Die ausdrucksstarke Kolorierung von Lynn Varley schafft Stimmungen und bringt die Details hervor. Nicht vom Computer zugemanschte Flächen mit digital berechneten Übergängen, sondern wilde, teils schon impressionistische Farbübergänge und -hintergründe beherrschen die Geschichte, Licht und Schatten werden effektvoll eingesetzt. Nichts ist quietschbunt, die Farben unterstreichen die jeweilige Stimmungen perfekt. Verdientermaßen wurde die Kolorisierung sowohl mit einem Harvey- als auch einem Eisner-Award belohnt.
Einzig allein beim "Lettering" hat man gespart: Mit einer Computerschrift verschenkte man hier Möglichkeiten - die aber eh' nur Kenner zu schätzen wissen.
Ein Meisterwerk der Neunten Kunst, das in seiner Ausdrucksstärke die Eingangsszene des Filmes "Gladiators" ebenbürtig ist und ebenso niveau- wie eindrucksvoll seine Geschichte aus den ersten Tagen unserer Zivilisation erzählt. Top!
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