Wer kennt nicht die großen Sitcoms, die vor Live-Publikum aufgenommen oder nach der Produktion zur Aufnahme der Lacher vorgespielt werden: Two and a half men, Frasier, Seinfeld oder Will & Grace? Aber was passiert hinter den Kulissen einer solchen Produktion? Wie arbeiten die Produzenten, die Drehbuchschreiber und Darsteller bzw. welche Beziehungen pflegen die Beteiligten zueinander? Diese Alltäglichkeit einer Sitcom vor und hinter der Kamera nimmt Tina Fey in der mittlerweile vierten Season ihrer Serie "30 ROCK" wiedermal gehörig auf die Schippe.
Mit insgesamt 22 Folgen ist die 4. Staffel vom Umfang her mit der dritten Staffel identisch. Gut, wird man sagen, ein altes deutsches Sprichwort heißt "Qualität vor Quantität". Und soll ich Ihnen was sagen? Die vierte Season bietet mehr Qualität als Sie sich vorstellen können.
Egal, ob es ein Pagenstreik ist, den Kenneth organisiert oder Jenna verzweifelt versucht, ihren Stalker wieder für sich zu interessieren, "30 ROCK" weiß auf ganzer Linie zu überzeugen.
Was mir seit vier Staffeln an der Serie so gut gefällt, ist neben den brillanten Schauspielern auch die Tatsache, dass es ihr gelingt, kritische und aktuelle Themen witzig zu verpacken, ohne dass bestimmte Gruppen diskriminiert oder verunglimpft werden. So wird zum Beispiel in der Folge "Dreiecksbeziehung" Toofer darauf gestoßen, dass er lediglich eingestellt wurde, weil er ein Afroamerikaner ist und die Quote erfüllt werden muss.
Für mich das Non-Plus-Ultra ist nachwievor und ungeschlagen: Alec Baldwin alias John Donaghy. Dieser spielt seine Chef-Rolle und die des Ratgebers bzw. zynischen Kommentators von Liz' Leben so saukomisch, dass meine Begeisterung seit nunmehr vier Staffeln ungebrochen ist. Besonders in der Folge "Mütterliche Ratschläge" konnte ich mich vor Lachen nicht mehr halten. Generell wird in der vierten Staffel auch ein größerer Fokus auf Jacks Privatleben gelegt, denn er sitzt zwischen zwei Stühlen: Soll er sich für die feurige und leidenschaftliche Avery entscheiden oder doch für die bodenständige Nancy (Julianne Moore!), mit der er eine gemeinsame Vergangenheit hat? Fans der Serie wissen natürlich, dass sich diese Situation in einem irrwitzigen Fiasko entlädt bzw. entladen muss.
Signifikant ist erneut die gewohnt hohe Gag-Dichte. Es vergehen wirklich keine fünf Minuten ohne dass ich beherzt lachen durfte. Tracys absurden Gedankenspinnereien, Jennas Selbstverliebtheit, Liz' absolute Unfähigkeit ein eigenes Leben zu führen oder Jacks Narzismus: Nach vier Staffeln sind einem die Charaktere schon so ans Herz gewachsen, dass manche Marotten als Running-Gags funktionieren.
Das Aufgebot von Gaststars ist auch in der 4. Season wieder enorm. Die bereits erwähnte Julianne Moore, Jon Bon Jovi, Michael Sheen oder Elizabeth Banks sind nur einige der zahlreichen Promis, die sich die Ehre geben. Hollywoodstar Matt Damon bekommt als Liebhaber von Liz sogar vermehrte Screen-Time.
Als Bonus-Material beinhaltet die Box mehrere Behind-The-Scenes, Kommentare und eine Fotogallerie.
Ich hoffe inständig, dass "30 ROCK" in Deutschland an Popularität hinzugewinnt und eventuell aus dem Nischenprogramm von zdf.Neo zu ProSieben oder Kabel 1 wechseln kann, damit diese Serie der breiten Masse bekannter wird. Verdient hat sie's.
Zusammenfassend werde ich nicht müde zu betonen, dass "30 ROCK" für mich ein Alleinstellungsmerkmal in der derzeitigen Sitcom-Welt hat. In keiner anderen Sitcom tauchen so viele Stars auf und keine andere Sitcom hat ein solch hohes Setting-Niveau wie "30 ROCK" - teilweise sieht das Gefilmte beinahe kinoreif aus. Die Serie ist frech, frisch und fürchterlich lustig. Außerdem hat "30 ROCK": Jack Donaghy!