Eiskalt ist es ohnehin in Barrow, der nördlichsten Siedlung Alaskas. Aber jedes Jahr Ende November sinkt die Lebensqualität noch tiefer, denn dann verschwindet die Sonne einen Monat lang - es gibt eine 30 Tage lange Nacht. Paradiesische Zustände für jeden Vampir! Der Comic „30 Days of Night" erzählt von der bleichhäutigen Reisegruppe, die Barrow als gigantische Schlachtplatte betrachtet. Für den Leser heißt das: „Jahrhunderte an Erfahrung gegen einen armseligen Moment der Verzweiflung" antreten zu sehen.
Nach einem interessanten Anfang - verschwommene Bilder vermitteln Endzeitstimmung, noch ehe die kaltblütigen Gäste eintreffen - verschenkt Autor Steve Niles einen Großteil des Potentials seiner Idee. Wenig überraschende Ereignisse werden unfreiwillig komisch beschrieben. Das letzte Drittel des blutigen Werks versöhnt ein wenig, hier lässt sich Niles wieder etwas einfallen, so dass man den oft abgedroschenen Erzähltext übersieht. Viel überzeugender sind die Zeichnungen von Ben Templesmith, die eine beeindruckend unwirkliche Stimmung erzeugen. Für Horror-Fans vor allem deshalb wohl noch zu empfehlen. Ansonsten: Diagnose Mittelmaß.
Der gleichnamige Film zum Comic - produziert von „Spider-Man"-Regisseur Sam Raimi - kommt voraussichtlich 2004 in die Kinos.