Nouvelle Vagues "3" hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen - was aber primär an den bemerkenswerten Vorgängern liegt, die den Maßstab an neue Veröffentlichungen hoch setzen.
Wenn man es positiv ausdrücken will: Album einlegen, loshören, und eine Stunde durchweg gut unterhalten werden. Das klappt, und hie und da wird man die Augenbraue lüften ob der beschwingten, luftigen Arrangements.
Wenn man es kritisch angehen will: Leider ist "3" eine ziemlich gleich- und mittelmäßige Tonsoße. Mir persönlich fehlt der Pepp oder der Mut zum Experiment, die Herausforderung an den Hörer - es bleibt beim Altbewährten. Im Zweifel hat man alles auf "3" (leider) schon einmal auf den Vorgängeralben gehört, und dort dann besser bzw. originär. Am Grundkonzept der Stücke bzw. der Neu-Interpretationen hat sich rein gar nichts verändert oder weiterentwickelt. Hinzu kommt, dass, entgegen den beiden Vorgängern, innovativ Stile zur akustischen Kollision brachten oder Klassiker der New Wave-Ära in fast schon surreale Abstraktion versetzten (und dabei eine hohen Schmunzelwert erreichten), das Album "3" für meine Begriffe einfach sehr (zu?) brav ist, fast schon risikoscheu wirkt.
Sicher, es gibt einige hinreissende Interpretationen - das Album ist definitiv nicht schlecht. Z. B. finde ich die fragile "Our lips are sealed"-Adaption sehr gelungen, und auch "So lonely" von The Police ist nett gemacht. Insgesamt wirkt das Album auf mich jedoch blass, sehr massenkompatibel und vorsichtig. Für mich liegt der Schwerpunkt der Produktion denn auch mehr auf Unterhaltung als auf der kreativen Auseinandersetzung mit den Vorbildern. Da wäre sicherlich mehr gegangen, und gerade diese Stagnation finde ich, bei dem seit 2 Alben einspurig verfolgten, musikalischen Konzept, schade.
Da hilft es auch nichts, wenn man z. B. Martin Gore als Backgroundsänger zum eigenen Stück "einbaut" und sich so einen Namen organisiert, der PR-tauglich aufhorchen lässt. Das mag Depeche Mode-Fans und -Sammler mit Hang zur Vollständigkeit erregen. An der mittelmäßigen Güte des Albums insgesamt ändert es aber wenig.
Insofern drei Sterne - leicht enttäuscht, wenn man die beiden Vorgänger als Maßstab herannimmt. Ansonsten aber gute, nette Unterhaltung, die kaum weh tut.