Muss man jenseits des allgegenwärtigen b-moll-Konzertes etwas von dem kennen, was Tschaikowsky ansonsten für Klavier und Orchester geschrieben hat? Die Antwort scheint ein klares Nein, wenn man das Begleitheft zu dieser Doppel-CD gelesen hat, in dem geradezu genüsslich die Schwächen der Kompositionen aufgelistet werden. Aber glücklicherweise gestaltet sich das Hörerlebnis dann wesentlich angenehmer.
Die Probleme beim 2. Klavierkonzert bestehen darin, dass einem fulminanten, kurzweiligen Finale (Tschaikowsky in bester Volksfestlaune) zwei arg in die Breite gegangene Sätze vorhergehen und dass gerade im ersten Satz ' nach einer prägnanten Exposition mit prachtvollen Themen ' im Mittelteil etwas der rote Faden verloren geht. Vom 3. Klavierkonzert hat Tschaikowsky nur einen Torso hinterlassen, einen Kopfsatz, der mit seiner stimmigen Architektur, den leidenschaftlich-heroischen Aufwallungen und den fesselnden thematischen und instrumentalen Einfällen (erstes Thema in den Fagotten) allerdings zu seinen ambitioniertesten konzertanten Sätzen zählen dürfte; das von Tanejew fertig gestellte Andante und Finale können diese Höhe nicht halten. Die Konzertfantasie wurde, so der Autor des Begleittextes, von der Musikgeschichte auf die "Müllhalde" verwiesen (und der Autor scheint diesem harschen Urteil nicht widersprechen zu wollen), doch ist der charmante und witzige Tschaikowsky, den man aus den Suiten, Balletten und leichtgewichtigen Symphoniesätzen kennt, hier durchaus präsent; und wenn der ausladende kadenzartige Soloteil im ersten Satz ermüdet, so wird man sich beim geistreichen Wechselspiel eines lyrischen und eines lebhaften Themas im zweiten Satz ("Contrastes") doch gut unterhalten.
Der Solist Oleg Marshev erscheint mit nicht gerade ein charismatischer Tastenzauberer, aber doch ein furcht- und tadelloser Tastenlöwe; und da er und das dänische Orchester mit Frische, Verve und dem nötigen Schuss Sentiment zu Werke gehen, kann man die beiden gut gefüllten CDs ohne weiteres empfehlen.