"Pirates" gibt es schon ewig; schon auf dem C64 und auf den ersten DOS-PCs Mitte der 80er. Schon damals war das Spielprinzip fesselnd, und das ist es bis heute geblieben:
Man arbeitet sich als anfangs unbedeutender junger Pirat mit einem kleinen Schiff hinauf zum gefürchteten Schrecken der Karibik mit einer ganzen Flotille schwerstbewaffneter Kriegsgalleonen. Man macht sich eine oder mehr der beteiligten Nationen zu Freunden, um Häfen anlaufen zu können, wo man Mannschaft anheuern kann oder die erbeuteten Waren in klingende Münze verwandeln kann. Die Schiffe der anderen Nationen kapert man, um sie entweder in die eigene Flotte aufzunehmen (maximal 5), oder man verkauft sie im nächsten freundlich gesinnten Hafen. Man muß schon überlegen, ob man beim Seegefecht den Gegner zu Klump schießt (dann werden teuere Reparaturen fällig, wenn man das erbeutete Schiff nutzen oder verkaufen will) oder ob man möglichst gleich entert. Dann wird aus der Segel- und Breitseitensimulation eine (simple) Fechtsimulation, bei der man aber auch durchaus verlieren kann.
Ein bißchen Diplomatie und Romantik ist auch dabei: Man kann für Gouverneure Aufträge übernehmen (etwa Kurierschiffe zu eskortieren, über die dann auch prompt gegnerische Schiffe herfallen) oder mit Gouverneurstöchtern flirten und auf dem Hofball kunstvolle höfische Formationstänze tanzen (ein weiteres Minispiel, das anfangs gar nicht so einfach ist). Oftmals verschafft das Informationen, die man sonst nicht bekommt. Auch steigt man je nach Verdienst für eine Nation immer weiter auf, bis man als Herzog in allen Häfen dieser Nation Schiffsreparaturen und -erweiterungen kostenlos bekommt. Oder man wird von einer Flotte Piratenjägern gehetzt, die einem keine Atempause lassen.
Das Spielprinzip von "Pirates" ist eigentlich recht einfach, und eben das macht das Spiel zum Erfolg, vom C64 über alle PC-Generationen bis hin zur PSP. Ein gutes Spielprinzip braucht eben nicht unbedingt Bombastgrafik (auch wenn die Grafik der PSP-Version durchaus ansehnlich ist).
"Pirates" ist eines der Spiele, die als Kaufgrund für die PSP herhalten können, wenn man noch keine hat. Davon gibt es ja auf der PSP durchaus gar nicht so viele, trotz der für eine tragbare Konsole wirklich beachtlichen Hardware. Es tut gut, auf der PSP mal etwas anderes zu sehen als das 783. Rennspiel. Und "Pirates" hat Suchtpotential: Man denkt ständig "noch ein bißchen, diesen Ganoven, der die Gouverneurstochter entführt hat, muß man doch kriegen können" - und wenn man dann auf die Uhr schaut, ist es 3 Uhr morgens geworden... Das schaffen nicht viele Spiele, und schon gar nicht viele PSP-Spiele.
Man sollte "Pirates" nur nicht kaufen, um damit die Zugfahrt zur Arbeit, Schule oder Uni zu überbrücken. Man wird nämlich garantiert öfters das Aussteigen versäumen, weil man so ans Spiel gefesselt ist...