Wenn man sich ein Produkt bestellt, sollte man sich im Vorfeld informieren, unter welchen Prämissen dieses funktioniert.
Hier bei Amazon ist eindeutig angegeben: "Hinweis: Dieses Spiel muss bei Steam registriert werden, bevor Sie spielen können. Dazu ist eine Online-Verbindung erforderlich. Nach erfolgreicher Registrierung bei Steam ist zum Spielen keine Online-Verbindung nötig."
Denjenigen, die nun behaupten, sie hätten davon vorher nichts gewusst, muss leider attestiert werden, nicht lesen zu können. Oder aber sie sind so ignorant, dass sie dachten, das Spiel würde schon noch ohne Steam laufen können.
Nun haben sich hier etliche sogenannte Rezensenten darüber echauffiert, sie müssten das Spiel nach Einlegen der DVD komplett aus dem Netz laden. Zugegeben, das Installationsprozedere ist höchst unglücklich geraten. Denn die Spieldaten befinden sich tatsächlich AUF der DVD. Leider gibt es jedoch kein Auswahlmenü, nach Installationsstart möchten die Daten allesamt gedownloadet werden. Daran muss Steam endlich arbeiten! Startet man das Setup und bricht die Installation nach anfänglichem Download ab, kann man danach die Daten von der DVD installieren. Dennoch werden nach der Installation noch ca. 400 MByte aus dem Netz gezogen. Ich kann verstehen, dass das bei vielen Spielern zu sehr viel Unmut geführt hat, zumal es in Deutschland noch genügend sehr langsame Verbindungen gibt. Somit wird die Installation zur extremen Geduldsprobe, zumal oft genug in den letzten Tagen die Server überlastet waren. Für ein Spiel, auf das die meisten hier 14 Jahre gewartet haben (ich zähle mich auch dazu) ist das schon ein Armutszeugnis.
Dennoch kann ich es nicht nachvollziehen, dass dadurch das Spiel selbst nicht bewertet, sondern rein Steam an den Pranger gestellt wird und die Bewertung dadurch nur den einen "Pflichtstern" erhält. Nun sagen sicherlich viele, sie wollten ein Exempel statuieren und potenzielle Käufer durch ihre Bewertung im Vorfeld warnen, das Spiel laufe nur über Steam. Das schließt jedoch nur den Kreis, dass diejenigen, die die "Nicht kaufen, funktioniert nur mit Steam"-Bewertungen schreiben, der Leserschaft hier unterstellen, sie könnten nicht lesen und auf dem gleichen Niveau rangieren. Das soll keine Beleidigung an die Steam-Gegner sein, aber ein Aufruf, doch bitte das Spiel selbst zu bewerten und den Käufern des Spiels genügend Intelligenz zuzumuten, sich im Vorfeld darüber informieren zu können, welche Voraussetzungen es gilt zu erfüllen, um DNF spielen zu können.
Leider zeigt sich bei den meisten Bewertungen, dass die wenigsten überhaupt etwas über das Spiel sagen können, da sie es sich gar nicht gekauft haben. Das scheinen solche Leute zu sein, die einfach nur mitreden wollen, die eine Meinung kundtun wollen, ohne zu verstehen, dass sie das Produkt selbst bewerten sollen. Es ist so, als würde man einen iMac besitzen und eine 1-Stern-Bewertung über ein Windows-Programm schreiben, da es auf einem iMac nicht läuft, in der Produktbeschreibung aber eindeutig steht, dass die Applikation ausschließlich mit Windows verwendbar ist.
Über Steam selbst kann man denken, was man möchte. Was ich hier vielerorts vermisse, ist Objektivität, was diese Plattform angeht.
Steam ist nämlich nicht:
1) "Ein reines Community-Portal, durch welches man sofort mit tausenden Spielern verbunden wird und Daten über sich preisgeben muss."
-> Die Steam-Community ist rein optional und kann im Vorfeld deaktiviert werden
2) "Eine Plattform, auf der man permanent online sein muss, um spielen zu können."
-> Es gibt eine Funktion, um offline spielen zu können
Wer Steam nicht verwenden möchte, bitte, dies ist ein freies Land. In diesem Fall muss man mit den Konsequenzen leben und darf keine Spiele mehr kaufen, die von dieser Plattform abhängig sind. Doch in diesem Fall sollte man auch seinen Mund und seine Finger stillhalten, wenn es um die Bewertung eines Spiels geht, anstatt unnötig eine Rezension zu schreiben, die gar keine ist. Für so etwas gibt es ein Diskussionsforum.
Natürlich "darf" ich in der Konsequenz nun miterleben, wie wahnsinnig "nicht hilfreich" meine Rezension nun ist.
Aber nun (endlich) zum Spiel selbst:
Ein bisschen enttäuschend. Ja, leider. Ich hätte nach meinen obigen Ausführungen nun gern geschrieben, was für ein Kracher das Spiel ist, doch das entspräche nicht der Wahrheit. Sicherlich kann ein Spiel, welches 14 Jahre mehr oder minder in der Entwicklung war, die immens hohen Erwartungshaltungen nicht einmal ansatzweise erfüllen. Doch dieses Kunststück schafft DNF sogar. Ansatzweise, gerade eben so.
Was die Grafik angeht, völlig in Ordnung. Hier wurde die Unreal Engine 2.5 verwendet, dafür sieht alles noch recht ordentlich aus. Ich habe mit einem grottigen Texturenbrei gerechnet, doch soweit größtenteils alles okay. DNF ist optisch kein Crysis, das sollte man vorher wissen.
Die deutsche Lokalisierung war sicherlich mit viel Aufwand verbunden, aber völlig überflüssig. Wer den alten Duke kennt, möchte den Nachfolger nicht mit Bruce Willis-Manfred Lehmann spielen.
Mein größter Wermutstropfen: Der Duke kann nur zwei Waffen gleichzeitig tragen. Wie bitte? Der Mann, dem nichts zu schwer ist, der von Kopf bis Fuß aus Testoteron besteht, kann nur lausige zwei Waffen tragen? Was in aller Welt haben sich die Entwickler denn dabei gedacht? Immerhin sind alle bekannten Waffen wieder enthalten. Neue gibt es jedoch leider nicht.
Was mich doch sehr gestört hat, sind die wirklich langen Ladezeiten. Auf meinem i7-2600k mit 8 GB RAM unter Win 7 64-bit dauert es ca. eine halbe Minute, einen Level zu laden. Das nervt gewaltig, zumal ja keine riesigen Texturen in den Speicher geladen werden müssen.
Streckenweise wurde ich wirklich sehr gut unterhalten, einige Dinge wie die Monster-Truck-Fahrt ziehen sich allerdings unnötig in die Länge. Das scheint künstliche Verlängerung zu sein, denn der Solo-Spaß ist schon nach ungefähr sieben Stunden (bei mir) vorbei. Das Ende (wenn man es als solches denn überhaupt bezeichnen kann) ist ein schlechter Scherz.
Der größte Lacher der Spiele-Geschichte ist nun endlich erschienen und hinterlässt einen recht guten Eindruck. 3D Realms hat leider einen kapitalen Fehler begangen: Immer und immer wieder wurde versucht, auf eine neue Engine zu wechseln, um eine tolle Grafik bieten zu können. Hätten die Entwickler alle Ideen, Leveldesign, etc. zuerst umgesetzt/ finalisiert und sich dann auf die neueste Engine gestürzt, hätte es 1. nicht so lange gedauert und 2. wäre das Spiel optisch auf Höhe der Zeit gewesen.
Doch letztendlich bin ich froh, dass sich GearBox erbarmt hat, das Spiel fertigzustellen. Dafür, dass mittlerweile soviele Köche an dem Brei mitgewirkt haben, kann ich nicht sagen, dass er verdorben schmeckt. Nur etwas fahl.