Vorwort
Nach der ganzen DLC-Diskussion um Mafia 2 habe ich mich, trotz riesiger Vorfreude, zurückgehalten, um darauf zu warten, dass ein billiges Gesamtpaket erscheint. Nach dem dies jetzt der Fall ist, kann man das Spiel endlich als ganzes bewerten und genau das werde ich jetzt auch tun. Ich werde also die DLC-Politik oder die nötige Steamregistration, die in vielen Spielen vorhanden ist und immer noch von vielen gerne übersehen wird, außer Acht lassen und nur das Spiel an sich bewerten. Das Nachfolgende kann im übrigen harte Spoiler zu Mafia 1 und einige leichtere zu Mafia 2 enthalten.
Einleitung
Vito ist ein kleiner Gauner, der zusammen mit seinem Kumpel Joe ein paar krumme Dinger gemacht hat, dafür gefasst und als Strafe für ein paar Jahre zur Armee gekarrt wurde. Als er schließlich zurückkommt, sind seine Mutter und seine Schwester in großen Schwierigkeiten, denn Vitos inzwischen toter Vater hat sich bei einem Kredithai hoch verschuldet. Vito versucht nun möglichst schnell an Geld für die Familie zu kommen, doch hat er keine Lust sich wie sein Vater für einen Hungerlohn in einer ehrlichen Arbeit zu Tode zu schuften. Verborgen vor seiner Familie fängt er deshalb wieder an mit Joe zusammen zu arbeiten, welcher inzwischen gute Beziehungen zu Leuten eines etwas "weniger legalen" Geschäftszweig hat.
Die Welt
Empire Bay ist eine Stadt die Lost Heaven (Mafia 1) gar nicht mal so unähnlich ist. Ähnliche Architektur, ähnliche Stadtviertel, stimmige Musik und etwa 36 verschiedene Autotypen (mit wirklich guten Schadensmodellen), die zusammen mit den ganzen Zivilisten die Welt mit Leben füllen. Die Atmosphäre ist hervorragend, die Grafik gut und es macht wirklich Spaß sich dort aufzuhalten.
Die Möglichkeit Züge zu benutzen, die es beim Vorgänger noch gab, wurde entfernt, dafür wurden aber mehrere Werkstätten mit vielen Funktionen (z.B. Nummerschild wechseln oder umlackieren), Waffengeschäfte, Restaurants (um Leben aufzufüllen) und Kleidungsgeschäfte (zur Tarnung vor der Polizei) hinzugefügt. Insgesamt bietet die Stadt also noch genug andere Möglichkeiten sich zu amüsieren.
Das Kampf-System
Die Physik des Kampfsystems ist echt gut. Die Ballereien machen viel Spaß und man kann auch wesentlich mehr Waffen als im Vorgänger tragen, weshalb man im Gefecht extrem viele Möglichkeiten hat. Im übrigen: Die Gesundheit regeneriert sich mit der Zeit, doch kann die Maximalgesundheit bei schweren Treffen bis beinahe zur Hälfte abfallen. Diese lässt sich dann nur durch etwas zu Essen wieder erhöhen.
Die Geschichte
Tja und hier liegt dann auch tatsächlich die große Enttäuschung.
1. Vito und Joe: Mal abgesehen davon, dass die beide sich mit unter ziemlich klischeehaft verhalten, was bei richtiger Umsetzung allerdings nicht schlecht sein muss, sind sie eigentlich ziemliche Unsympathen. Tommy, aus dem ersten Mafia Teil, hatte zwar seine Schwächen, aber seine Entscheidungen waren wenigstens nachvollziehbar, so dass man sich mit ihm immer noch gut identifizieren konnte. Bei den beiden Protagonisten in Mafia 2 ist das überhaupt nicht der Fall. Vito beispielsweise hilft dabei die Dockarbeiter zu unterdrücken, obwohl sein Vater früher selbst dort arbeitete und er durch ihn am eigenen Leib erfuhr was diese Knechtschaft für Auswirkungen auf Menschen und Familien haben kann. Wenn jemandem ihn oder seinen Freunden/Familien etwas zu Leide tut, packt er immer gleich den Zorn des Selbstgerechten aus, doch wenn er das Selbe einem Unschuldigen antut, kümmert ihn das kein Stück. Joe lässt sich am besten durch ein Spielzitat beschreiben, welches kommen kann, wenn er einen Zivilisten überfährt:
"Siehs von der Seite: Es hätte auch ein Bus sein können.". Unterm Strich haben sie kein Problem damit Unschuldige zu töten und das ist etwas, was im ersten Teil nicht mal Salirie leichtfertig getan hat.
2. Die Story hat eigentlich nicht wirklich etwas mit der Mafia zu tun, stattdessen wirken die beiden Protagonisten eher wie Söldner. Selbst als Vito endlich Mitglied einer von drei Familien von Empire Bay ist, werden den Beiden die Aufgaben nur durch einen sehr distanzierten Mittelsmann überbracht, welcher einem deutlich das Gefühl gibt, dass man in dem Spiel, wenn überhaupt, nur knapp über dem gewöhnlichen Bauern steht, der durchaus geopfert werden kann. Man hat also nie wirklich das Gefühl, dass man Teil einer großen Familie ist.
3. Als es schließlich zu den Konflikten der Familien kommt, ist die Vorgehensweise im "Familienkrieg" mehr als plump gestaltet. In Mafia 1 musste man erst den Stadtrat ausschalten, dann den Bruder des feindlichen Dons und erst zum Schluss war die feindliche Familie so geschwächt, dass man sich den Mafiaboss vornehmen konnte. Das war noch ein richtiger Spannungsbogen, aber in Mafia 2 ist davon kaum etwas zu sehen.
4. Wenn Tommy in Mafia 1 einer Übermacht gegenüber stand, war das für gewöhnlich immer die Folge eines missglückten Plans oder unvorhersehbarer Umstände. Er wurde niemals alleine in ein Feindgebiet reingeschickt, in welchem ihm die Gegner 50 zu 1 überlegen waren. Dazu möchte ich ein Gespräch aus Mafia 2 - Joes Adventurer zitieren (ungefähr):
Auftraggeber: "Geh da hoch und mach die Schweinehunde kalt."
Joe: "Kommst du nicht mit?"
Auftraggeber: "Einer muss doch hier bleiben und aufpassen das nicht noch mehr kommen."
Joe: O.o
Auftraggeber: "Machs einfach."
Natürlich hat die Story auch 2 bis 3 ergreifende Wendungen, aber letztlich habe ich mich wegen der ganzen storytechnischen Patzer nie so gut eingebunden gefühlt wie damals bei Mafia 1, weder in der Hauptgeschichte noch in den Teilen der DLCs, die ich bisher gespielt habe. Ich habe die Hauptstory von Mafia 1 insgesamt 13 mal durchgespielt und ich bekam jedes Mal eine Gänsehaut bei dem Ende, doch hier war davon nicht mal beim ersten Mal was zu spüren. Die Geschichte hat ein paar gute Anlagen, aber insgesamt ist sie einfach zu plump um wirklich emotional bewegen zu können.
Spielzeit:
Das Spiel hat eine relativ lange Spielzeit (eben auch auf Grund der DLCs). Ich habe noch etwas mehr als 1 DLC über und habe schon 25 Stunden gespielt, also das ist wirklich nicht schlecht, vor allem wenn man bedenkt, wie günstig das Spiel samt DLCs inzwischen zu haben ist. Viele haben ja bemängelt, dass die Funktion "Freie Fahrt" oder "Freie Fahrt Extrem" fehlt, aber eigentlich entspricht das ziemlich genau der Funktionsweise der Mafia-DLCs: Man kann so lange durch die Stadt fahren, wie man will, und selbstständig kleine Mini-Aufgaben annehmen, die die Spielzeit verlängern.
Fazit:
Das Spiel bietet eine gute Grafik, eine hervorragende Spielwelt durch die man auch gerne durchfährt und ein wirklich unterhaltsames Kampfsystem. Die Geschichte ist aber nicht annährend so gut wie im Vorgänger und auch für sich genommen, also ohne das im Vergleich zu bewerten, ist sie allenfalls Durchschnitt.
Es macht also wirklich Spaß das Spiel zu spielen, wenn man sich mal ein bisschen entspannen und einfach etwas ungezwungen Leute umballern will, aber für das große filmreife Erlebnis sollte man eher zu etwas anderem greifen. Insgesamt bedaure ich den Kauf nicht, aber auch nur weil das Spiel so günstig war.