Als Borderlands damals erschien, war ich fasziniert von einem Shooter-RPG-Hybriden. Zuvor hat man sich nur mit Hellgate: London daran gewagt und das Ergebnis war eher mau; ganz anders bei Borderlands. Das Konzept ist natürlich bei Borderlands 2 kein Novum mehr, daher fällt es auch für mich schwerer, über die Schwächen hinwegzusehen.
Aber erst einmal zum Positiven:
Hätte ich die Rezension gleich nach den ersten paar Stunden Spielzeit geschrieben, hätte ich fünf Sterne vergeben. Der Spielfluss ist viel besser, man muss nicht ewig viele Quests erledigen, der Humor ist klasse, die Umgebungen besser gestaltet und der Soundtrack überzeugt. Der Grafikstil ist gleich geblieben, die Grafik kommt vor allem dank Physx sehr gut zur Geltung. Die Figuren und deren Charakter sind allesamt sehr interessant und man trifft auf viele alte Bekannte (darunter Moxxi, Zed und die vier alten Spielerfiguren aus dem Vorgänger). Alles in allem präsentiert sich der Nachfolger im Vergleich einfach stimmungsvoller.
Bevor ich zum Negativen komme, möchte ich anmerken, dass Borderlands 2 fast identisch mit dem Einser ist. Was meine ich damit? Das Kampfsystem (nur eine einzige aktive Fähigkeit, schlecht designter Nahkampf ohne Nahkampfwaffen), die Waffen (abgesehen von ein paar neuen Attributen), die fahrbaren Untersätze und die Klassen (im Großen und Ganzen haben sich nur die aktiven Fähigkeiten verändert). Das kann man jetzt als gut oder schlecht empfinden, Gearbox hat sich jedenfalls nicht getraut, Neuland zu betreten, was ich persönlich als sehr schade empfinde.
Zum Negativen:
Man findet viel weniger Beutekisten. Da ich Zero als Scharfschütze gespielt habe, ging es mir oft so, dass ich einfach keine vernünftigen Scharfschützengewehre gefunden habe, was natürlich fatal ist. Zero ist übrigens der Einzige, der sich auf eine Waffe spezialisiert (Scharfschützengewehr oder Nahkampf), der Rest hat freie Auswahl. Der Nahkampf ist genauso monoton wie im Vorgänger und gegen die letzten beiden großen Bosse übrigens vollkommen wirkungslos, weil man gar nicht in Nahkampfreichweite herankommt. Zero wird von vielen Spielern als zu schwach erachtet und sollte fürs Erste gemieden werden. Die restlichen Klassen sind in Ordnung, Axton (der Soldat) ist besonders einsteigerfreundlich.
Die Handlung ist umfangreicher und länger, man levelt aber langsamer als im Vorgänger (wenn man die allermeisten Nebenquests mitnimmt, kommt man auf gut 30 - 40 Stunden Spielzeit), der Spielfluss, der in den ersten paar Stunden noch wunderbar geschmeidig war, stockt. Schuld daran sind die unglaublich vielen Nebenquests, wie man es ausm Vorgänger kennt. Ich muss ganz ehrlich sagen, weniger wäre mehr gewesen, auch wenn die meisten den typischen Borderlands-Humor widerspiegeln und für Lacher sorgen. Dass der Spielfluss stockt, liegt insbesondere aber auch am Kampfsystem. Die Engine ist jetzt nicht unbedingt das Gelbe vom Ei und irgendwann wird das ständige Geballere doch auch langweilig, selbst wenn man hin und wieder interessante Waffen findet. Tja, wenn man denn wenigstens mehrere aktive Fähigkeiten zur Auswahl hätte ...
Das Beutesystem. Das hat sich nicht verändert und das ist auch das Problem, denn die Beute wird geteilt, was ich als archaisch empfinde. Onlinespielen über Matchmaking wird zur Tortur, wenn der Rest gierig ist und alles aufklaubt, was nicht niet- und nagelfest ist.
Ein paar kleinere Dinge noch, die nicht unbedingt negativ sind: Die Artefakte stärken nun alle möglichen Attribute, aber nicht mehr den Action Skill. Man hat nun mehr Kosmetikoptionen zur Auswahl. Den Revolver gibt es nicht mehr als eigene Klasse, sondern er zählt nun zu den Pistolen. Es gibt ein neues Element, das den allgemeinen Schaden gegen das betroffene Ziel erhöht. Man kämpft im Allgemeinen gegen viel mehr Gegner in den Gebieten; besonders fatal bei Threshern.
Abschließend lässt sich sagen: Wer den Vorgänger mochte und sich nicht an einem im Großen und Ganzen gleichgebliebenen Nachfolger stört, wird Borderlands 2 auch gefallen. Wer unentschlossen ist, sollte nach Möglichkeit bei Freunden anspielen (es gibt sogar einen Splitscreen-Multiplayer).