Nachdem man mit Bioshock 2 unter 'fremder' Regie einen kleinen Durchhänger hatte, kehrt Bioshock Infinite nun zu Irrational Games, den Machern von Bioshock 1, zurück. Doch knüpft man mit dieser Rückkehr an alte Tugenden an? Oder bezaubert man mit Neuem?
Präsentation
Die Grafik ist auf den Konsolen klar etwas schwächer, das äußert sich primär an leichtem Kantenflimmern (zumindest manchmal) und schlechteren Texturen. Ansonsten bietet Bioshock Infinite alles, was das Herz begehrt. Der erste 'Flug' über Columbia alleine ist ein wunderschöner Anblick und jede weitere Szenerie die man in der 12-15 Stunden langen Kampagne betritt, ist schön anzusehen. Der Sound steht der wunderschönen Optik in nichts nach: die Musik ist Bioshock-Typisch der jeweiligen Zeit entsprechend, Waffen - und Gabensounds klingen absolut stimmig. Die deutsche Synchronisation ist sehr gelungen und stimmig, weder klingen die Sprecher gelangweilt, noch betonen sie manche Sätze falsch und auch die vielen Nebendialoge, die man in Columbia belauschen kann, klingen super und erzeugen eine tolle Atmosphäre. Englische Synchronisation ist ebenfalls enthalten, wem das dennoch nicht zusagt.
Story
Ohne zuviel zu verraten sei gesagt, dass die Story Klasse ist. Man selbst spielt Booker DeWitt, dessen Hinter- und Beweggründe lange ein Geheimnis bleiben und sich erst langsam lüften. Bioshock Infinite hat keineswegs den Vorteil eines Bioshock: inzwischen rechnet man direkt mit einem Twist. Selbiger kommt auch, jedoch darf man soviel sagen: vorbereitet ist man darauf nicht und auch nicht alles wird auf einem Silbertablett serviert und beantwortet. Das bietet zum einen Raum um sich selbst eine Meinung zu bilden und darüber nachzudenken, als auch eine Motivation, noch einen Durchlauf zu starten. Insgesamt ist die Handlung gepaart mit der Atmosphäre einfach meisterlich.
Gameplay
Nun, ein Bioshock hatte noch nie die beste 'Shootermechanik' sondern hatte stets von Handlung und Atmosphäre der Welt gelebt. So ist es auch in Infinite. Die Steuerung ist manchmal etwas schwammiger und hektischer, als bei so manch anderem Vertreter des Genres, allerdings bewegt man sich dennoch auf einem hohen Niveau. Der typische Kampf mit Waffe und 'Gabe'(wie die 'Plasmide' Columbias nun heißen) erfolgt über beide Schultertasten. Neu ist allerdings: während man von den Gaben weiterhin alle besitzen, mit sich herumtragen und sie auswählen kann, trägt man nur noch zwei Waffen mit sich herum. Selbige lassen sich via Schultertaste schnell durchschalten (wie die Gaben auch), allerdings muss man stets neue Waffen aufsammeln/finden, wenn man eine andere will. Das klingt zunächst lästig, allerdings findet man die Waffen derlei häufig, dass es kaum ins Gewicht fällt. Munition für Waffentypen behält man glücklicherweise, unabhängig vom Besitz der Waffe.
Neu hinzu kommen letztlich zwei Features: der Greifhaken, der sowohl als Waffe für den Nahkampf, als auch als Fortbewegungsmittel auf den Schienen der bahn Columbias dient. Letzteres klingt zunächst lästig, allerdings macht das Fahren auf den Schienen, als auch Luftangriffe beim Absprung von selbiger, unglaublichen Spaß.
Das zweite, neue Feature ist Elizabeth. Selbige hat die Gabe, Risse zu öffnen. Selbige werden einem angezeigt und können durch gedrückt halten der Aktionstaste von ihr geöffnet werden. Letztlich kann das alles bedeuten: alte Munitionsstände, MG-Türme, Verankerungen für den Haken oder Medipaks werden durch einen Riss in das Hier und Jetzt gezogen und können benutzt werden, darunter fallen auch Deckungsgegenstände wie Mauerstücke etc. Das ist ein nettes, manchmal zu starkes Feature, allerdings kann man auf den höheren Schwierigkeitsgraden ganz schön dankbar dafür sein. Schwierigkeitsgrade gibt es vier, wovon einer beim durchspielen freigeschaltet wird.
In ebenso klassischer Bioshock-manier lassen sich Waffen aufrüsten, diesmal etwas genauer (Munitionskapazität, Waffenschaden etc) zudem kann man auch die 'Gaben' aufrüsten (bessere Effekte) und bei sich selbst mehr Lebenskraft, Salz (quasi 'Mana') oder den Schild aufrüsten.
Welt
Die Welt von Bioshock Infinite mag ich an der Stelle nochmals hervorheben, denn sie ist fantastisch geworden. Irrational Games hat es ausgezeichnet geschafft, eine neue Welt zu erschaffen, einem neuen Dystopia Leben einzuhauchen. Columbia ist nicht nur einfach Rapture in der Luft, es ist ein komplett neues, nicht minder atmosphärisches Szenario. Anstelle von Verfall und Drogensucht hat man eine heile Welt, deren Abgründe sich aber still, heimlich und versteckt vor einem auftun. Das kann man an der Stelle einfach nur loben und bewundern. Besonders schön ist das dadurch, dass sich das Spiel anfangs 'viel' Zeit lässt, um einen in diese Welt zu entführen, bevor überhaupt erst Feuergefechte losgehen.
Fazit
Bioshock ist momentan der Shooter schlechthin. Wer Teil 1 geliebt hat, kommt an dem Teil nicht vorbei. Irrational Games hat ein Meisterwerk geschaffen, welches mit Entscheidungen, moralischen Fragen, Atmosphäre, einer dichten Story und einer lebendigen Welt aufwartet. Dabei ist das Spiel nie vorhersehbar oder monoton und weiß über die gesamte Dauer von 12-15 Stunden zu unterhalten und überzeugen. Kritikpunkte findet man zweifelsohne in der Optik und dem nunmal hinter Far Cry oder Crysis stehendem Gameplay. Doch wer Bioshock kennt und kauft, tut es primär wegen anderen Dingen. 10 von 10 Sternen, absolute Kaufempfehlung.