Schon 2007 wurde "Mafia II" angekündigt, eine gefühlte Ewigkeit und schier unzählbare Verschiebungen später ist das Game nun endlich draußen. Wohl kaum ein zweites Videospiel wurde 2010 so begeistert erwartet, war doch sein Vorgänger ein wahrer Meilenstein, den 2K nach der langen Entwicklungsphase und den aktuellen technischen Möglichkeiten möglicherweise noch übertreffen hätte können. Ob "Mafia II" das Zeug zum neuen Don hat, oder ob man es eher mit Betonschuhen in einem See versenken sollte, haben wir für euch getestet.
Wie ein guter Film
Die Figuren aus "Mafia II", sowie die Story haben nichts mit dem ersten Teil zu tun, daher kann man das Spiel nicht als eine Fortsetzung ansehen. Erzählt wird die Geschichte von Vito Scaletta, der als Kind mit der Familie von Sizilien in die USA, genauer gesagt nach Empire Bay, einem fiktiven New York, übersiedelte, um dort ein neues Leben zu beginnen. Aufgrund der nicht besonders komfortablen finanziellen Lage, gerät Vito schon in jungen Jahren auf die schiefe Bahn und beginnt mit seinem besten Freund, Joe Barbaro, einer Karriere als Ladendieb. Wie es das Schicksal so will, wird unser Hauptcharakter erwischt, hat aber das Glück nicht ins Gefängnis zu müssen, sondern wird aufgrund seiner italienisch Kenntnisse in den zweiten Weltkrieg geschickt. Wieder zu Hause, warten die alten Sorgen auf Vito: keine Kohle. Schlimmer noch, die Familie steckt in Schulden.
Mama Scaletta schickt ihren Sohn arbeiten, doch so wirklich wollen dem Junior die anfänglichen Handlanger-Jobs nicht gefallen und als er dann noch sieht, wie sein alter Kumpel Joe dank diverser Aufträge durch Mafiosi recht wohlhabend wurde, wird auch in ihm das Feuer entfacht und er tut alles, um in eine der drei Mafia-Familien der Stadt aufgenommen zu werden. Ab hier erlebt Vito einige ereignisreiche Jahre mit Höhen und Tiefen, die vom Tod der Mutter, über Knastaufenthalt, bis hin zu Gangkriegen und Verrat nichts auslässt, was eine abwechslungsreiche und spannende Story brauch. Viele Szenen bzw. auch einiges aus der Geschichte erinnert dabei an bekannte Filme, insbesondere Fans von "Der Pate" dürften voll auf ihre Kosten kommen. Ähnlich wie in diesen Streifen, muss man auch in "Mafia II" immer konzentriert bei der Sache bleiben, denn es fallen so viele Namen und geschehen doch so manche Verstrickungen, die etwas verwirren können. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Story, die sich übrigens über Teile der 40er und 50er Jahre erstreckt, wirklich gut, wenn allerdings auch ein bisschen kurz gehalten, wurde und mit ihrem mehr oder weniger offenen Ende Platz für eine Fortsetzung hat, welche hoffentlich auch kommt, denn dem doch sehr sympathischen Vito wünscht man eine erfolgreichere Karriere, als die in "Mafia II", doch mehr soll hier nicht verraten werden.
Große Stadt... und doch so wenig Möglichkeiten
Für alle, die es noch nicht wussten: "Mafia II" ist ein Third-Person-Action Game, das in einer offenen Welt stattfindet, daher wird natürlich oft der Vergleich zum großen "Grand Theft Auto" gezogen. Empire Bay an sich ist wirklich groß und sehr liebevoll bzw. detailreich gestaltet. Das fängt an mit den vielen Backsteinhäusern, dazu die teilweise gepflasterten Straßen, noch dazu verschiedene Jahreszeiten mit traumhaftem Sommerwetter oder vereisten Straßen und zugeschneiten Vehikeln im Winter. Außerdem spürt man deutlich den Unterschied zwischen den 40ern und 50ern, sowohl in Kleidung, Autos oder Musik. Besonders die Fahreigenschaften der Wagen und das manchmal doch etwas nervige Radio "Gedudel" aus den 40ern verglichen mit den bessern Fahrzeugen und dem richtig coolen Rock'n'Roll/Swing/Blues Soundtrack der 50er verdient eine extra Erwähnung, denn sie sorgen dafür, dass "Mafia II" einen fantastischen Charme bekommt. Auch die teils amüsant gezeichneten Bewohner Empire Bays helfen da natürlich mit, allerdings muss man sagen, dass man nicht wirklich das Gefühl hat, sich in einer 7-Millionen-Einwohner-Metropole zu befinden, so wie angegeben. Kurzum: das Ambiente stimmt!
Leider bekommt man nicht all zu viel davon mit, was daran liegt, dass in "Mafia II" hauptsächlich Wert auf die Story gelegt wurde. Diese ist in 15 Kapitel aufgeteilt, in denen man immer genau vorgeschrieben bekommt, was zu machen ist. Man bewegt Vito also quasi nur von Ort zu Ort, um dabei neue Missionen anzunehmen oder auszuführen. Zwar herrscht nur selten Zeitdruck, sodass man die Stadt erkunden kann, doch es fehlt einfach an Motivation dazu. Vito lässt sich neu einkleiden, kann sein Waffenarsenal aufbessern, den Fuhrpark aufmotzen, für ein paar Dollars Läden überfallen oder gestohlene Fahrzeuge verticken, etwas zu essen kaufen, um die Gesundheit wieder aufzufüllen oder einfach nur einen saufen gehen, das alles ist jedoch zu wenig, um sich länger mit der Map zu beschäftigen, sodass man sich den vorgegebenen Aufträgen widmet. Diese beinhalten die üblichen Mafiosi-Geschäfte wie Geldeintreiben, Leute vermöbeln, Drogendeals und natürlich zig Schießereien, was vielleicht nicht abwechslungsreich klingt, aber dann doch so gut in die Story eingebunden wurde, dass keine Langeweile aufkommt. Lediglich die Polizei hätte etwas mehr eingebunden werden können. Die greift nämlich hauptsächlich bei Verkehrsdelikten ein und nur selten bei euren richtigen Verbrechen. Und selbst wenn Vito geschnappt wird, stellen die bestechlichen Cops kein großes Hindernis dar.
Dies sind wohl die großen Unterschiede zu "GTA IV", auf der einen Seite die wenigen Möglichkeiten Zeit und Geld zu verschwenden, auf der anderen ein nicht ganz so eintöniges Gefühl bei den Missionen. "Mafia II" ist relativ schnell durchgespielt, bei den drei Schwierigkeitsgraden benötigt man ca. 9-13 Stunden. Wurde die Story beendet, ist leider nicht mehr möglich, auf eigene Faust die Stadt noch ein bisschen erkunden, sondern man muss dafür einzelne Missionen noch einmal nachspielen. Auch die einsammelbaren Objekte wie Fahndungszettel oder Playboy Pin-Ups sind jetzt nicht unbedingt so motivierend, dass man das Game unbedingt noch einmal durchzocken möchte, außer vielleicht vor Release eines Nachfolgers.
Looks good, sounds nice
Die detailreiche Gestaltung wurde bereits angesprochen und auch sonst steht "Mafia II" anderen Open World Games in Sachen Optik in nichts nach. Sicher, eine gigantische Grafik darf man nicht erwarten, es gibt schon die ein oder unsaubere Texturen und von Kantenglättung ist auch nicht viel zu sehen, aber das ist in diesem Genre ja so an der Tagesordnung und stört auch nicht wirklich. Wesentlich schlimmer sind da die Animationen. Die Figuren um Vito und Co. bewegen sich doch äußerst steif und wenig realistisch, besonders wenn Vito ans Telefon geht oder sich mit jemandem unterhält, fällt das auf, auch das Treppensteigen ist nicht gerade elegant. Teilweise wurde auf Animationen auch komplett verzichtet. So öffnet sich ein Kofferraum wie von Geisterhand oder eine Türklingel scheint sich von selbst auszulösen. Das darf 2010, noch dazu nach so langer Entwicklung, einfach nicht mehr sein! Umso besser sind dafür die Sequenzen. Die sind ein echter Augenschmaus und bringen uns das Leben als Mafiosi auf unterhaltsame Art und Weise näher. Auch die Vertonung stimmt. Die Geräusche von Waffen und Fahrzeugen klingen authentisch, der Soundtrack ist mit ca. 100 Liedern nicht besonders üppig, aber ausreichend und noch dazu einfach klasse. Die deutsche Synchronisation ist ja oftmals ein dickes Manko, nicht so hier. Gerade Vito und Joe, aber auch die restlichen Charaktere wurden passend eingesprochen, außerdem kommt der teils harte Jargon authentisch und zu keinem Zeitpunkt lächerlich daher.
Fazit
"Mafia II" ist ein zweischneidiges Schwert. Zum Einen taucht man in eine interessante Welt mit toller Story und gelungenen Missionen ein, zum Anderen bietet das Game jedoch nicht mehr als eine überschaubare Zahl an Spielstunden und leistet sich noch dazu einige kleinere Fehler. Wer mit den Erwartungen an das Spiel geht, einen ähnlichen Epos wie den Vorgänger oder ein so umfangreiches Videospiel wie "GTA IV" in den Händen zu halten, wird mit "Mafia II" leider enttäuscht werden, diejenigen, die Wert auf ein unterhaltsames Action-Game legen, bekommen hingegen genau das, was sie suchen.