Das dritte Album in einem Jahr und wieder was anderes: nach Pop ("Cold Roses") und Country ("Jacksonville City Lights") nun ein Soloalbum ohne die Cardinals, das nicht ganz so gängig einzuordnen ist.
Es klingt sehr viel persönlicher als die beiden vorigen Alben und ist auch extrem sparsam instrumentiert (meist nur Piano und/oder Gitarre). Die Texte wirken sehr persönlich, ob sie es wirklich sind, vermag ich nicht zu sagen, dem Chamäleon Adams ist zuzutrauen, dass er diese ganzen Lebensbeichten genauso aus dem Ärmel schüttelt, wie er Melodien en gros produziert.
Der Rolling Stone schrieb, Adams' Problem bei dieser CD sei, dass er, statt 3 Alben in Rekordzeit einzuspielen, sich mal lieber mit mehr Sorgfalt seinen Songs widmen sollte. Man höre den Liedern auf "29" an, dass sie mal eben so geschrieben seien worden. Das kann ich nach den ersten Höreindrücken nicht bestätigen, das sind keine hingerotzten Stücke, sondern bei aller Schlichtheit schon musikalische Leckerbissen, deren Arrangement auch noch im Minimalismus durch eine gewisse Raffinesse besticht. Und für Textzeilen wie "One night at the diner over eggs / Over easy she showed me the length of her legs" muss man ihn einfach lieben.
Textlich begibt er sich aber auch auf durchaus hohes, wenn nicht gar literarisches Niveau: selten gab es so viele interpretierbare Leerstellen in seinen Texten, die diesmal zwischen kleinen Anekdoten und komplexen Kurzgeschichten schwanken.
Insgesamt hat er es also mal wieder geschafft sein Publikum zu verblüffen: dreimal Ryan Adams in einem Jahr, dreimal ein ganz anderes Album - welcher Künstler kann das schon von sich behaupten?