Über die Blu-Ray-Qualität gibt es hier keinen Zweifel, 20th Century Fox liefert wie immer sehr gute Qualität ab. Bei der Regie sehe ich das zum Teil anders.
Zum Schärfe-, oder sollte ich besser sagen Unschärfeeindruck des Filmes "28 Days later":
Ich habe hier viele Rezenssionen über diesen Zombie-Doppelpack gelesen und kann nur sagen, daß sowohl die Befürworter als auch die Gegner dieses Handkamerastils aus meiner Sicht irgendwo recht haben. Mit mir als Hobbyfotografen kann man in vieler Art über Gestaltungsmittel sprechen. Sattes Filmkorn (Bildrauschen), Schwarz-Weiss, dezente oder auch ausgeprägte Unschärfen, absichtliches Verwackeln, Falschfarben, Überbelichtungen (High-Key), Unterbelichtungen (Low-Key), Teilentsättigungen (Colorkey), übertriebene Farben, blasse Farben, gezielte Über- oder Unterkontrastierung und vieles mehr kann und darf auf jeden Fall gestalterisches Mittel sein, um einen bestimmten Eindruck zu erzielen!
Der Film ist fast zur Gänze mit einer DV-Kamera, die augenscheinlich gerade mal schlechte VHS-Qualität erreicht, gefilmt worden. Es ist sofern richtig zu sagen, daß man mehr Schärfe aus dem Ausgangsmaterial nun mal nicht herausholen kann. Richtig ist auch das Argument, daß dies vom Regisseur wohl so beabsichtigt war. Das fällt unter das Thema künstlerische Freiheit, die muss meiner Einstellung nach auf jeden Fall gewährleistet sein. Und das sicherlich bei jedem Film.
Ich habe mich erkundigt und habe auf IMDB einen wegweisenden Satz von Danny Boyle (Regisseur des Filmes "28 Days later") gefunden: "the general idea was to try and shoot as though we were survivors too, ..." Zu Deutsch: Danny Boyle hat offenbar versucht einen gewissen "Amateur-Realismusstil" zu erzeugen. Man kennt das ja aus sehr gelungenen Produktionen wie zum Beispiel "Cloverfield", "Paranormal Activity", "Rec", wo das auch einwandfrei funktioniert.
In dieser Produktion ("28 Days later") zerstören jedoch die vielen Stativaufnahmen diesen Eindruck - nach meiner Ansicht - leider zum großen Teil. Die vielen Stativaufnahmen machen den Film zu ruhig und geben dem Ganzen wiederum den Anhauch, bzw. den Eindruck einer professionellen Produktion, der ja eigentlich durch die schlechte Kamera vermieden werden sollte. Der Handkamera-Stil trifft den Effekt nur selten, am ehesten in der Szene, als der Hauptdarsteller (gespielt von Cillian Murphy) auf einen von der Seuche befallenen Jungen trifft und mit ihm kämpft. Die Stelle wirkt richtig spannend, genauso wie ein paar andere Szenen.
Eigentlich hat Danny Boyle nur einen großen Kardinalsfehler in seiner Regiearbeit von "28 Days later" gemacht. Er hält die in normalen Filmen gewollte Distanz zwischen Kamera und Handlung aufrecht. Bei gelungenen Handkamerafilmen wird in der Regel auch die Handkamera in der Handlung thematisiert. Es muss die Distanz zwischen Kamera und Handlung/Zuschauer abgebaut werden, um den Realismusstil zu vertiefen. In gut gemachten Handkamerafilmen wird über die Kamera ("Paranormal Activity", "Rec", Cloverfield") und/oder Stativ ("Paranormal Activity") im Film gesprochen und meist auch über oder mit der Person hinter der Kamera. Dies geschieht in "28 Days later" keine Sekunde lang. Damit ist der Film nur einer der üblichen Filme, nur eben mit schlechter Kamera gedreht.
Außerdem ist der Film insgesamt zu ruhig geraten, als daß der Handkamerastil wirklich greifen würde. Für mich bleibt der Film ein leicht (nicht zur Gänze) missglücktes Regieexperiment, auch wenn er inhaltlich eigentlich ganz gut ist. Der Film ist aufgrund seiner absichtlichen Beschaffenheit aus meiner Sicht kameratechnisch nichts Halbes und nichts Ganzes. Ich finde, es wäre immer noch besser gewesen, diesen Film zur Gänze auf Filmmaterial zu drehen und damit das Tor zur Schärfe aufzustoßen. So wie der Film vorliegt, kann natürlich gerne mal beim einen oder anderen Cineasten der Eindruck entstehen, als hätte man einfach die Produktionskosten drücken wollen. Und tatsächlich hat der Film laut Boxofficemojo auch nur 8 Millionen Dollar gekostet, was heutzutage fast ein Witz ist.
Die Alternative wäre nach meinem persönlichem Eindruck gewesen, mit der DV-Kamera öfters aufs Stativ zu verzichten, dann wäre der Filmstil sicher authentischer geworden. Aber ich sage auch ganz ausdrücklich, daß ICH mit dem Stil nicht hundertprozentig warm werde, daß muss bei ANDEREN Filmbetrachtern nicht zwangsläufig auch so sein. Wem es gefällt ... der wird auch sicher gut bedient. Wenn man die letzten 5 Minuten des Filmes unbedingt in High Definition braucht, dann lohnt sich auch der Blu-Ray-Kauf. Am Schluss ist der Film sogar richtig knackscharf, ich habe die Schärfeeinstellung an meinem Fernseher an dieser Stelle heruntergepegelt, um ein natürliches Niveau zu erreichen und Überschärfung zu vermeiden.
Zur Optik von "28 Weeks later":
Der Film ist ein schönes Beispiel für eine gelungene optische Arbeit. Im Gegensatz zu Danny Boyle hat Juan Carlos Fresnadillo auf unscharfe Optik verzichtet. Trotzdem hat er vieles auch gleich getan. Extreme Verwackelungen, um Chaos darzustellen, Stativaufnahmen für ruhige Momente, Kamerafahrten ... aber insgesamt ohne den Eindruck zu erwecken, pseudoamateurstil mit Handkamera produzieren zu wollen. Man wird dafür mit zahlreichen supergelungenen und anspruchsvollen Luftaufnahmen von London belohnt. Das ist wirklich sehr schön anzuschauen.
Und es ist selten, daß ich einen zweiten Teil besser und gelungener finde, als einen ersten Teil. Hier ist das der Fall. Auch wenn ich Cillian Murphy und Brendan Gleeson (beide in "28 Days later") als sympathische und gute Schauspieler empfinde, will ich sagen, daß die überwiegend unverbrauchten und neuen Gesichter von "28 weeks later" dem Film sehr gut getan haben. Der aus meiner Sicht einzige bekanntere Schauspieler ist Jeremy Renner. Und der macht - wie eigentlich immer - einen guten Job.
Beste Grüße. :)