Danny Boyle traut sich was.
Ich find's gut, wie sich "28 Days Later" von anderen Zombiefilmen absetzt. Da wird nicht wie bei Zack Snyder 90 Minuten lang einfach herumgeschlachtet. Da wird auch nicht einfach das Zombieklischee ein weiteres Mal halbherzig aufgewärmt.
Boyles Rezept sieht ungefähr so aus: Ökothriller meets Horrordrama. Eine Geschichte, die auf halbwegs wissenschaftlich-plausiblen Beinen steht. Und oben drauf traut sich Boyle auch noch, ein paar tiefere Schichten mit seinem Film anzuschneiden. Was passiert zum Beispiel mit Menschen bzw. dem menschlichen Verstand, wenn er oder sie in eine entmenschlichte Welt geworfen wird bzw. darin aufwacht.
So - unter'm Strich bleibt ein Film, der mich gut unterhalten hat bzw. ein paar Szenen besitzt, die wirklich unter die Haut gehen. Mir hat's jedenfalls gefallen, dass Boyle versucht einen Film zu machen, der mehrschichtig ist (auch, wenn es ihm in meinen Augen nicht auf der ganzen Linie gelungen ist, weil der Film im Ganzen betrachtet, doch nur besseres Hollywood-Popkornkino ist). Was mir weniger gefallen hat ist die Kameraarbeit von Boyle. Zum einen hat er mit DV-Kameras gedreht, was dem Film einen etwas anderen Touch verleiht und ihn herkömlicher und nicht so perfekt wie einen normalen Film erscheinen zu lassen. Nur setzt Boyle dieses Mittel für meinen Geschmack viel zu viel ein. Für mich wirkt's dann und wann auch mal wie ein MTV-Video. Naja - über Geschmäcker lässt sich halt streiten.
Kurzum kann ich den Film mit gerade noch 4 Sternen auch gut und gerne weiterempfehlen. Leute, die ein Faible für Zombiestreifen haben, müssen den Film sehen. Leute, die sich für etwas "andere" Zombiefilme interessieren, sollten den Film vielleicht leihen. Und Leute, die Zombiefilme gelegentlich mögen, keine 08/15 Horrorstreifen sehen wollen und vielleicht auch ein bißchen Lust auf gehaltvollen britischen Humor haben, denen lege ich den 100% britischen "Shaun Of The Dead" (von den Hot Fuzz Machern) ans Herz.
Noch kurz zur DVD:
Das Bild ist überraschenderweise auf meinem alten 82cm Röhren-TV nur mittelmäßig. Das mag ganz klar auch an den DV-Bildern des Films liegen, aber es ist echt schade, wenn man in diesen Szenen sieht, wie schlecht die Kompression mit dem Bildmaterial zurecht kommt (Stichwort: Artefakte und unruhige Bilder)
Der Ton geht in Ordnung, hat auch den einen oder anderen schönen Surroundeffekt zu bieten.
Und die Extras sind total erhaben. Gelöschte Szenen, ein schönes Making Of, die Trailer, Storyboards - hier wurde echt nicht gespart.