"Oh my god!" dachte ich noch so etwa nach 2/3 des Films, ich habe mich wirlich amüsiert, sogar über die ein- oder andere Bemerkung lachen müssen. Doch dann kam die Ernüchterung, die pseudo-psychologische Diskussion zwischen den Schwestern, natürlich mit vorausgehender "Schlägerei". "Wie kann man so verblödet sein, ein dermaßen hohles Gesülze zu ertragen?" fragte ich. "Das US-Publikum liebt das eben", kam die Anwort. Wo ist der Widerspruch?
Die "Schlägerei" mit tiefsinnigem Verständnis-Gesülze stellt anscheinend des Pudels Kern von US-Filmen dar. In Katastrophen-Filmen zwischen dem nüchternen Coolen und dem emotional überkochenden Schwachkopf. Im Western zwischen dem Guten und dem konvertierenden Bösen. Im Drama zwischen den Brüdern. Oops - da sind wir wieder bei dem 2007er Streifen "27 Dresses", nur dass hier die Brüder Schwestern sind.
Jane (Katherine Heigl, 29) sieht aus wie Wiener Blut aus der Friseur-Illustrierten, ist zudem TSM-Frau (Tüchtig-Sein-Müssende) und träumt seit Jahren hinter ihrem Chef George (Edward Burns, ) her, der dann die Schwester Tess (Malin Akerman, 29) anmacht, weil sie sich unkompliziert gibt und aggressiver aufmacht. Dafür macht der zynische Journalist Kevin (James Marsden, 34) Jane den Hof. Er zeigt zwar nicht wirklich Tendenzen, die Welt zu verbessern, man kann mit ihm aber herrlich in einer Kneipe abtauchen und Elton Johns "Bennie and the Jets" grölen. Kein weißer Ritter also, sondern ebenfalls ein Mensch zum Anfassen.
Jane, die bereits 27-mal als Brautjungfer dafür gesorgt hatte, dass alle glücklich "ja" sagen, soll nun ausgerechnet die Schwester mit ausgerechnet dem Plangatten vermählen helfen...
Natürlich werden die Regeln der romantischen Komödie auch von Anne Fletcher befolgt und die Erwartungen des Zielpublikums nicht enttäuscht - die eingangs erwähnte US-Herz-Schmerz-Szene zählt ja schließlich auch dazu. Endlich mal eine Hauptdarstellerin mit einem hübschen Gesicht - das war aber auch das einzige. 2/3 wirklich gut und unterhaltsam, dann wird es schleppend, der Schluss ist wieder witzig, nervt aber mit der Dekoration.
Komödien wie
Notting Hill sind witziger und menscheln mehr, andere wie
Der Teufel trägt Prada bieten mehr fürs Auge und manche Klassiker wie
Die Kaktusblüte spielen ohnedies in einer anderen Liga. Mehr als eine mittlere Bewertung hat dieser nicht mehr als ordentliche Film sicher nicht verdient.
Im Original 111 Minuten, Format 2,35:1 auf 35 mm Film, SDDS|DD|DTS (Quelle: IMDB)
jury 3* A0541 14.3.2011e 7 A