Pressestimmen
"Ein großes, überschäumendes Werk, das die Wunden und den Gestank so wenig scheut und eben deshalb geradezu unbändig der Lebenslust huldigt." Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung, 05.09.09 "So grenzenlos einem des Autors Fantasie vorkommt, so klar, transparent und genau bleibt seine Sprache. Bolano nimmt seine Leser mit auf eine Höllenfahrt. Auf was für eine!" Christoph Kuhn, Tages-Anzeiger, 05.09.09 "Bolanos monumentaler Nachlassroman bestätigt den außerordentlichen Rang des 2003 verstorbenen chilenischen Schriftstellers. (...) Wie Cervantes und Sterne, Melville und Proust, Musil und Pynchon sucht Bolano noch einmal die Totalität der Welt im Roman zu fassen. Es ist der Wahn einer aus den Fugen geratenen globalisierten Welt, gegen den Bolano die Literatur als Ordnungskraft, als Gegenentwurf und Verwandlungszauber ins Feld führt." Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung, 12.09.09 "Bolanos Vermächtnis ist ungeheuerlich. In der Nachfolge von Kafka, Borges und Cortázar begreift er Literatur als etwas Unausgegorenes. In '2666' zeigt er uns, was er damit meint. Er wagt sich hinab in die Grabkammern der Gegenwart und erzählt davon. Aufregender kann ein Roman nicht sein." Maike Albath, Frankfurter Rundschau, 15.09.09 "Ein gewaltiger Weltentwurf und darin kein falscher Ton: '2666' – der letzte, überwältigende Roman des Roberto Bolano." Eva-Christina Meier, Die Tageszeitung, 12.09.09 "Haarsträubende, wunderschöne, den Leser magisch in Bann ziehende Geschichten aus einer Welt hinter der Welt." Wolfgang Höbel, KulturSpiegel, 26.09.09
"Er gilt als der bedeutendste Schrifsteller spanischer Sprache." Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung, 13.02.09 "Für '2666' muss man eine neue Bezeichnung in die Literaturgeschichte einführen: bolanoesk." Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.09 "Bolanos Werk ist von enormer Lesbarkeit und geschrieben in einer Sprache, zu der man sofort Vertrauen fasst … Sprache, Wortwahl und Rhythmus, eben jener typische, ganz und gar unverwechselbare Bolano-Sound aus Eloquenz und Zögern, Understatement und geistiger Wachheit … Auf uns Leser wartet das Glück einer einzigartigen Entdecker-Reise, über Hunderte und Aberhunderte Seiten einer von Christian Hansen berückend aus dem Spanischen übersetzten Prosa, die tatsächlich ihresgleichen sucht." Marko Martin, Die Welt, 05.09.09 "Das monumentale Werk von mehr als 1000 Seiten hat Bolano über Nacht zu einem Leitstern am Firmament der Weltliteratur gemacht." Thomas Klupp, Welt am Sonntag, 06.09.09 "Ein Meisterwerk. Das aufregendste Buch eines lateinamerikanischen Schriftstellers seit Gabriel García Márquez' 'Hundert Jahre Einsamkeit'." Wolfgang Höbel, Der Spiegel, 07.09.09 "1119 Seiten, auf denen sich Bolanos Weltruhm gründet." Die Zeit, 07.09.09 "Roberto Bolano ist die große weltliterarische Entdeckung der vergangenen zehn Jahre … Mit '2666' ist etwas wirklich Neues in die Welt gekommen: ein Meilenstein der literarischen Evolution." Ijoma Mangold, Die Zeit, 10.09.09 "2666 ist ein ungeheuerlicher Wal von einem Roman, er bläst seine Fontänen hoch in den Äther. Sehr zu empfehlen!" Sibylle Lewitscharoff, Die Welt, 19.12.09
"Er gilt als der bedeutendste Schrifsteller spanischer Sprache." Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung, 13.02.09 "Für '2666' muss man eine neue Bezeichnung in die Literaturgeschichte einführen: bolanoesk." Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.09 "Bolanos Werk ist von enormer Lesbarkeit und geschrieben in einer Sprache, zu der man sofort Vertrauen fasst … Sprache, Wortwahl und Rhythmus, eben jener typische, ganz und gar unverwechselbare Bolano-Sound aus Eloquenz und Zögern, Understatement und geistiger Wachheit … Auf uns Leser wartet das Glück einer einzigartigen Entdecker-Reise, über Hunderte und Aberhunderte Seiten einer von Christian Hansen berückend aus dem Spanischen übersetzten Prosa, die tatsächlich ihresgleichen sucht." Marko Martin, Die Welt, 05.09.09 "Das monumentale Werk von mehr als 1000 Seiten hat Bolano über Nacht zu einem Leitstern am Firmament der Weltliteratur gemacht." Thomas Klupp, Welt am Sonntag, 06.09.09 "Ein Meisterwerk. Das aufregendste Buch eines lateinamerikanischen Schriftstellers seit Gabriel García Márquez' 'Hundert Jahre Einsamkeit'." Wolfgang Höbel, Der Spiegel, 07.09.09 "1119 Seiten, auf denen sich Bolanos Weltruhm gründet." Die Zeit, 07.09.09 "Roberto Bolano ist die große weltliterarische Entdeckung der vergangenen zehn Jahre … Mit '2666' ist etwas wirklich Neues in die Welt gekommen: ein Meilenstein der literarischen Evolution." Ijoma Mangold, Die Zeit, 10.09.09 "2666 ist ein ungeheuerlicher Wal von einem Roman, er bläst seine Fontänen hoch in den Äther. Sehr zu empfehlen!" Sibylle Lewitscharoff, Die Welt, 19.12.09
Kurzbeschreibung
Literatur von einem anderen Planeten: Roberto Bolanos posthum erschienener Jahrhundertroman "2666" über die unaufgeklärte Mordserie an Frauen in Mexiko ist eine atemberaubende Reise ins finstere Herz der modernen Welt. Wir begeben uns auf die Suche nach dem Schriftsteller und ehemaligen Wehrmachtssoldaten Benno von Archimboldi, der in Santa Teresa, einer Wüstenstadt an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, verschwunden ist. Ebendort wurden Hunderte von Frauen Opfer von Vergewaltigung und Mord. Wer sind die Mörder, und was hat Archimboldi mit ihnen zu tun? Das literarische Vermächtnis des aus Chile stammenden und 2003 in Barcelona verstorbenen Bolano ist Gangster- und Bildungsroman, Science-Fiction und Reportage.
Über den Autor
Roberto Bolaño wurde 1953 in Santiago de Chile geboren. Mit 13 zog die Familie nach Mexiko City, wo er das Leben eines wilden Poeten führte. 1973 kehrte nach einer langen Busreise nach Chile zurück, um Allende zu unterstützen, geriet ins Gefängnis und kam erst nach Monaten nach Mexiko zurück. Später beginnt er in Spanien mit dem Schreiben von Romanen, um seine Familie durchzubringen. 2003 starb er, als er auf eine Lebertransplantation wartete und gerade an seinem Meisterwerk 2666 arbeitete.
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die Tote lag auf einer kleinen Brache in der Siedlung Las Flores. Sie trug ein weißes, langärmliges Hemd und einen gelben, knielangen Rock höherer Konfektionsgröße. Spielende Kinder hatten sie gefunden und ihre Eltern benachrichtigt. Eine der Mütter verständigte die Polizei, die eine halbe Stunde später eintraf. Die Brache grenzte an die Straßen Peláez und Hermanos Chacón und reichte bis zu einem Abwassergraben, hinter dem sich die Mauern einer verlassenen und schon verfallenen Molkerei erhoben. Die Straße war menschenleer, weshalb die Polizisten zuerst dachten, jemand habe sich einen Scherz erlaubt. Dennoch parkten sie ihren Streifenwagen in der Calle Peláez, und einer der Beamten sah sich auf der Brachfläche um. Nach kurzer Zeit entdeckte er zwei Frauen, die mit verhüllten Köpfen betend zwischen den Sträuchern knieten. Von weitem sahen sie aus wie alte Frauen, aber das täuschte. Vor ihnen lag die Leiche. Ohne sie zu stören, machte der Polizist auf demselben Weg kehrt und winkte seinen Kollegen heran, der rauchend im Wagen auf ihn wartete. Dann gingen beide (der aus dem Auto mit gezückter Pistole) wieder zurück zu den Frauen, blieben neben ihnen stehen und betrachteten die Leiche. Der mit der gezückten Pistole fragte, ob sie die Tote kennen würden. Nein, Señor, sagte die eine. Wir haben sie noch nie gesehen. Die ist nicht von hier.
Das geschah 1993. Januar 1993. Seit diesem Vorfall begann man, die Frauenmorde zu zählen. Vermutlich hatte es schon vorher Morde gegeben. Die erste Tote hieß Esperanza Gómez Saldaña und war dreizehn Jahre alt. Vermutlich war sie nicht die Erste. Vielleicht aus Bequemlichkeit, weil sie das erste Mordopfer des Jahres 1993 war, führt sie die Liste an. Obwohl sicherlich bereits 1992 Frauen ermordet wurden. Frauen, die nicht auf die Liste kamen oder die nie gefunden wurden, die man anonym in der Wüste verscharrt oder deren Asche man in tiefer Nacht verstreut hatte, wenn nicht einmal der, der sie verstreut, weiß, wo genau er sich befindet.
Die Identifizierung von Esperanza Gómez Saldaña war relativ einfach. Der Leichnam wurde zunächst in eines der drei Kommissariate von Santa Teresa gebracht, wo er von einem Untersuchungsrichter in Augenschein genommen und von Polizeibeamten begutachtet und fotografiert wurde. Wenig später, während vor dem Kommissariat ein Krankenwagen wartete, traf der Polizeichef Pedro Negrete in Begleitung zweier Adjutanten ein und untersuchte die Leiche erneut. Anschließend zog er sich mit dem Richter und drei Beamten in ein Büro zurück und fragte, zu welchen Schlussfolgerungen sie gelangt seien. Sie wurde erwürgt, sagte der Richter, das ist sonnenklar. Die Polizisten nickten schweigend. Weiß man, wer sie ist? fragte der Polizeichef. Alle schüttelten den Kopf. Gut, das kriegen wir raus, sagte Pedro Negrete und verließ zusammen mit dem Richter das Kommissariat. Einer der Adjutanten blieb da und befahl, ihm die Polizisten zu bringen, die die Tote aufgefunden hatten. Sie fahren schon wieder Streife, sagte einer. Dann bringt sie her, wenn sie zurück sind, ihr Schwachköpfe. Inzwischen wurde die Tote in die Leichenhalle des städtischen Krankenhauses gebracht und dort vom Gerichtsmediziner obduziert. Seinem Bericht zufolge war Esperanza Gómez Saldaña erwürgt worden. Sie zeigte Hämatome am Kinn und am linken Auge. Starke Hämatome an Oberschenkeln und Brustkorb. Sie war vaginal und anal vergewaltigt worden, wahrscheinlich mehrfach, da sich in Scheidengang und Darm Risse und Wunden fanden, aus denen sie stark geblutet hatte. Um zwei Uhr morgens beendete der Gerichtsmediziner die Autopsie und ging nach Hause. Ein schwarzer Krankenpfleger, vor vielen Jahren aus Veracruz in den Norden gekommen, übernahm den Leichnam und schob ihn in ein Kühlfach.
Fünf Tage später, bevor der Januar zu Ende ging, wurde Luisa Celina Vázquez erwürgt. Sie war sechzehn Jahre alt, kräftig gebaut, hellhäutig und im fünften Monat schwanger. Sie lebte mit einem Mann zusammen, der gemeinsam mit einem Freund kleinere Einbrüche auf Lebensmittel- und Elektroläden verübte. Mitbewohner des Hauses in der Avenida Rubén Darío, Siedlung Mancera, benachrichtigten die Polizei. Diese brach die Wohnungstür auf und fand Luisa Celina tot, erdrosselt mit einem Antennenkabel. Noch am selben Abend wurden ihr Geliebter, Marcos Sepúlveda, und sein Kompagnon, Ezequiel Romero, verhaftet. Beide landeten im Zellentrakt des Zweiten Kommissariats und wurden einem Verhör unterzogen, das die ganze Nacht über andauerte und von dem Adjutanten des Polizeichefs von Santa Teresa, Schutzpolizist Epifanio Galindo, geführt wurde, mit großem Erfolg, denn noch vor Tagesanbruch gestand der Verhaftete Romero, hinter dem Rücken seines Freundes und Kompagnons ein intimes Verhältnis mit der Toten unterhalten zu haben. Als sie erfuhr, dass sie schwanger war, wollte Luisa Celina das Verhältnis beenden, was Romero nicht akzeptierte, da er glaubte, er und nicht sein Kompagnon sei der Vater des Ungeborenen. Als Luisa Celina auch nach Monaten noch an ihrer Entscheidung festhielt, beschloss er in einem Anfall von Raserei, sie zu töten, und nutzte eine Abwesenheit von Sepúlveda, seinen Entschluss in die Tat umzusetzen. Letzterer kam nach zwei Tagen wieder frei, während man Romero, statt ihn ins Gefängnis zu verlegen, in den Kellern des Zweiten Kommissariats festhielt, nicht um weitere Details im Mordfall Luisa Celina in Erfahrung zu bringen, sondern um zu versuchen, Romero auch den Mord an Esperanza Gómez Saldaña anzulasten, deren Leiche man mittlerweile identifiziert hatte. Anders als von der Polizei erwartet, die sich aufgrund der Schnelligkeit, mit der das erste Geständnis zustande gekommen war, falsche Hoffnungen gemacht hatte, war Romero viel zäher, als es den Anschein hatte, und nahm den ersten Mord nicht auf seine Kappe.
Mitte Februar fanden Müllmänner in einer Seitenstraße der Innenstadt von Santa Teresa erneut eine Tote. Sie war etwa dreißig Jahre alt, trug einen schwarzen Rock und eine weiße, tief ausgeschnittene Bluse. Sie war erstochen worden, obwohl Gesicht und Unterleib auch Spuren zahlreicher Schläge aufwiesen. In ihrer Handtasche fand sich ein Fahrschein für den Bus nach Tucson um neun Uhr morgens, den die Frau nicht mehr nehmen sollte. Außerdem enthielt sie einen Lippenstift, Puder, Wimperntusche, Taschentücher, eine halbe Schachtel Zigaretten, ein Päckchen Kondome. Sie trug keine Papiere bei sich, kein Adressbuch und auch sonst nichts, was sie hätte identifizieren können. Ein Feuerzeug hatte sie auch nicht.
Im März verließ die Moderatorin von Radio El Heraldo del Norte, einem Schwesterunternehmen der Zeitung El Heraldo del Norte, zusammen mit einem anderen Moderator und dem Tontechniker um zehn Uhr abends die Sendestudios. Sie gingen ins Piazza Navona, ein Restaurant mit italienischer Küche, wo sie sich drei Stücke Pizza und drei Fläschchen kalifornischen Wein teilten. Der Moderator verabschiedete sich als Erster. Die Moderatorin Isabel Urrea und der Tontechniker Francisco Santamaría beschlossen, noch etwas zu bleiben und zu plaudern. Sie unterhielten sich über ihre Arbeit, über Dienstpläne und Programme, dann über eine Kollegin, die nicht mehr bei ihnen arbeitete, die geheiratet hatte und mit ihrem Mann in ein Dorf unweit von Hermosillo gezogen war, an dessen Namen sie sich nicht erinnern konnten, aber das am Meer lag und nach Aussage der Kollegin sechs Monate im Jahr das reinste Paradies war. Zusammen verließen sie das Restaurant. Der...
Das geschah 1993. Januar 1993. Seit diesem Vorfall begann man, die Frauenmorde zu zählen. Vermutlich hatte es schon vorher Morde gegeben. Die erste Tote hieß Esperanza Gómez Saldaña und war dreizehn Jahre alt. Vermutlich war sie nicht die Erste. Vielleicht aus Bequemlichkeit, weil sie das erste Mordopfer des Jahres 1993 war, führt sie die Liste an. Obwohl sicherlich bereits 1992 Frauen ermordet wurden. Frauen, die nicht auf die Liste kamen oder die nie gefunden wurden, die man anonym in der Wüste verscharrt oder deren Asche man in tiefer Nacht verstreut hatte, wenn nicht einmal der, der sie verstreut, weiß, wo genau er sich befindet.
Die Identifizierung von Esperanza Gómez Saldaña war relativ einfach. Der Leichnam wurde zunächst in eines der drei Kommissariate von Santa Teresa gebracht, wo er von einem Untersuchungsrichter in Augenschein genommen und von Polizeibeamten begutachtet und fotografiert wurde. Wenig später, während vor dem Kommissariat ein Krankenwagen wartete, traf der Polizeichef Pedro Negrete in Begleitung zweier Adjutanten ein und untersuchte die Leiche erneut. Anschließend zog er sich mit dem Richter und drei Beamten in ein Büro zurück und fragte, zu welchen Schlussfolgerungen sie gelangt seien. Sie wurde erwürgt, sagte der Richter, das ist sonnenklar. Die Polizisten nickten schweigend. Weiß man, wer sie ist? fragte der Polizeichef. Alle schüttelten den Kopf. Gut, das kriegen wir raus, sagte Pedro Negrete und verließ zusammen mit dem Richter das Kommissariat. Einer der Adjutanten blieb da und befahl, ihm die Polizisten zu bringen, die die Tote aufgefunden hatten. Sie fahren schon wieder Streife, sagte einer. Dann bringt sie her, wenn sie zurück sind, ihr Schwachköpfe. Inzwischen wurde die Tote in die Leichenhalle des städtischen Krankenhauses gebracht und dort vom Gerichtsmediziner obduziert. Seinem Bericht zufolge war Esperanza Gómez Saldaña erwürgt worden. Sie zeigte Hämatome am Kinn und am linken Auge. Starke Hämatome an Oberschenkeln und Brustkorb. Sie war vaginal und anal vergewaltigt worden, wahrscheinlich mehrfach, da sich in Scheidengang und Darm Risse und Wunden fanden, aus denen sie stark geblutet hatte. Um zwei Uhr morgens beendete der Gerichtsmediziner die Autopsie und ging nach Hause. Ein schwarzer Krankenpfleger, vor vielen Jahren aus Veracruz in den Norden gekommen, übernahm den Leichnam und schob ihn in ein Kühlfach.
Fünf Tage später, bevor der Januar zu Ende ging, wurde Luisa Celina Vázquez erwürgt. Sie war sechzehn Jahre alt, kräftig gebaut, hellhäutig und im fünften Monat schwanger. Sie lebte mit einem Mann zusammen, der gemeinsam mit einem Freund kleinere Einbrüche auf Lebensmittel- und Elektroläden verübte. Mitbewohner des Hauses in der Avenida Rubén Darío, Siedlung Mancera, benachrichtigten die Polizei. Diese brach die Wohnungstür auf und fand Luisa Celina tot, erdrosselt mit einem Antennenkabel. Noch am selben Abend wurden ihr Geliebter, Marcos Sepúlveda, und sein Kompagnon, Ezequiel Romero, verhaftet. Beide landeten im Zellentrakt des Zweiten Kommissariats und wurden einem Verhör unterzogen, das die ganze Nacht über andauerte und von dem Adjutanten des Polizeichefs von Santa Teresa, Schutzpolizist Epifanio Galindo, geführt wurde, mit großem Erfolg, denn noch vor Tagesanbruch gestand der Verhaftete Romero, hinter dem Rücken seines Freundes und Kompagnons ein intimes Verhältnis mit der Toten unterhalten zu haben. Als sie erfuhr, dass sie schwanger war, wollte Luisa Celina das Verhältnis beenden, was Romero nicht akzeptierte, da er glaubte, er und nicht sein Kompagnon sei der Vater des Ungeborenen. Als Luisa Celina auch nach Monaten noch an ihrer Entscheidung festhielt, beschloss er in einem Anfall von Raserei, sie zu töten, und nutzte eine Abwesenheit von Sepúlveda, seinen Entschluss in die Tat umzusetzen. Letzterer kam nach zwei Tagen wieder frei, während man Romero, statt ihn ins Gefängnis zu verlegen, in den Kellern des Zweiten Kommissariats festhielt, nicht um weitere Details im Mordfall Luisa Celina in Erfahrung zu bringen, sondern um zu versuchen, Romero auch den Mord an Esperanza Gómez Saldaña anzulasten, deren Leiche man mittlerweile identifiziert hatte. Anders als von der Polizei erwartet, die sich aufgrund der Schnelligkeit, mit der das erste Geständnis zustande gekommen war, falsche Hoffnungen gemacht hatte, war Romero viel zäher, als es den Anschein hatte, und nahm den ersten Mord nicht auf seine Kappe.
Mitte Februar fanden Müllmänner in einer Seitenstraße der Innenstadt von Santa Teresa erneut eine Tote. Sie war etwa dreißig Jahre alt, trug einen schwarzen Rock und eine weiße, tief ausgeschnittene Bluse. Sie war erstochen worden, obwohl Gesicht und Unterleib auch Spuren zahlreicher Schläge aufwiesen. In ihrer Handtasche fand sich ein Fahrschein für den Bus nach Tucson um neun Uhr morgens, den die Frau nicht mehr nehmen sollte. Außerdem enthielt sie einen Lippenstift, Puder, Wimperntusche, Taschentücher, eine halbe Schachtel Zigaretten, ein Päckchen Kondome. Sie trug keine Papiere bei sich, kein Adressbuch und auch sonst nichts, was sie hätte identifizieren können. Ein Feuerzeug hatte sie auch nicht.
Im März verließ die Moderatorin von Radio El Heraldo del Norte, einem Schwesterunternehmen der Zeitung El Heraldo del Norte, zusammen mit einem anderen Moderator und dem Tontechniker um zehn Uhr abends die Sendestudios. Sie gingen ins Piazza Navona, ein Restaurant mit italienischer Küche, wo sie sich drei Stücke Pizza und drei Fläschchen kalifornischen Wein teilten. Der Moderator verabschiedete sich als Erster. Die Moderatorin Isabel Urrea und der Tontechniker Francisco Santamaría beschlossen, noch etwas zu bleiben und zu plaudern. Sie unterhielten sich über ihre Arbeit, über Dienstpläne und Programme, dann über eine Kollegin, die nicht mehr bei ihnen arbeitete, die geheiratet hatte und mit ihrem Mann in ein Dorf unweit von Hermosillo gezogen war, an dessen Namen sie sich nicht erinnern konnten, aber das am Meer lag und nach Aussage der Kollegin sechs Monate im Jahr das reinste Paradies war. Zusammen verließen sie das Restaurant. Der...