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Der U-Bahnroman ist ein Internet-Roman, d.h. in der gedruckten Version wird herumgeblättert, statt wie am Computer Links zu verfolgen. Tobias Rapp hat dies mit Freude getan, ihm ist Rymans Roman, der ja ein formal starres Konzept verfolgt, nie langweilig geworden. Die Idee: 253 Personen sitzen in der U- Bahn, der Leser kann sie - jeder Person ist eine Seite gewidmet - siebeneinhalb Minuten lang begleiten, bis ihnen ein Zugunglück widerfährt. Natürlich gibt es bei diesen 253 Leuten Querverweise, Querverbindungen, die das Herumblättern überhaupt erst interessant machen. Die gedruckte Ausgabe bietet einen weiteren Vorteil, so Rapp: in eher ausufernden Fußnoten gibt der Autor seine subjektive Sicht von London preis.
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Los Angeles Times
Kurzbeschreibung
Dieser Ausgangssituation stellt sich Geoff Ryman. Er beschreibt in seinem Romanexperiment 253 völlig verschiedene Menschen, ihr äußeres, ihre berufliche und private Situation und ihre Gedanken. Und das alles auf je einer Seite, mit genau 253 Worten pro Passagier. Im Leser formt sich so ein Bild von der Vielgestaltigkeit der Insassen der U-Bahn, in der sich die Polyphonie der Großstadt widerspiegelt. 253 Schicksale werden fassbar gemacht, von denen jedes so zart und grausam, so lächerlich und doch so großartig ist, wie der Mensch überhaupt.
Da plant der eine Passagier einen Mord, während der andere seine Frau mit einem Geburtstagsgeschenk überraschen will; zwei sind verliebt, zwei andere sind Mutter und Tochter und wissen nicht voneinander. Einheimische sitzen neben Touristen und Flüchtlingen, Schwarze neben Weißen, Künstler und Träumer neben Ganoven und Ausbeutern. Keiner weiß wirklich etwas vom anderen, und doch sind ihre Schicksale miteinander verknüpft.
Der Verlag über das Buch
»Je länger man liest, desto deutlicher zeichnet sich eine Comédie humaine (post)modernen Großstadtlebens ab.«»Badische Zeitung«
»...ein voller Griff ins Heldenleben, ein toller Großstadtroman mit Gebrauchsanweisung - seit langem Kult in the UK.«»IN München«
»Das Interessanteste an dem Buch, das von der Idee her seinesgleichen sucht, ist, mit welcher Prägnanz Ryman ein Bild der modernen britischen Gesellschaft zeichnet und das mit Intelligenz, Witz und Charme.«Lausitzer Rundschau
»Geoff Ryman ist es gelungen, einen experimentellen Roman aus 253 Kurzgeschichten zu puzzeln, einen Großstadtroman über die Vergänglichkeit und über das Leben, der das eigene mediale Kopfkino wunderbar ankurbelt.«»Berliner Morgenpost«
»Ryman ist ein komisches, nicht selten in Sarkasmus übergleitendes, aber auch melancholisches und tiefes Buch gelungen.«»Kieler Nachrichten«
»Rymans großer Wurf ist ein Roman aus den Kurzbiografien der 253 Passagiere; indem er jedem 253 Wörter über Aussehen, berufliche Stellung und momentane Gedanken gewährt, schafft er eine faszinierende Großstadt-Momentaufnahme voller Liebe, Hass und Verzweiflung und ebenso voller sarkastischer Fußnoten und listiger Hyperlinks. ... Trotz des Neue-Medien-Hypes um 253: Rymans cleveres Untergrund-Epos ist auch offline ein Genuss.«Kultur News
Ein Spiel der Phantasie, das Einsicht in die Möglichkeit einer multikulturellen Gesellschaft eröffnet. Witzig und herzzerreissend zugleich. »Eine gute Idee, spannend umgesetzt« Münchner Merkur
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Mr. Rick Juniper
Äußere Erscheinung:
Junger Geschäftsmann. Blauer Anzug, Frank-Church-Schuhe. Starrt wie gelähmt vor sich hin, spielt mit seinen Haaren und gähnt.
Private und berufliche Informationen:
Ist kürzlich zum Leiter der Abteilung Vierfarbdruck bei Tip-Top-Printing ernannt worden. Alles war gut, bis seine neue Assistentin kam.
Lola ist die schönste Frau der Welt. Für Ricks Gemütsverfassung ist das nicht gut. Lola ist verheiratet, Amerikanerin. Sie hält sich in London auf, solange ihr Mann an seiner Dissertation arbeitet. Sie ist eine etwa weniger magere Audrey Hepburn. Lange Beine, brünett, selbstbewusst, fröhlich. Trägt gern hautenge Leggins.
Was er gerade tut oder denkt
Rick wird kündigen. Er ist überfordert. Er bringt nicht einmal den Arbeitsraum unter Kontrolle.
Jools, der holländische Kollege, setzt sich auf Ricks Schreibtisch, dreht ihm den Rücken zu und macht stundenlang Scherze mit Lola.Kunden kommen, um zu sehen, was ihre Aufträge machen. Lola reicht ihnen Kaffee. Sie bleiben den ganzen Nachmittag, schnipsen Zigarrettenasche herum und werden obendrein ständig mehr. Ricks Chef hängt ständig bei Lola herum, erzählt voller Wehmut, dass er früher in einer Rockband gespielt hat, wirft Rick böse Blicke zu und fragt ihn, ob er nichts zu tun hätte.Nach einer alkoholischen Mittagspause ist Bollocks (der in seiner Freizeit Rugby spielt) der schönen Lola sogar an die Wäsche gegangen, und Rick hat ihn rauswerfen müssen. Lola hat bloß gelächelt. Ich brauch sie nicht, um auf mich aufzupassen. Jeder andere würde die ganze Bande höflich, aber bestimmt seines Zimmers verweisen. Rick muss jeden Morgen um 6 Uhr aufstehen,um den Zug von Peterborough zu erwischen. Ist es das eigentlich wert? Er gähnt und verfällt wieder in Schlafstarre..."