Die Macher von „24" stehen unter dem anhaltenden Druck, die einzelnen Seasons auf einem gleichbleibend hohen Niveau zu halten, ohne dabei durch Wiederholungen Langeweile aufkommen zu lassen. Mit der zweiten Staffel gelang es ja bekanntlich, die Kinderfehler der ersten Staffel zu beheben. Die Frage war nun, ob die dritte Staffel noch mal besser werden würde.
Sie ist anders geworden.
Drei Jahre sind vergangen seit den Ereignissen der letzten Staffel und Jack Bauer sieht sich diesmal einer Bedrohung durch einen tödlichen Virus gegenüber. Angenehm fällt gleich auf, dass nicht versucht wurde, die reißerischen Effekte der zweiten Staffel zu wiederholen oder zu überbieten. Während die zweite Staffel den Zuschauer sofort mitten ins Geschehen warf und bis zum Schluss nicht mehr losließ, steigt bei der dritten Staffel die Spannung eher langsam und stetig, die Atmosphäre wird immer beklemmender und lässt einen auch so schnell nicht wieder los. Die Action ist nun sparsamer dosiert, auch ist die dritte Staffel deutlich weniger brutal als die zweite, Leute mit schwachen Nerven sollten dennoch was zum Festhalten haben.
Bei Season 3 steht insgesamt die Story deutlicher im Vordergrund, auch wenn nicht alle Stränge bis ins Detail ausgearbeitet wurden.
Dennoch wartet diese Season mit dem bis jetzt besten Drehbuch auf, auch wenn am Ende häufiger logische Schwächen auftreten, diese fallen aber auch diesmal kaum ins Gewicht und können als Schönheitsfehler gelten. Bauers Tochter Kim arbeitet jetzt auch bei der CTU (weise Entscheidung), ist aber in der dritten Staffel glücklicherweise kein Ärgernis mehr.
Bei der Auswahl der Nebendarsteller wurde erneut ein glückliches Händchen bewiesen. Es gibt neben alten Bekannten jede Menge neuer Charaktere, die für allerlei interessante Wendungen und Entwicklungen in der vielschichtigen Story sorgen. Mittelpunkt des Geschehens ist und bleibt Kiefer Sutherland, der sich mit der Darstellung des am Rande des Zusammenbruchs stehenden CTU-Agenten Jack Bauer einfach selbst übertrifft. Auch Dennis Haysbert als David Palmer überzeugt ebenfalls wieder, wenn auch nicht auf ganzer Linie. Allein diese beiden Schauspieler rechtfertigen den Kauf der Season, es ist fesselnd, wie diese mit den zahlreichen extremen Situationen umgehen und dabei ihrem persönlichen Abgrund immer näher kommen. Hervorzuheben wären noch Jack's neuer Partner Chase (sehr tough - könnte fast als Jack Jr. durchgehen) und Reiko Aylesworth als Michelle Almeida (top! lasst euch überraschen!).
Die DVD-Box ist wiederum technisch brillant und bietet interessante Extras, darunter auf einer Bonus-Disc mehrere Dokumentationen rund um die dritte Staffel, die glücklicherweise nicht ganz so langatmig ausgefallen sind wie beim letzten Mal. Besonders interessieren dürften wieder die zahlreichen entfallenen Szenen und die Multi-Angle-Study (diesmal von einer Actionszene, somit auch interessanter als das unspektakuläre Verhör der letzten Staffel).
Unterm Strich erneut ein Top-Thriller auf hohem Niveau mit klasse Darstellern und ohne nerviges Hollywood-Pathos. Für des Englischen mächtige Fans, die nicht bis nächstes Jahr warten wollen und von der holprigen Synchronisation genervt sind, sowieso ein Muss. Es gibt einfach nichts Besseres...