Das ist er nun also: Jack Bauers achter und letzter Arbeitstag in der finalen "24"-Staffel. Es ist ein Finale, in dem nochmals alle Register gezogen werden, die die Serie über die Jahre so erfolgreich gemacht haben: Packende Story mit durchgängig rotem Faden + kinoreife Inszenierung + Dauerspannung + handfeste Action + Splitscreen + quasi Echtzeit.
Mit diesen Zutaten wurde im Jahr 2001 die Produktion von Fernsehserien auf ein neues Niveau gehoben. Die eigentliche Leistung der Produzenten bestand meiner Meinung jedoch darin, dass dieses Niveau - mit kleinen Abstrichen - über alle Staffeln hinweg gehalten werden konnte. Jede Season war - selbst wenn sie inhaltlich vielleicht einmal nicht 100%ig überzeugen konnte - immer DIE Messlatte!
**** SPOILERGEFAHR ****
Ein weiteres Merkmal von "24": Von Jack Bauer abgesehen, wurden nahezu alle wichtigen oder, noch schlimmer, alle sympathischen Charaktere im Laufe der Jahre getötet. Die finale Staffel bildet hierbei keine Ausnahme - und ich habe mich wieder einmal dabei ertappt, deswegen fassungslos vor dem Fernseher gesessen zu haben.
Bewundernswert - oder sollte es schon naiv genannt werden? - ist die Tatsache, dass Jack Bauer, trotz aller psychischen und physischen Schäden und trotz aller Verluste, die er erleiden musste, bis zum Ende der finalen Staffel konsequent seinen Weg geht! Er stellt seine moralisch oftmals zweifelhaften Talente immer in den Dienst der USA. Wer im Weg steht, wird konsequent beiseite geräumt und zumindest zum Reden gebracht. Wer glaubt, Geheimnisse verbergen zu können, lernt Bauers Verhörmethoden kennen. Wenn Bauer sagt, er zähle jetzt bis drei, dann sollte das Gegenüber besser nicht darauf hoffen, noch eine vier hören zu wollen. Schon in den vorhergehenden Staffeln wurde dabei die ein oder andere, sehr heftige Szene gezeigt, Season 8 toppt in Sachen Gewaltdarstellung jedoch alle anderen und trägt daher vollkommen zu Recht das FSK 18-Logo.
Notfalls lehnt sich Jack Bauer gegen Autoritäten auf. Und trotzdem leistet er sich im Finale beinahe Unglaubliches, als er die Legitimation und Autorität der US-Präsidentin in Frage stellt und gegen sie arbeitet. Nicht, weil er plötzlich die Seiten gewechselt hätte. Nein, einfach weil er Jack Bauer ist und in jeder Situation für Gerechtigkeit sorgen will. Wieder einmal verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Gut und Böse. Terrorbekämpfung oder persönlicher Rachefeldzug? Diese Interpretation bleibt letztlich der Sichtweise des Zuschauers überlassen. Ich persönlich fand Jack Bauers Handeln in der finalen Staffel konsequenter aber auch fragwürdiger denn je - auch wenn ich seine Motivation gut verstehen konnte.
Das Ende der Staffel ist voller Melancholie und sorgt vielleicht bei dem ein oder anderen Zuschauer für feuchte Augen. Es ist jedoch absolut passend, da es sowohl für die finale Season als auch für die gesamte Serie einen angemessenen Abschluss bietet.
Fazit zum Inhalt:
Schade, schade, schade, dass dies nun tatsächlich die letzte "24"-Season gewesen ist. Ich wurde auf sehr hohem Niveau 24 Folgen lang sehr gut unterhalten. Die Staffel bildet den würdigen Abschluss eines Serienformats, welches das Fernsehen einstmals revolutioniert hat. Fans der Serie werden sowieso zugreifen, allen anderen kann Jack Bauers letzter Arbeitstag nur wärmstens empfohlen werden.
Anmerkung zur Technik
Technisch leistet sich das DVD-Boxset keine Ausrutscher. Sowohl Bild als auch Ton spielen auf gehobenem Fernsehniveau. Vor allem der Sound kann aus meiner Sicht vollkommen überzeugen, da er auch in den - zahlreichen - Actionszenen mit seiner guten Dynamik für einen ordentlichen "Rumms" sorgt, ohne zu verzerren.
Hinsichtlich der Extras ist erwähnenswert, dass einige Folgen in erweiterten Fassungen vorliegen. Das kann für Fans, die wirklich keine "24"-Minute verpassen wollen, sehr interessant sein. Zu neuen Erkenntnissen hinsichtlich der finalen Staffel tragen sie jedoch nicht bei