Auch wenn weite Teile des Films in einem SM-Studio, einem Swingerclub und einer Stripbar gedreht wurden, handelt es sich weder um einen Porno noch geht es primär um SM oder Swinger. Ganz schön kompliziert.
Vielleicht erstmal ein paar Worte zur Handlung.
Eva, reiche Hotelierstochter mit Aussicht auf Übernahme eines sehr guten Hotels irgendwo in Bayern ist unzufrieden mit ihrem Sexualleben. Alle Ihre Verehrer scheinen sich nur für das Hotel zu interessieren. Ihr Vater ist eher unzufrieden damit das sie keinen Stammhalter erzeugt, ja nicht einmal eine feste Partnerschaft hat. Insofern scheinen sich Klischees zu bestätigen, doch es kommt anders.
Während einer Autofahrt sammelt Eva, Magdalena am Strassenrand auf, die eine Motoradpanne hatte. Wie es der Zufall will, vergisst Magdalena ihren schwarzen Rucksack in Evas Auto... ihr ahnt es schon, Inhalt: Peitsche, Klammern, Paddel... und die Visitenkarte von "Lady Maria", der Name, unter dem Magdalena ein edles Dominastudio betreibt.
Kurzentschlossen bringt Eva, Magdalena den Rücksack selbst zurück und betritt dabei eine für sie neue Welt. Sie ist erstaunt wie fantasievoll Sexualität sein kann, begegnet der "Gummisau" und Elfride einem 80jahrigen in Zofenkleidung, der sich rührend um das wohl seiner Lady kümmert.
Beeindruckt entdeckt Eva mehr und mehr ihrer Gelüste. Auf Anraten von Magdalena besucht einen Swingerklub, begegnet Mike, der Ihr Reiseführer der Lust sein möchte, sich aber dummerweise in Eva verliebt, was für böse Komplikationen sorgt. Sie begenet "Jesus" der seine Leiden in Marias Studio inzeniert und uns in einen wunderbaren Konflikt zwischen Lust und Liebe und Spiritualität entführt. Nebenbei erfahren wir das auch SMer nicht allem gegenüber tolerant sind, ja sogar ganz schön spiessig sein können. Eva wird schliesslich zwangsgeoutet und macht sich auf den Weg zu ihrer Wiedergeburt.
Niemals zuvor bin ich in einem Film so vielen skurilen Figuren begenet, die so liebevoll beschrieben werden. Keine der Personen, erscheinen einem ihre Gelüste auch noch so ungewöhnlich, wirkt lächerlich. Man begreift das die böse Maria auch noch eine ganz normale Magdalena ist, dass das Gummischwein auch eine menschliche Seite hat, das Sexualität zwar ein wichtiger Teil des Lebens ist aber nicht das ganze Leben bedeutet.
Wir entdecken das Dominas auch mal krank werden und Beziehungsprobleme haben können, obwohl sie im Studio alles fest im Griff haben. Selbst Elfriede ist ein ganz normaler Mensch, mit ganz normaler Vergangenheit, wie Eindrucksvoll vermittelt wird.
Nichts ist oberflächlich gehalten, die Figuren lassen tief in ihr Seelenleben blicken und das macht sie so Sympathisch.
Leider findet im Film keinerlei "private" Sexualität statt. SM findet halt im Studio, Swingerleben im Club statt. Das mag Außenstenenden unter Umständen weiter glauben lassen, das SM etwas rein kommerzielles sei. Dennoch wirkt der SM im Studio der Maria nicht gekauft. Und Elfride ist eh unbezahlbar.
Künstlerisch begeistern Szenen und Detailreichtum, ich habe sehr bedauert vor meinem Fernseher und nicht im Kino zu sitzen.
Schauspielerisch geben die Darsteller einfach alles, man spürt die Lust an den Szenen und der Inzenierung.
Der Film ist genial, auch um Menschen die bisher Zweifel am Geisteszustand sexuell anders interessierter hegen oder nicht verstehen was Menschen empfinden wenn sie SM erleben, einiges an Aufschluss zu geben.
24/7 bezeichnet im Zusammenhang des Filmes unser Leben in dem wir gefangen sind und dem wir manchmal, wenn auch nur für kurze Zeit zu entfliehen versuchen.
Evas Flucht am Ende Ihrer Entdeckungsreise mündet in ihrer Wiedergeburt.
Ich hab ihn dann gleich noch ein 2. mal angschaut. Bei jedem Mal entdeckt man neue liebevolle Details.
Ein absolutes Muss!