Ein spannender Thriller über den kalten Krieg. Ein Film über die Anfänge der Personalcomputer. Ein Film über das Erwachsenwerden. Hans-Christian Schmid (Regie und Drehbuch) wollte sehr viel in „23" unterbringen und erfreulicher weise fügt sich alles zu einem ganz besonderen, äußerst gelungenen Film zusammen. Dies ist definitiv kein Hollywood-Film. Statt dessen zeigt Schmid eindrucksvoll, daß Deutschland spannende, eigenständige, originelle Geschichten zu erzählen hat, die erfreulicher weise mal nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun haben. Wesentlich zum Gelingen des Filmes beigetragen hat der großartige Hauptdarsteller August Diehl, der den 19-jährigen Hacker Karl Koch aus Hannover spielt. Für die nötige Portion Humor sorgt Dieter Landuris, der Karl Koch mit Drogen und illegalen Aufträgen versorgt. Tschernobyl, C64, Atari ST, die Musik von Ton, Steine, Scherben und vieles andere - dies ist eine andere, würdevollere 80er Show.
Neben „Lola rennt" ist „23" meiner Meinung nach, der beste deutsche Film der 1990er Jahre. Während „Lola rennt" aber er ein Pop-Movie ist, kommt „23" als Rock-Show daher. Karl Koch ist ein Rebell. Und im Gegensatz zu den Rockstars der 80er Jahre ist sein Leben sogar wirklich wild und aufregend. Letztlich treiben ihn allerdings sein Verfolgungswahn uns die Drogensucht in den Abgrund. Durchaus originell ist die Geschichte über die Illuminati und ihre besondere Vorliebe für die Zahl 23.
Wie viele Komödien über 30-jährige, die eine Partnerin suchen und wie viele weitere schenkel-klopfende „Komödien" wird der Zuschauer abwarten müssen, bis die deutsche Filmindustrie wieder so ein Juwel abliefert?