Ali Dashti war ein Iraner, der 1896 bis 1981 lebte. Als er Anfang zwanzig war, etwa 1918, beschloss er, schiitischer Geistlicher zu werden, und erhielt eine dementsprechende theologische Ausbildung. Weil er mit der islamischen Religion zunehmend weniger anfangen konnte, wurde er Mitte der Zwanziger Jahre Journalist, mit dem Anliegen als iranischer Patriot, der sein Land und sein Volk zutiefst liebt, dem Iran zu dienen und in seinen Artikeln und Schriften Missstände aufzuzeigen - was ihn natürlich in Konflikt mit der herrschenden Pehlevi-Dynastie brachte. Er hatte dann Gelegenheit als Diplomat die französische Sprache zu erlernen und konnte so einen Einblick in europäische Literatur und europäisches Denken zu gewinnen, vor allem auch in die Ergebnisse europäischer Erforschung des Orients und dessen Geschichte. Zunehmend besorgt über die Zunahme des radikal-fanatischen Islams, der vom Schah gefördert wurde, weil dieser sich dadurch eine Ablenkung des Volkes von demokratischen und marxistischen Bestrebungen erhoffte, hielt Ali Dashti in Teheran heimlich Vorlesungen über den Propheten Mohammed und die Ursprünge des Islam, denn als ausgebildeter Theologe hatte er natürlich ein profundes Insiderwissen. Diese Vorlesungen wurden mitgeschrieben, gesammelt, heimlich anonym unter dem Titel "Dreiundzwanzig Jahre" gedruckt, und zwar im Libanon, denn der Schah hatte ja jegliche Religionskritik rigoros unterdrückt, und in den Iran zurückgeschmuggelt. Dashti's Bestreben war es, sein über alles geliebtes iranisches Volk vor dem Kummer der Unterdrückung und Gewalt des islamischen Fundamentalismus zu bewahren. Nachdem 1979 die islamische Revolution im Iran siegte, wurde Dashti verhaftet und als 83-jähriger Mann so brutal gefoltert, dass er 1981 an seinen schweren Verletzungen verstarb. Das konnte aber nicht verhindern, dass auch und gerade nach Khomeini's Machtübernahme im Iran Tausende von Raubdrucken des Buches "23 Jahre" kursierten, so dass fast jeder Iraner dieses Buch inzwischen kennt. In seinem Buch "23 Jahre" beschreibt Ali Dashti, der Aufklärung der Menschen und ihrem Wohlergehen verpflichtet, die Ursprünge von Mohammeds Berufung, dessen langen, beschwerlichen Weg zur Machtübernahme, und die entstellende Verklärung Mohammeds nach dessen Tod, als ihm plötzlich "Wundertaten" zugeschrieben wurden. Dashti, der seine atheistische Weltsicht durchscheinen lässt, kritisiert zwar Mohammed, hebt aber hervor, dass Mohammed in vierlei Hinsicht ein grosser, willensstarker und begabter Mensch war, so wie auch Alexander der Grosse, Jesus, Konfuzius oder Buddha, gerade w e i l er nur ein Mensch war. Nichtsdestoweniger weist Dashti auf viele Ungereimtheiten und Widersprüche im Koran hin, und kommt zu dem Schluss, dass es sich um eine Sammlung von Aussprüchen handelt, die für Beduinen des 7. Jahrhunderts vielleicht von Nutzen gewesen sein mag, für andere Völker anderer Zeiten als alleinige Richtschnur aber nicht geeignet ist.