Endlich ist sie da: die Geschichte eines erfolgreichen und glücklichen Menschen, der sich selbst bilden durfte und diesen Prozess genau beschreibt.
Das knapp 200 Seiten umfassende Buch des Parisers André Stern ist kürzlich beim Zabert Sandmann Verlag erschienen. Das Werk ist in drei Teile gegliedert. Zuerst stellt der Autor seine Eltern und deren familiäre Umgebung vor. Im mittleren Teil berichtet er detailliert über seinen selbstbestimmten Bildungsweg. Zum Schluss rundet er sein Buch mit den Antworten auf Fragen ab, die ihm während seiner Vorträge am häufigsten gestellt werden.
Durch die genauen Erklärungen und Illustrationen hat der Leser den Eindruck, die Entwicklung André Sterns aus der Nähe zu verfolgen. Aufgrund der sehr vielfältigen parallelen und miteinander verwobenen Interessen des Autors in den verschiedenen Abschnitten wird die Chronologie seines Lebens den Themen untergeordnet. Der Leser merkt, dass manche Bereiche, etwa Musik, den Autor sein Leben lang begleiten, mit anderen hingegen beschäftigt er sich nur kurze Zeit.
Seine Eltern waren aufmerksame Begleiter und stets präsent, ohne aufdringlich zu sein oder Druck auszuüben. Das Vertrauen in die Entwicklung ihres Sohnes hat ihnen erlaubt, ihren eigenen Weg zu gehen und dabei ihre Kinder gegebenenfalls einzubeziehen. Die nicht besonders wohlhabende Familie hatte zahlreiche Kontakte zu anderen Menschen sowie ein ausgeprägtes kulturelles Interesse. An manchen Stellen wird angemerkt, was die Eltern nicht gemacht haben, nämlich ihren Sohn in eine von ihnen bestimmte Richtung zu weisen. Sie haben seine Aktivitäten mit Anteilnahme verfolgt und unterstützt.
Stern erwähnt immer wieder, wie die Impulse aufkamen, sich in ein Thema zu vertiefen. Manchmal waren es nebensächliche Kleinigkeiten, an denen er Feuer fing. Um bestimmte Interessen zu verfolgen, musste er selten lange warten, bis er das richtige Material oder die richtige Person gefunden hatte. Auffällig ist die Zuversicht, dass seine Wünsche in Erfüllung gehen werden: Er ließ sich nie entmutigen, wenn etwas nicht klappte.
Stern beschreibt und analysiert seine Lernprozesse ziemlich detailliert. Es ist kaum zu glauben, dass er sich noch so gut daran erinnert, wie und was er damals gelernt hat. Dazu merkt er zum Schluss an: 'Ein lebendiges, frei erworbenes Wissen erlischt oder erstarrt nicht. Ich habe nichts von dem vergessen, was ich so energisch gelernt habe.'
Alles in allem bekommt der Leser den Eindruck von einer harmonischen Familie, in der ein aufrichtiges Interesse am Anderen besteht. Durch sein selbstbewusstes Auftreten, und sein ernsthaftes Engagement wurde André Stern selbst in jungen Jahren auch außerhalb der Familie als Gesprächspartner auf gleicher Höhe empfunden. Er durfte wirklich von Anfang an ein Mensch sein. Er fand stets Leute, die ihn mit Freude in seinem Vorhaben unterstützten und sich geehrt fühlten, einem so jungen Menschen zu helfen. Heute noch wenden sich Verwandte an ihn, wenn sie einen Rat beim Autokauf brauchen ' ein Bereich, den er sich vor sehr vielen Jahren erarbeitet hat. Seine heutigen beruflichen Aktivitäten sind so vielfältig wie seine Themenauswahl damals war und immer noch ist. Sie bewegen sich im künstlerischen Rahmen. Tatsächlich wird die Kreativität bei der Beschäftigung mit den im Leben spontan aufkommenden Themen besonders gefördert. Manche werden einwenden, dass auch routinemäßige Aufgaben ausgeführt werden müssten. Es sei unmöglich für die Gesellschaft, wenn alle Menschen Künstler würden. Die Vorstellung, Arbeit müsse anstrengend sein und der Spaß käme danach, ist sehr verbreitet und fest.
Das Buch liest sich schnell, weil es lebendig und spannend geschrieben ist. Wie der Autor in der Einführung erwähnt, handelt es sich nicht um eine Biographie: Er beschränkt sich auf seinen Bildungsweg. Insgesamt entsteht ein Bild eines glücklichen und erfolgreichen Menschen, der von Anfang an mit Verantwortung und Unterstützung gelebt hat und auf ein weites Netzwerk von hilfsbereiten Menschen zurückgreifen kann. Eine Ausnahme? Ein Hochbegabter? Beides verneint Stern. Ein Beispiel, wohin ein Leben in Freiheit führen kann.(Eva Formaggio)