In einem Hotelzimmer in Hongkong im Jahre 1966 schreibt der Journalist Chow (Tony Leung) an einem futuristischen Roman mit dem Namen 2046 und versinkt dabei in Erinnerungen an drei Frauen, deren Liebesaffären sich unauslöschbar bei ihm in Gedächtnis und Seele eingebrannt haben. Ausgerechnet die einzig unerfüllt gebliebene Liebe zur geheimnisvollen Kartenspielerin Su (Gong Li) lässt ihn jedoch nicht mehr zur Ruhe kommen.
In bizarren und avantgardistischen Bildkompositionen verschmelzen Vergangenheit und Zukunft zu einer transzendenten Fantasie. 2046 ist nicht nur die Nummer eines Hotelzimmers sondern auch die fiktive Zukunftsvision eines Schriftstellers, der auf der Suche nach verloren gegangenen Erinnerungen eben jenes 2046 als einen Ort beschreibt, an dem sich niemals etwas ändert. Eine Megacity der Zukunft, die aus einem gigantischen Schienennetz besteht und die bis auf Chow von keinem Menschen je wieder verlassen wurde. Wie in einem hypnotischen Sog verschwimmt das Hongkong der 60er Jahre mit dem irrealen Futurismus von 2046. Der Film hat eine sehr kodierte und kryptische Bildsprache, die viel Raum für Interpretationen lässt und bei der nicht immer klar wird, was Realität und was Parallelwelt ist. Die neurotischen Figuren treffen als Seelenverwandte auf der Suche nach emotionaler Wärme aufeinander, wobei Chow wie ein Flaneur seine Affären lieblos und gebrochen zurücklässt. Die Beziehung zur auf Zicke getrimmten Prostituierten Bai Ling (Zhang Ziyi) findet zwar in erotischen Eskapaden eine körperliche Erfüllung aber keine emotionale und bleibt als in Tränen gebadete Erinnerung im Gedächtnis haften. Die Kamera wird dabei, gleich dem Astloch in Chows Hotelzimmertür, zum voyeuristischen Auge, das für den Zuschauer intime Geheimnisse entblößt. Zeitlupenartig wird jede Nuance der aufkommenden Spontanität der Gefühle und Regungen der Figuren eingefangen und ästhetisiert. Subtile Wortwechsel mäandern durch den Raum. Die gedankliche Innenwelt der Protagonisten wird sichtbar an die visuelle Oberfläche gekehrt. Selbst ein banaler Frauenfuß in einem Absatzschuh wird raffiniert als erotisches Highlight inszeniert. Zigarettenqualm steigt stilisiert wie Weihrauch in den äußerst detailliert ausgearbeiteten Bildkompositionen empor. Magische Augenblicke werden beschworen, wenn die Kamera kunstvolle Bilder femininer Eleganz für einen kurzen Moment der Atemlosigkeit einfriert, um die Handlung wenig später wieder zu forcieren. Gezeichnet wird ein unwirkliches Bild melancholischer Beziehungen, die in vieldeutigen Dialogen und schweigenden Blicken ein trauriges Ende erfahren, montiert als rauschhafte Endlosschleife, die suggeriert, dass es nicht die Zeiger einer Uhr sind, die das Zerfließen der Zeit anzeigen, sondern die Frauen, die das Leben von Chow kreuzen. Aus dem Soundtrack ertönen je nach Stimmung Belcanto-Arien, Rumbarhythmen oder eine feinfühlig gespielte Solopianistik. 2046 ist ein in ästhetisch-satten Farbkontrasten getränktes Stück Schauspielerkino, das vom subtilen und expressionistischen Spiel seiner Darsteller getragen wird.
2046 ist kein reines Sequel von In The Mood For Love, sondern eine Art rekonstruierter Gegenentwurf, bei dem die Habiten der Figuren von Regisseur Wong Kar Wai noch mal aufgegriffen und neu bewertet werden. Auf der Zusatz-DVD sind Interviews, ein Making Of und Trailer zu finden.