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4.0 von 5 Sternen
Wenn Horror gut aussieht, 2. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: 200g Hack. Turm Manga Spezial 2 (Broschiert)
Bei einer Anthologie wird es kompliziert, ein Gesamturteil abzugeben ohne auch nur eine einzelne Facette unter den Tisch fallen zu lassen. Doch gerade hier zählt jede Nuance, da es in sich so erfrischend differenziert ist.
Hier werkelten vollständig eigenständige Köpfe mit jeweils eigenen Vorstellungen und jeweils einzigartigen Federführungen. Es ist ein Mosaik, wie es selten vorkommt. Eine Ansammlung vom Fantastischen, vom Skurrilen und nicht zuletzt vom absurd Makaberen.
Man sollte bei einem Titel wie 200g Hack" nicht erwarten, dass hier "hässliche Kinder" einfach nur bocken, dass "Totengräber" ihrer Arbeit unbekümmert nachgehen, dass Historik trockenlangweilig ist, die gute Verwandtschaft einem normales Essen auftischt, dass "Ratten" hier putzig dargestellt werden, oder dass ein Zirkus nur einfaches Entertainment ist. Oder oder oder; es IST tatsächlich durchgewürfelt.
Doch Nachwuchs bleibt Nachwuchs.
200g Hack" sticht gerade dadurch vor, dass es die Quintessenz hauptmoderner Zeichenstile mit aktiven, passiven und unmittelbarem Einfluss des Japanostils ist. Sind alle anders, sind doch alle auf etlichen Nennern gleich. Der Schwarze-Turm-Verlag gibt sich aber gekonnt souverän und fasst dieses daher auch als Manga-Special zusammen. Dieses kann sich sehen lassen und der Fanservice ist garantiert; auf allerhand Conventions (Buchmessen, Japanotainment-Cons) kann man sich von den Zeichnern eine Signierung abholen.
Trotz kleiner Schnitzer, ist das Preisleistungsverhältnis stimmig und überdurchschnittlich gut.
Das Positive:
+ einzigartige Zeichenstile
+ garantiert unverbrauchte Schreiber
+ der hauchzart fließende Gang zur Professionalität
+ liebevolle Konzeption
+ gelungenes Beispiel moderner Comickunst
+ gesamtinhaltlicher Wunsch zu schockieren, zu massakrieren und zu erstaunen
Das Negative:
- manche Geschichten sind tendenziell affektiert und undynamisch gezeichnet
- einzelne undurchreifte Handlungsverläufe
- starke Präsenz des "Rampensau"-gefühls; jeder Vertreter versuchte auf beste (und unangenehmste) Weise sich zu präsentieren
- teilweise etwas forscher und unbeholfener Erzählstil
- kleine Layoutmangel
Prädikat: Nur, wer sich vor Horror und Manga prinzipiell scheut, wird hier nichts finden. Doch, wer Mut und Freude am Status Quo unserer Comickunst hat, findet in 200g Hack" ein Paradieschen.
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