Nein, es passiert nicht viel in diesem Roman, der in München spielt und sich über einen Zeitraum von nur 24 Stunden erstreckt: Ein Autokauf (deswegen "200D"), ein Friseurbesuch, ein wenig Künstlerszene und Nachtleben, ein Frühstück, Abreise und Ende. Man könnte "200D" als eine Aneinanderreihung von belanglosen Erlebnissen bezeichnen, als Hedonistengeschreibsel von jemandem, der eigentlich nicht viel mitzuteilen hat. Aber genau deswegen macht das Buch Spass: Die Coolness der frühen Achtziger, München in den frühen Achtzigern. Ein konserviertes Zeit- und Lebensgefühl - so gesehen ein "altmodischer" Roman. Es ist schön das zu lesen, erst recht wenn man diese Zeit erlebt hat und sie in vielen, fotografisch genau beschriebenen Details wiederfindet. Ist das alles wirklich schon so lange her? Solche Romane gibt es heute nicht mehr - heute stünde der Inhalt von "200D" in irgendwelchen Blogs oder würde getwittert werden. Wem "200D" gefällt, der sollte sich auch
Faserland von Kracht (aus den Neunzigern) vornehmen. Ähnlich strukturiert, aber nicht so minimalistisch, dafür länger, provokanter, ätzender und sehr unterhaltsam.