Natürlich ist es unmöglich, dieses Buch vom Film zu trennen - immerhin ist es weder die Vorlage noch eine Nacherzählung von Kubricks Meisterwerk, sondern die zeitgleich entstandene Interpretation seines Drehbuch(Co-)Autors. Bei allen Unterschieden ist es im Zusammenhang mit dem Film unverzichtbar und geht mit ihm eine wunderbare Symbiose ein.
Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt (wie auch der Film), auf die ich hier im eizelnen eingehen will.
Der erste Abschnitt spielt in Afrika vor etwa drei Millionen Jahren. Der noch stumpfe Mensch, kaum dem Affenstadium entwachsen, ist vom austerben bedroht. Ein geheimnisvolles Artefakt, nimmt Einfluss auf den Menschen, indem es dessen Geist stimuliert.
Dieser Abschnitt ist, zusammen mit dem Schluss des Buches, der genialste Teil. Im Film bleibt das alles recht unverständlich, und entzieht sich in seiner Bedeutung vor allem dem Standardkonsumenten. Arthur C. Clarke geht sowohl auf den frühen Menschen als auch auf den geheimnisvollen Monolithen ein, und er portraitiert unsere Vorfahren so entlarvend wie humorvoll. Die Entwicklung, die der Monolith in Gang setzt, ohne zu manipulieren, wird ausführlich, nachvollziehbar und glaubhaft beschrieben.
Der zweite Abschnitt: Die Entdeckung eines Monolithen auf dem Mond Ende des 20. Jahrhunderts. Dr. Heywood Floyd wird auf den Mond beordert, um diese Entdeckung zu beurteilen, die für den Menschen den ersten Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens darstellt. Da erwacht der Monolith, und sendet ein Signal.
Dritter Abschnitt: Die Reise der Discovery. Ein Raumschiff ist auf dem Weg zum Jupiter und von dort aus zum Saturn. Der wissenschaftliche Teil der Mission ruht vorerst; die drei Experten befinden sich im künstlichen Tiefschlaf und sollen erst am Ziel geweckt werden. An Bord sind David Bowman und Freank Poole, und sie werden unterstützt vom Supercomputer HAL 9000. Doch etwas läuft schief: Obskure Fehlermeldungen stellen sich als falsch heraus und schließlich kommt es zu einem schlimmen Unfall, der schließlich dazu führt, das Bowman HAL abschalten muß. Er erfährt, dass die Mission dazu dient, dem Funksignal des Monolithen zu folgen, das dieser zum Saturn ausstrahlte.
Über diese beiden Abschnitte ist zu sagen, dass es äußerst interessant ist, die wissenschaftlichen Visionen Arthur C. Clarkes Ende der sechziger Jahre mit den heutigen Möglichkeiten und Errungenschaften zu vergleichen. Im Bereich des Möglichen bleibt er immer; schließlich plante man in den sechziger Jahren tatsächlich, bis in die achtziger den Mars erreicht zu haben und Stationen im Orbit und vielleicht auch auf dem Mond zu errichten. Auch Videophone sind heutzutage sicherlich keine Fiktion mehr.
Die Charaktere der handelnden Personen bleiben allerdings etwas schwach portraitiert. Hier dreht sich das Verhältnis zwischen Film und Buch um 180 Grad: den wo der Film geheimnivoll bleibt und Fragen aufwirft, wird Clarke konkret, während er die eigentliche Reise, man möchte fast sagen, übergeht. Die Dialoge mit HAL aus dem Film wurden nicht umsonst zu Schlagworten der Popkultur. Aber der Qualität des Buches tut dies keinen Abbruch, da der Autor sich hier auf andere Facetten der Geschichte konzentriert.
Es folgt das Finale: Bowman findet den großen Bruder des Monolithen auf dem Saturnmond Japetus und bricht auf eine phantastische Reise auf...
Es ist schwer zu sagen, was genialer ist; der wortlose, psychodelische Bilderregen des Kubrikfilms untermalt von Ligetis verstörender Musik, für mich eine der besten Filmsequenzen aller Zeiten, oder die ausführliche Beschreibung Clarkes einer unverständlichen Reise zu den Grenzen unserer Wahrnehmung oder unseres Verständnisses, deren Ende mit der Macht einfacher Worte einem vor Bewunderung fast die Tränen in die Augen treiben will. Es ist ein Patt, und beide Versionen dieser Vision sind zu ihrer vollen Erschließung unverzichtbar.
Fazit: Für Freunde des Science Fiction ist dieses Buch definitiv ein MUSS, wenn es auch heute schon einigen veraltet scheint. Aber das ist es nicht; es ist zeitlos.