Nachdem ich die erste BCC-Scheibe noch nicht als den großen Knaller empfunden habe, muss ich hinsichtlich des zweiten Albums, welches ich mir heute gekauft habe, gestehen, dass dieses ein großer Wurf ist. Musikalisch ist BCC mit "2" irgendwo zwischen Deep Purple, Rainbow und Blues Rock einzuordnen. Ich empfinde gerade die Reminiszenzen an Rainbow toll. Andererseits ist dies schon verwunderlich, da dieses die Band von Glenn Hughes' Intimfeind Ritchie Blackmore ist. Einige Riffs/Songs könnten dagegen glatt von Deep Purples Klassiker Burn stammen. -Einem Album aus dem Jahre '74, auf dem der gute Glenn Hughes bereits mitgewirkt hat!
Von Glenn Hughes hat man vor allem als Purple- und Black Sabbath-Mitglied gehört. Er liefert auf dieser Scheibe eine tolle Gesangsleistung ab. Joe Bonamassa hört sich auf dieser Scheibe weitestgehend nach dem Blackmore der 70er an, was ich als sehr großes Lob verstanden wissen will. Am Keyboard sitzt wieder Derek Sherinian, der auf "2" wesentlich stärker wahrzunehmen als noch auf dem ersten Album. Gerade er trägt mit seinen arabisch bzw. mystisch klingenden Parts zu den erwähnten Reminiszenzen an Rainbow bei.
Zu den Songs:
1. The Outsider ist eine schnelle Nummer mit einem Purple-artigen Riff und einem sehr eingängigen Refrain. Insgesamt ein klasse Opener
2. Man in the Middle kommt mit einem sperrigen Riff daher, welches wohl erst nach mehrmaligem Hören anschlagen dürfte. Ansonsten erinnert mich dieser Song an Dream Theater (Derek Sherinian sei gedankt)
3. The battle for Hadrian's wall ist eine Ballade, bei welcher der gute Bonamassa singt. Sehr interessante Gitarre, die etwas an Jimmy Page erinnert
4. Save me: Der meiner Meinung nach stärkste Song der Scheibe. Ein sehr cooler Rhythmus und ein unheimlich guter Glenn Hughes am Mikro sind schon granatenmäßig. Aber die in der zweiten Hälfte einsetzenden Keybord-Sounds peppen den Song noch zusätzlich auf, indem mystische Melodien, die glatt von "Rainbow's Rising" oder "Long live Rock'n'Roll" (Gates of Babylon) stammen könnten, gebracht werden. Man höre sich zudem die Solos des hervorragenden Joe Bonamassa an. Das klingt so, wie Ritchie Blackmore (leider) seit "Long live Rock'n'Roll" nicht mehr klingt. Bonamassa nutzt hier sogar dieselben Fusseffekte wie Blackmore damals. - Bonamassa ist tatsächlich ein großartiger Gitarrist!
5. Smokestack woman bietet ein tolles Purple-artiges Riff. Vor allem lebt dieser Song jedoch von Hughes Stimme, der sich hier die Seele aus dem Leibe schreit und den Song derart ordentlich treibt.
6. Faithless: ein epischer Song. Die teilweise mystische Gesangslinie erinnert ein wenig an Dio in dessen Rainbow-Phase. Selbst die Gitarre und das Keybord sind mystisch bzw. arabisch - toll! Auch hier nutzt Bonamassa wieder dieselben Fusseffekte, welche Blackmore auf "Rising" und "Long live Rock'n'Roll" verwendete. Ich mag den dabei entstehenden Sound sehr, weshalb ich auch diesen Song klasse finde.
7. An ordinary Son: Hier sing mal wieder Joe Bonamassa und zeigt dabei, dass er auch dieses sehr gut kann. Der Sängerwechsel sorgt ähnlich wie bei Purples Burn dafür, dass es nicht langweilig wird. Selbst innerhalb des Songs übernimmt Hughes kurzzeitig wieder das Mikro. - Sind halt Profis, die wissen, wie man eine Scheibe abwechslungsreich gestaltet! Ansonsten bleibt festzuhalten, dass "An ordinary Son" ein klasse Blues-Rock-Song ist.
8. I can see your spirit: ein guter Hard Rock-Song im Stile der 70er
9. Little Secret ist eine Bluesballade im Stile Gary Moores. Glenn Hughes singt hier wie ein junger Gott und dabei ist der Mann 58!
10. Crossfire: gut gemachter Hard Rock-Song mit einem coolen Riff
11. Cold ist eine Ballade, die niemals schnulzig wird. Glenn Hughes ist hier wieder klasse!
Alles in allem liegt mit "2" eine tolle Scheibe vor! Man hörte zwar bereits auf dem Debutalbum, dass es sich bei den BCC-Musikern um Profis handelt, aber mir kamen die Songs dort zum Großteil sehr bekannt vor. Dieses ist hier nicht der Fall. Bei "2" gibt es keinen Punktabzug (zumindest bei mir nicht!). Zwar gibt es auch hier kurze Momente, in denen man nicht vom Hocker gerissen wird, aber auf welchem Album gibt es die nicht! Die Songstrukturen sind klasse und ein Sprung im Vergleich zum ersten Werk.