Julie Delply liefert mit -2 Tage in Paris- ihre Regiedebüt ab. Das Ganze wirkt für mich ziemlich gelungen. Aber: Die Geschmäcker sind natürlich verschieden. Delply hat einen skurilen, witzigen, ja teilweise sarkastischen Dialogfilm gemacht. Keine große Action, keine tiefschürfenden Sinnesinhalte, einfach zwei Tage im Leben eines Pärchens. Was da geredet und gestritten wird, dass sieht, oder sollte man besser sagen hört, man nur selten auf der Kinoleinwand. Dabei ist die deutsche Synchronisation perfekt. Vielen wird das zu derb oder auch ein wenig schmuddelig sein, aber seis drum, es trifft den Kern der Sache.
Marion und Jack, sie Französin, die in New York lebt, er Amerikaner, touren durch Europa. Abschließend halten sie sich zwei Tage in Paris, bei Marions Eltern auf. Die sind alles andere als konventionell, sozusagen eigentlich völlig abgespaced. Im Haushalt geht es drunter und drüber und der Amerikaner Jack kommt damit gar nicht zurecht. Leicht hypochondrisch veranlagt stürzt er von einer Sinnkrise in die nächste. Das Wort Kulturschock trifft Adams Bestürztheit dabei nur unzureichend. Mit Marion erkundet er Paris und findet ausser einer Menge von Sehenswürdigkeiten noch etwas anderes: Jede Menge von Marions Ex-Lovern. Er stellt ziemlich schnell fest, dass Marion alles andere als eine puritanische Vergangenheit hinter sich hat. So stolpert Adam durch eine für ihn fremde Welt und wird dabei ungewollt Mittelpunkt der absurdesten Ereignisse und Begegnungen. Seine Beziehung zu Marion wird einer schwere Prüfung unterzogen.
Delply erweist Altmeister Woody Allen mit -2 Tage in Paris- eine späte Würdigung. Niemand, der -Manhattan- gesehen hat, kann die Parallelen übersehen. Alles überaus gelungen und aus einem etwas anderen, nämlich weiblichen, Blickwinkel festgehalten. Eine Kamerafahrt der Gefühle, des Spaßes und Schmerzes mitten durch die Metropole an der Seine.
Für mich der Höhepunkt des Streifens: Adam Goldberg als Jack. Der Mann spielt gnadenlos gut und die Pointen sitzen wie ein maßgeschneiderter Anzug. Wer Autorenkino liebt, wem ein Film auch ein wenig dialoglastig sein darf, wer sich intelligent und vielleicht auch ein wenig anrüchig unterhalten lassen möchte, dem sei -2 Tage in Paris- ganz warm ans Herz gelegt. Ich war jedenfalls begeistert.