Saim Rolf Alkan schrieb nicht nur ein Buch für den Einstieg in den Online-Journalismus, sondern auch ein Lehrheft für Journalisten. Daher werden sich erfahrene Hasen bei der Lektüre immer wieder langweilen. Aber bestimmt nicht, weil der Autor sein eigenes Metier nicht versteht und unnötig ausufert, sondern weil er vor allem an die doppelten Grünschnäbel denkt. An Leser, die gerne schreiben und nun mit dem Internet ein Medium erhalten haben, das ihnen trotz fehlender Ausbildung offen steht. Wer zu dieser Zielgruppe gehört, keine Klugscheisserallüren hat und an die Wirksamkeit des besseren Textes glaubt, kann nun bei Saim Rolf Alkan ein spottbilliges Fernstudium buchen und sein Buch durcharbeiten. Übungen im klassischen Sinn gibt es allerdings keine. Dafür findet der neugierige Jungjournalist nach jedem Kapitel Büchertipps und Links. Diese Verweise und Hilfeleistungen sind allerdings eher ein Schwachpunkt als ein Highlight.
Gefallen hat mir so viel an diesem Buch, dass ich ihm trotz anfänglicher Vorbehalte die Höchstnote erteile. Denn ich möchte die Netz-Schreiber wirklich zur Anschaffung dieser Gebrauchsanweisung ermuntern. Auch im eigenen Interesse. Ich finde es ärgerlich und schade, wenn interessante Inhalte nur deshalb nicht zur Kenntnis genommen werden, weil sie lausig vermittelt werden. Und da zum Journalismus auch das Handwerk des Recherchierens gehört, diese Kunst jedoch vergoogelt wurde, baut Alkan einen kurzen, ausgezeichneten Repetierkurs ein. Weitere Stichworte für unschlüssige Käufer: Spannend strukturieren; Bausteine eines Webtextes; Schreiben mit Stil; Hypertext; Newsletter; Weblogs; Team, Organisationshilfen und interne Prozesse in Online-Redaktionen; Recht.
Mein Fazit: Einsteigern in die Welt des öffentlichen Schreibens empfehle ich das Buch gern. Umsteiger-Profis können ebenfalls viel profitieren, wenn sie sich nicht über Bekanntes ärgern.