Zu loben ist die sehr schöne Grundidee, die man am besten nachvollziehen kann, wenn man die Augen ein wenig zusammenkneift. Dann ergibt sich nämlich die Anmutung klassischer Bandreliefs.
Ein klarer Vorzug des Posters liegt darin, dass man sich keine endlosen Kampfszenen antun muss, sondern sich am Anblick schöner Figuren erfreuen darf.
Allerdings kommen bei solchen Betrachtungen schnell Wünsche auf - wohlgemerkt an dieser Stelle an den Fotografen:
Wie so oft stört die harte Ausleuchtung: Die Körper sind übersät mit unnatürlichen Lichtflecken, vermutlich einem Kombinationseffekt von Körper-Öl und Blitzanlage. Es besteht auch der Verdacht, dass mit einer Bildbearbeitung "geschönt" worden ist. All dies geht auf Kosten der Natürlichkeit.
Eine Verflechtung der Körper findet leider nur ein einziges Mal statt, indem nämlich das mittlere Modell das Bein über die Nachbarinnen legt - und das wirkt noch recht gekünstelt. Am ehesten ergeben die Hände ein rhythmisches Muster - aber es fehlt die Gestaltung. Man hat den Eindruck, der Fotograf hätte seine eigene Idee nicht erkannt.
Leider sind einige Modelle erkennbar verspannt, was sich an hart durchgedrückten Fingern, dem Gesichtsausdruck oder dem Zudrücken der Brüste zeigt. Wenn es sich um Amateure handelt, die man - dem Titel "Hight Street Honeys" folgend - von der Straße geworben hat, ist das verständlich, aber wenig vorteilhaft für das Produkt.
Wer möchte schon an seiner Wand ein Poster hängen haben, auf welchem Models Widerwillen spüren lassen? Auch, wenn diese Antipathie ursprünglich dem Fotografen oder der Situation galt, wirkt sie vom fertigen Bild aus schließlich gegen den Betrachter.
Zusammengefasst würde ich mir eine konsequentere Umsetzung der Idee wünschen: Kunstvoll verschränkte Körper in sorgfältiger Gestaltung. Entspannte Modelle, idealerweise mit einem leicht schläfrigen Ausdruck. Den Verzicht auf Glamour-Accessoires wie starkes Make-Up, Körper-Öl, Sandaletten und Satin-Wäsche.
Schließlich eine stärkere Betonung der Band-Idee: Ein "breiteres" Format - mindestens 2.35:1 und mehr Modelle - vielleicht aber auch eine Montage mehrerer Fotos oder beispielsweise ein Triptychon.
Bei aller Kritik bleibt dennoch die ungewöhnliche Idee hervorzuheben. Dieses Poster macht sich bestimmt besser an der Wand als irgendein Politiker oder der millionste Sonnenuntergang. Es verbreitet gute Laune und stellt einen witzigen Blickfang dar.
jury 4* A0137 13.9.2010eg Kommentar Kommentar | Kommentar